Der Schweizerische Katholische Frauenbund SKF, heute ein Dachverband mit zirka 200‘000 Mitgliedern, wurde im Mai 1912 als eigenständige Frauenorganisation gegründet. Für die Gründerinnen standen soziale Aufgaben, aber auch die Teilnahme am öffentlichen Leben im Vordergrund.
Gemäss der damaligen Rolle der Frau engagierte sich der SKF bis in die Fünfzigerjahre vor allem auf erzieherischem und sozialem Gebiet. Dieser Einsatz führte 1918 zur Gründung der ersten sozialen Frauenschule der Schweiz in Luzern (heute Höhere Fachschule im Sozialbereich, Zentralschweiz) und 1928 zur Eröffnung des Erholungsheimes "Hof Gersau".
Zur Zeit der beiden Weltkriege organisierte der SKF Hilfsaktionen für Flüchtlinge und für die Bevölkerung in den europäischen Kriegsgebieten. 1957 gründete der SKF das eigene Entwicklungshilfswerk "Elisabethenopfer", seit 1996 "Elisabethenwerk", als Hilfe zur Selbsthilfe für Frauen in der Dritten Welt.
Nach dem Nein zur Fristenlösung (1976) löste der SKF sein Versprechen ein, sich tatkräftig für in Not geratene Frauen einzusetzen. Er gründete den Solidaritätsfonds für werdende Mütter in Bedrängnis SOFO, dieser heisst seit 1996 Solidaritätsfonds für Mutter und Kind.
Die Haltung des SKF zum Frauenstimmrecht ist auch ein Stück Sozialgeschichte der Frau. 1929 nahm der SKF noch offiziell Stellung gegen das Frauenstimmrecht. 1945 war der SKF mehrheitlich dafür. Ein Veto des Bischofs von Basel (Erinnerung an das traditionelle Frauenbild!) bewirkte schliesslich Stimmfreigabe. 1957 befürwortete der SKF an einer ausserordentlichen Delegiertenversammlung mit grossem Mehr die Einführung des Frauenstimmrechts. Und nach 1971 waren SKF-Frauen unter den ersten eidgenössischen und kantonalen Parlamentarierinnen.
Nach der rechtlichen Verankerung der Gleichberechtigung von Frau und Mann in der Bundesverfassung 1981, fühlt sich der SKF der "Politik des Einmischens" verpflichtet. Mitverantwortung tragen heisst auch politisch aktiv sein. Als Frauenverband glaubwürdig handeln heisst für den SKF, als Sprachrohr der Frauen auf allen Ebenen eine wichtige Stimme sein: wie seit jeher in sozialen und kirchlichen und heute bewusst auch in politischen Fragen.
Lange hat das Schweigen der Stimme der Frau in unserer Kultur niemanden gestört. Erst im Zuge der Frauenbewegung wurde der Blick auf Strukturen gerichtet, die für dieses Schweigen verantwortlich sind. Dort setzte das verbandseigene Bildungszentrum Matt, Schwarzenberg, an mit einem Kursangebot, das Frauen befähigen sollte, eine sich zunehmende rasch verändernde Welt zu begreifen und zu meistern sowie ein hohes Mass an geistiger und emotionaler Eigenständigkeit zu entwickeln, um sich auch für neue Lebensmuster entscheiden zu können. Das Bildungszentrum Matt wurde 1971 von den Frauen- und Müttergemeinschaften der Schweiz gegründet und 1996 nach deren Zusammenschluss mit dem Schweizerischen Katholischen Frauenbund SKF von letzterem übernommen. Von 2007 bis Ende 2009 wurde das Bildungszentrum als Seminarhotel geführt. Mit dessen Verkauf auf den 1. Januar 2010 an die La Prima Liegenschaften AG in Stansstad ging ein bedeutender Part der SKF-Geschichte zu Ende. Die SKF-Bildung wird dezentral weitergeführt.
«Wer still steht, auf die kommen die Dinge zu.»
Wie kann sich ein grosser Frauenverband den heutigen Bedürfnissen der freiwilligen Mitarbeiterinnen anpassen, die vielfältigen Aufgaben erfüllen, seine Mitglieder informieren und fördern und das operative Geschäft effizient und kostenbewusst führen, ohne seine fast 100-jährige Tradition zu verlieren? Diese Gedanken machte sich der SKF zu Beginn des Organisationsentwicklungsprozesses OE.
In der ersten Phase des OE-Prozesses galt es, die bestehende Organisation genau zu prüfen, Schwachstellen anzusprechen, Stärken und Ressourcen wahrzunehmen und Veränderungen einzuleiten, wo sie dringend notwendig sind. Die Veränderungen haben dazugeführt, dass die operativen Aufgaben klar und straff erfüllt werden können, die strategische Leitung des Verbandes effizient, zielgerichtet, mit einem dem Ehrenamt entsprechenden Pensum wahrgenommen werden kann. So sollen möglichst viele engagierte Frauen an der Arbeit des SKF teilnehmen können.
Die neuen Strukturen führten zur Auflösung des Zentralvorstandes. Dieser wurde ersetzt durch einen erweiterten Verbandsvorstand mit ausschliesslich strategischen Aufgaben. Die Verantwortung für die operativen Aufgaben wurden neu einer Geschäftsführerin übertragen.
Der Schweizerische Katholische Frauenbund SKF kann nun als fortschrittlicher und zeitgemässer Verband im Jahr 2012 das 100-Jahr-Jubiläum begehen.

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