SKF Verbandsvorstand gegen Verhüllungsverbot

Der Verbandsvorstand des Schweizerischen Katholischen Frauenbundes spricht sich einstimmig gegen ein Verhüllungsverbot aus. Die Hauptgründe für die Ablehnung sieht der Verbandsvorstand in der Selbstbestimmung der Frau und damit verbunden in der Ablehnung von Kleidervorschriften.

Stellungnahme des SKF-Verbandsvorstands

Argumentarium des interreligiösen Think-Tank

 

Das Burkaverbot wird heiss disktutiert. Dabei geht es um eine ganze Reihe von Themen, die den SKF etwas angehen: Frauenrechte, Religion, Integration und Toleranz. Wir wollen diese Diskussion mit Ihnen führen. Schreiben Sie Ihre Meinung, fragen Sie, streiten Sie mit uns. Regula Ott, Beauftragte für Ethik & Gesellschaft antwortet so rasch wie möglich.

Kommentare (13)

  1. Manuela Handermann
    Manuela Handermann am 15.09.2016
    Ich finde ein Burkavetbot würde ein Zeichen setzen: Nein, wir dulden keinem Kleiderzwang, wir möchten freie Frauen. Gleiche Rechte für Frau und Mann. Gleichzeitig sollte eine Aufklärungskampagne für die betroffenen Frauen in arabischer Sprache verfasst werden. Weder im Koran noch in der Bibel oder der Thora ist ein diesbezüglicher Kleiderzwang festgeschrieben. Wer gebildet ist und lesen kann, lese selbst!
    Unterstützung sollen alle Frauen von allen Frauen erhalten und sich an Frauengruppen zur Unterstützung wenden können.
    Liebe Grüsse
    Manuela
  2. Beata Bischof-Aepli
    Beata Bischof-Aepli am 15.09.2016
    Ich bin gegen ein Verbot, denn schlussendlich ist es der Entscheid jeder Frau ob sie sich verhüllt oder nicht. Es kann nicht am Staat liegen zu entscheiden, wie wir uns, seibes Mann oder Frau in einem Demokratischen Land anzuziehen haben.
    Wie steht es denn in unserem Land Schweiz mit den Klosterfrauen, welche teilweise bis auf ihr Gesicht verhüllt sind. Würden wir es auch ihnen verbieten wollen die freie Klewider Wahl zu haben ? Nein Danke.
  3. Manuela Handermann
    Manuela Handermann am 16.09.2016
    Genau, das finde ich eine gute Überlegung. Was wäre, wenn auch Klosterfrauen sich keinem Kleiderzwang mehr unterordnen müssen? Wenn sie sich nicht den Männern gehorsam schwören und sich mit freiem Kopf und Geist bewegen dürfen? Es ist Zeit, dies zu überdenken. Die Aufgaben können auch ohne Kopfbedeckung wahrgenommen werden. Wenn Gott eine Frau wäre, gäbe es dies nicht...
  4. Röösli Klara
    Röösli Klara am 17.09.2016
    Liebe Vorstandsfrauen

    Herzlichen Dank für den sehr fundierten Beitrag zum Burka-Verbot. Ich kann die gemachten Überlegungen zu 100% unterschreiben. Die Schweiz ist doch stolz auf ihre, vor Jahrhunderten erstrittene Freiheit und jetzt soll "eine Kleidervorschrift", deren Geltungsbereich nur eine kleine Minderheit betrifft in die Verfassung geschrieben werden?? Möglicherweise gibt es Menschen, die sich freier fühlen, wenn sie anderen Freiheiten absprechen können. Aber die verwechseln Machtgehabe mit Rechtsgleichheit. Das Fundament der schweizerischen Rechtsordnung sollte nicht geritzt werden. Der SKF ist total auf der richtigen Linie. Danke.
  5. Debrunner Sylvia
    Debrunner Sylvia am 19.09.2016
    Ich bin für ein Verbot. Hier geht es um das Vermummungsgebot und hat nichts aber auch gar nichts mit der Freiheit der Frau zu tun, sondern dient unser Aller Sicherheit. Kopfbedeckung, Schleier da bin ich dafür das dies den Frauen überlassen werden soll.
    Es ist sicher von Vorteil sich dies zu überlegen
  6. Regula Ott
    Regula Ott am 26.09.2016
    Käme es jetzt zu einer Abstimmung, würden 60.7% der Stimmberechtigten für ein Verbot stimmen. Dies sind weniger Ja-Stimmen als zuvor, Ende August waren es noch 71%, die ein Ja in die Urne legen würden. Von den 1256 befragten Personen der aktuellsten Umfrage von anfangs September waren bei den 40-60-Jährigen knapp 70% für ein Verbot. Nur in der Alterskategorie der 18-29-Jährigen war die Mehrheit der befragten Personen gegen ein solches Verbot.

    Mehr Informationen zur Umfrage auf www.tagesanzeiger.ch/schweiz/standard/Junge-sind-gegen-ein-Burkaverbot/story/19745762
  7. Trottmann ¨rs
    Trottmann ¨rs am 26.09.2016
    Lieber Vorstand des Kath. Frauenbund, liebe Beauftragte und Fachleute des SKF,

    ich kenn den SKF seit Jahrzehnten. Der SKF ist in der kirchl. Landschaft ein Leuchtturm. Ich war in der Kath. Erwachsenenbildung im Aargau tätig, hab viel mit den pfarreilichen Frauengemeinschaften und dem kantonalen SKF zusammengearbeitet, was ein grosser Gewinn, eine echte, fortschrittliche Partnerschaft ermöglichte.

    Bitte überlegt, ob Eure Stellungsnahme, die Burka resp. den Niqab nicht zu verbieten, unter pastoraltheologischen Gesichtspunkten und vom Kirchenbild her gesehen, für das der SKF bisher eingestanden ist, passt. Das Kopftuch ist ausdrücklich nicht gemeint.

    Burka und Niqab wird in vor mittelalterlichen, sehr patriarchalischen, fundamentalistischen Religionsausprägungen vorgeschrieben. Es sind Salafisten, Dschiadisten, Wahabiten, Saudiarabische, welche eine religiöse Polizei laufen lassen, die das /ein Kalifat fordern, resp. die Scharia anstelle Verfassung oder Grundgesetz einführen wollen (schon vielmals angekündet: selbstverständlich gilt die Verfassung, solange 'wir Muslime' nicht die Mehrheit haben, haben wir die Mehrheit wird die Scharia eingeführt...). Ein 'Detail' ?: Die Verschleierung lässt sich mit dem Koran und mit Mohammed nicht begründen... wohl aber einseitig in geschichtlichen Zusammenhängen des stammesgesellchaftlichen Orients.

    Mir sind vernünftige, nicht von Männern unterdrückte Musliminne und Muslime lieb. Jene, welche ihr Gesicht nicht zeigen dürfen, ev auch nicht zeigen möchten, mögen dort leben, wo das Brauch ist.

    Bitte, lieber SKF, Euren Frauen zu liebe, einem guten Zusammenleben in Pfarrei und Gesellschaft zuliebe, aus theologischen Glaubensgründen, den MuslimInnen zuliebe: wir wollen keine Verschleierung – wir wollen wollen im Angesicht Gottes liebevoll zusammenleben. Angst habe ich keine, mir wäre wichtig, dass sich der SKF von menschenunwürdigen Religionsausprägungen distanziert.

    Liebe Grüsse & alles Gute, ich bitte den Beitrag intern in die Angeschriebenen weiterzuleiten. Danke.

    Urs Trottmann, 7550 Scuol
  8. Regula Ott
    Regula Ott am 29.09.2016
    Herzlichen Dank für alle bisherigen Kommentare. Bereits hier in der Kommentar-Spalte zeigen sich verschiedene Meinungen, was wir sehr begrüssen.

    Hier eine kurze Zusammenfassung der erwähnten Argumenten in den bisherigen Kommentaren:

    Für ein Verbot: Als Zeichen, dass wir keinen KLeiderzwang dulden und Gleichberechtigung von Frau und Mann fordern; das es bei diesem Verbot einzig um Sicherheitsüberlegungen geht bez. Vermummung; dass es ein patriarchales Symbol verbieten möchte, welches das Zusammenleben erschwert.

    Gegen ein Verbot: Jede Frau soll selber entscheiden dürfen, aber sicher nicht der Staat; auch Klosterfrauen sollen und dürfen frei wählen, wie sie sich kleiden möchten; die Schweiz ist stolz auf ihre erstrittenen Freiheiten und Kleidervorschriften gehören nicht in die Verfassung.

    Auch begleitende Massnahmen wurden erwähnt: Aufklärungskampagne in verschiedenen Sprachen und Frauengruppen als Ansprechspartnerinnen.

    Was ist für Sie weiter noch wichtig, was hier noch nicht erwähnt wurde? Oder welchen Aspekt möchten Sie diskutieren? Wir vom SKF sind gespannt auf weitere Kommentare.
  9. vera Schlittler
    vera Schlittler am 21.10.2016
    Ich war zu Beginn, als der Tessin das Burkaverbot einführte ( unter Busse) eigentlich sehr dafür. Aber je länger ich mich mit dem Thema befasste, wurde mir klar, mit Verbot lösen wir keine Probleme.
    Es ist aber auch klar, dass uns Burkaträgerinnen vor unterschiedlichste Probleme stellen.
    Wollen wir die machoide Kultur der Unterdrückung tolerieren?
    Können wir aus der Sicht der öffentlichen Sicherheit überhaupt Burka in der Öffentlichkeit akzeptieren?
    Wo und wie können wir unsere Toleranz leben?
    Wir Schweizer wollen ja nicht ein Land von Verboten werden, also was und wie soll unser Weg sein.
    Auf den Ämtern ist man auf das Erkennen einer Person angewiesen.
    In der Öffentlichkeit ist das sich wohl fühlen für alle ein Gebot der Rücksichtnahme.
    Also suchte ich und fand eine Möglichkeit wie man beiden Seiten entgegen kommen könnte.
    Analog zu der Strassenverkehrsordnung, müsste man Richtlinien aufstellen:
    zum Beispiel: Besuch auf dem Amt - öffentliche Plätze - öffentliche Verkehrsmittel.... etc. da ist der Zutritt nur ohne Burka erlaubt.
    Ich meine, das wäre Zumutbar und verlangt von beiden Seiten ein teilweises Entgegenkommen.
  10. Planzer Silvia
    Planzer Silvia am 23.10.2016
    Im arabischen Raum kämpfen zur Zeit wunderbare Frauen für ihre Rechte, wie wir Europäerinnen dies in den 80iger Jahren taten. Diese Frauen verhüllen sich nicht, sie wollen weder Burka noch Niqab. Im Zeichen weiblicher Solidarität bin ich für das Verbot. Zugunsten der Frauen im arabischen Raum. Zugunsten eines selbstbestimmten Lebens dieser Frauen.

    Silvia Planzer
  11. Sylvia Villiger Müller
    Sylvia Villiger Müller am 23.10.2016
    Menschenwürde bedeutet, dass jeder Mensch gleich viel wert ist wie der andere. Eine Frau ohne Gesicht, deren Identität vollkommen unkenntlich gemacht wird, hat für mich keine Rechte mehr. Ja, sie existiert eigentlich nur im privaten Raum, für ihre Familie, für ihren Mann. In der Öffentlichkeit ist sie unter einer Vollverschleierung ein niemand, weil auswechselbar. In unserer Kultur sollte sich eine Frau auch im öffentlichen Raum mit einer Persönlichkeit, einer eigenen Identität bewegen dürfen. Deshalb bin ich für ein Verhüllungsverbot. Ein Mensch hat ein Gesicht, um mit anderen in Beziehung zu treten. Wie soll man sich in unserer Kultur integrieren, wenn man (Frau) eigentlich als Person gar nicht existiert? Eigentlich haben wir in verschiedenen Kantonen bereits ein Verhüllungsverbot. Man muss es nicht extra Burkaverbot nennen. Und man sollte die Diskussion nicht zu sehr hochschaukeln, ein Thema, dem wir nicht so viel Gewicht geben sollten, gerade um gewissen Kreisen nicht noch Oel ins Feuer zu giessen. Es braucht kein extra Burkaverbot, wir haben ein Verhüllungsverbot. Und: Bei uns hat auch eine Frau ein Gesicht! Dazu dürfen wir stehen. Auch - oder gerade, weil wir solidarisch sind mit den Frauen, die im arabischen Raum für ihre Rechte kämpfen. Sylvia Villiger
  12. Regula Ott
    Regula Ott am 24.10.2016
    Herzlichen Dank fürs Mitdiskutieren. Solidarität und die Wirkung von Gesetzen sind zwei wichtige Stichworte. Der Verbandsvorstand vertritt die Meinung, dass ein Gesetz kaum etwas am Zwang zur Burka ändern kann. Jedoch können solche Gesetze zur Isolation von Frauen beitragen, da sie öffentliche Bereiche nicht mehr besuchen dürfen.
    Gegen das Verbot zu sein bedeutet nicht, dass der Verbandsvorstand für das Tragen der Burka ist. Wir sehen nur ein Verhüllungsverbot in der Schweiz nicht als beste Möglichkeit an, die Frauen im arabischen Raum bei ihrem Kampf um Gleichberechtigung zu unterstützen.
  13. Simone Curau-Aepli
    Simone Curau-Aepli am 31.10.2016
    Immer wieder winken mir blitzschnelle VelofahrerInnen zu und ich winke zurück, obwohl ich keine Ahnung habe wer es ist, da sie ihr Gesucht zurecht gut schützen. Auch erkenne ich Personen mit verspiegelter Sonnenbrille auf der Strasse nicht, erst recht nicht, wenn es ein junger Mann mit Vollbart und Mütze ist.

    Mir ist bewusst, dass das anvisierte Verhüllungsverbot nicht auf diese Personen zielt und doch frage ich mich, wo denn die Grenzen gezogen werden. Ich wünsche mir, dass alle Menschen ihr Gesicht in der Öffentlichkeit zeigen und damit eine offene Kommunikation möglich ist. Darauf baut unsere liberale Gesellschaft. Ich finde es aber richtig, dass Frauen ihre Burka oder ihren Niqab bei offiziellen Gesprächen mit Behörden oder Schulen ablegen müssen. Ein generelles Verbot ist aber nicht zielführend. Das würde jene Frauen, die sich freiwillig oder unfreiwillig so kleiden, noch mehr in die Anonymität führen.

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