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Liturgische Texte einer Morgenbesinnung

Gott, hier bin ich

Gott, hier bin ich
in meinem Tiefsten mich sehnend
nach Sinn und Lebensfülle,
nach etwas, das bleibt, auch wenn ich vergehe
nach einer Spur, die wir hinterlassen.
Gott, hier bin ich
in meinem Tiefsten suchend
nach dem Wort, das bleibt
dem Brot, das nährt
und der Verbundenheit, die hält
– auch über den Tod hinaus
Gott, hier bin ich
in meinem Tiefsten verlangend
nach Tragendem, Bleibendem, Heiligem.

 

Aber oft stolpere ich durch’s Leben, mache Fehler, laufe
oberflächlichen Zielen entgegen.
Ich lasse das Leben einfach so dahinplätschern,
ausgefüllt mit Internet, Wetterbericht und Börsenzahlen,
Klatsch und Banalitäten und dem täglichen Allerlei.
Und manchmal verzweifle ich am Leben,
weil ich das Unglück und den Schmerz nicht aushalte.

 

Gott, hier bin ich
in meinem Tiefsten mich sehnend
nach Sinn und Lebensfülle,
nach etwas, das bleibt, auch wenn ich vergehe
nach einer Spur, die wir hinterlassen.
Gott, hier bin ich
in meinem Tiefsten suchend
nach dem Wort, das bleibt
dem Brot, das nährt
und der Verbundenheit, die hält
– auch über den Tod hinaus
Gott, hier bin ich
in meinem Tiefsten verlangend
nach Tragendem, Bleibendem, Heiligem.

Komm du mir entgegen.

Katharina Jost

 

Die Seligpreisungen in einer modernen Fassung

Selig seid ihr, wenn ihr einfach lebt.
Selig seid ihr, wenn ihr Lasten tragt.
Selig seid ihr, wenn ihr lieben lernt.
Selig seid ihr, wenn ihr Güte wagt.
Selig seid ihr, wenn ihr Leiden merkit.
Selig seid ihr, wenn ihr ehrlich bleibt.
Selig seid ihr, wenn ihr Frieden macht.
Selig seid ihr, wenn ihr Unrecht spürt.

Selig seid ihr, wenn ihr Wunden heilt.
Trauer und Trost miteinander teilt.
Selig seid ihr, wenn ihr Krüge füllt,
Hunger und Durst füreinander stillt.
Selig seid ihr, wenn ihr Fesseln sprengt,
arglos und gut voneinander denkt.
Selig seid ihr, wenn ihr Schuld verzeiht,
Stütze und Halt aneinander seid.

 

 

Wie wenig nütze ich bin

Ich hebe den Finger und hinterlasse
nicht den kleinsten Strich
in der Luft.

Die Zeit verwischt mein Gesicht,
sie hat schon begonnen.
Hinter meinen Schritten im Staub
wäscht der Regen die Strasse blank.

Ich war hier.
Ich gehe vorüber
ohne Spur.
Die Ulmen am Weg
winken mir zu wie ich komme,
grün blau goldener Gruss,
und vergessen mich,
eh ich vorbei bin.

Ich gehe vorüber -
aber ich lasse vielleicht
den kleinen Ton meiner Stimme,
mein Lachen und meine Tränen
und auch den Gruss der Bäume im Abend
auf einem Stückchen Papier.

Und im Vorbeigehn,
ganz absichtslos,
zünde ich die ein oder andere
Laterne an
in den Herzen am Wegrand.

Hilde Domin

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