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Wie beeinflusst das Coronavirus die Situation in den Projektländern?

Das Coronavirus verbreitet sich über den ganzen Globus und stellt überall die Menschen vor grosse Herausforderungen. Das Elisabethenwerk ist in den Ländern Uganda, Bolivien, Indien und Sri Lanka aktiv. Wir haben vor Ort Konsulentinnen, welche uns einen Einblick in ihre jeweilige Situation geben können. Das sind jeweils punktuelle Aufnahmen, sie können nicht die Situation im ganzen Land erfassen. Trotzdem zeigen sie die Schwierigkeiten auf, mit denen die Frauen konfrontiert sind.

Indien

«Die Musahar sind nicht von Corona betroffen, aber sie leiden unter Hunger, da sie wegen dem Lockdown arbeitslos sind», schreibt unsere Partnerorganisation Pragati aus Bihar.

  • Die Coronavirus-Ansteckungen haben sich in Indien auf 300'000 erhöht (rund 6'000 Verstorbene, Bevölkerung 1,379 Milliarden Menschen). Die Ansteckungen betreffen vor allem die Grossstädte Mumbai, Delhi und Madras. In den Regionen, in welchen das Elisabethenwerk tätig ist, sind die Zahlen weiterhin relativ tief (Orissa 2'478, Jharkhand 793, Chhattisgarh 756 und Bihar 4'493). Angesichts der exponentiellen Zunahme von Arbeitslosigkeit und Hunger ab Beginn des Lockdowns von Ende März lancierte die Regierung Modi relativ schnell ein Kreditprogramm im Volumen von 22 Milliarden US-Dollar für die Lebensmittelversorgung sowie Bargeldverteilung an Mittellose. Dieses begann Mitte April endlich zu greifen – auch dank vieler Freiwilliger, die sich für die Verteilung der Güter zur Verfügung stellten. Mittlerweile sind viele Spitäler an ihr Limit gelangt: In Mumbais Kliniken teilen sich zwei PatientInnen eine Pritsche, die Angehörigen sitzen auf dem Fussboden zwischen den Betten, ohne Schutz vor dem Virus. Patienten werden trotz schweren Erkrankungen abgewiesen.

    Der umfassende Lockdown dauerte bis zum 3. Mai, seither gibt es Lockerungen. Trotz steigender Ansteckungszahlen (aktuell gegen 10'000 pro Tag) plant Indien ab dem 8. Juni weitere Lockerungen: die Öffnung von Tempeln, Kirchen und Moscheen sowie Einkaufszentren, Hotels und Restaurants (ausgenommen Hochrisikoregionen). Ausgangssperren zwischen 21 Uhr und 5 Uhr bleiben. Ab Juli sollen Bildungsinstitutionen wieder öffnen. Auch in Indien ist der Grund für die Öffnung, dass die Wirtschaft enorm gelitten hat und möglichst schnell wieder in Gang kommen soll. 

    Die Projektarbeiten sind teilweise unterbrochen, die Projektteams engagieren sich stattdessen in der Informationsvermittlung zur Prävention von Corona-Ansteckung. Sie verteilen von der Regierung bereitgestellte Masken, Seife und Nahrungsmittel sowie Trinkwasser oder helfen gestrandeten ArbeitsmigrantInnen bei der Weiterreise. «Dazu gehört auch die Berücksichtigung von Transgendermenschen und Behinderten», betont ein Projektleiter aus Bihar. Projektleiterin Sr. Britto in Jharkhand besucht in Absprache mit den lokalen Behörden täglich abgelegene Dörfer, wo sie Lebensmittel wie Reis, Soja, Zwiebeln und Kohl an HIV- und AIDS-betroffene Frauen verteilt. Wo möglich werden die bisherigen Projektaktivitäten weitergeführt: Unterstützung bei Anträgen für Lebensmittelkarten, welche Zugang zu Hilfsrationen von staatlichen Verteilstellen ermöglichen, Beratung bei der Wiederaufnahme von Aufträgen im Zusammenhang mit dem NREGA (Recht auf Arbeit), und die Registrierung von Schwangeren unter dem staatlichen Programm ICDS (Integrated Child Development Services), welches Zugang zu medizinischer Betreuung, Nahrungsergänzung und Vorschulen für Kleinkinder ermöglicht. (Stand 9. Juni)

  • Stand 30.4.2020: Die Coronavirus-Ansteckungen haben sich in Indien auf 34'000 erhöht. Zur Zeit sind nicht die Erkrankten und die Kapazitäten der Spitäler das grösste Problem, sondern die durch die Ausgangssperre verursachte Arbeitslosigkeit der Menschen, die normalerweise im Tagelohn tätig sind. «Von den Armen, die vorwiegend als Tagelöhner im unorganisierten Sektor tätig sind, wird erwartet, dass sie einen überproportionalen Anteil des ökonomischen Ausfalls dieses unerwarteten Gesundheitsnotstands tragen», schreibt unser Projektpartner Bheema Rao, der ein Slumprojekt in Orissa leitet. Von einem Tag auf den anderen waren die im Tagelohn Tätigen ohne Arbeit, und da die meisten kaum Ersparnisse haben, sondern das Einkommen immer sofort für den Alltagsbedarf einsetzen, trat sehr schnell Hunger auf. Zum Glück griff in Indien nach ca. zwei Wochen endlich das staatliche Unterstützungsprogramm, das Bedürftige über das bestehende Netz von subventionierten Lebensmittelläden (PDS Public Distribtution Shops) mit Lebensmittelrationen versorgt. Auch NGOs engagieren sich für die Bedürftigen, darunter weiterhin auch unsere Partnerorganisationen. Sie helfen beim Verteilen der staatlichen Lebensmittelrationen und stellen zum Teil auch eigene Beiträge. Sie sind es, die darauf achten, dass auch diejenigen Benachteiligten, die keine PDS-Karten (Lebensmittelkarten) besitzen, Essensrationen erhalten.
    Unserer Partnerorganisation Pragati gelang es, in Bihar Grossbauern dazu zu bewegen, über 500 verarmten Familien in 46 Dörfern mit je 5kg Reis und 1 kg Dal (Linsen) zu helfen. Pragati selbst verteilte Getreide und Seife an mehr als 700 Familien in 16 Dörfern. Die Familien ohne PDS-Karten wurden aufgelistet und die Listen den Dofschefs übergeben. Fast alle unsere Partnerorganisationen haben zudem Informationskampagnen zum Coronavirus gestartet und verteilen Masken. Grossartig ist auch, dass Frauen der indigenen Volksgruppe der Lambani, die das Elisabethenwerk vor ein paar Jahren mit einem Nähkurs unterstützte, jetzt in grossem Stil Masken nähen. Bisher haben sie rund 10'000 Masken genäht!

  • Stand 9.4.2020: In Indien sind offiziell 3'588 Personen an Corona erkrankt (Stand 7. April). Versammlungen haben das Virus in alle Landesteile getragen, wie mehr als 2'600 religiöse Führer, die sich Mitte März in Delhi trafen, sich fast alle dort infizierten und das Virus weiterverbreiteten. Die Regierung verhängte ab dem 24. März eine Ausgangssperre von 21 Tagen.
    Die Arbeitslosigkeit ist innert kurzer Zeit auf 31 Prozent gestiegen. WanderarbeiterInnen verloren ihre Arbeit und verliessen zu Tausenden die Städte. In Karawanen machten sie sich auf den Weg in ihre Herkunftsdörfer, die bis 2'000 Kilometer entfernt sind. Zu Fuss, weil keine Züge und Busse mehr fuhren. Unterwegs benötigen sie Verpflegung und Unterkunft, die Regierung versprach, Lebensmittel zu verteilen. Bis die Verteilstationen öffneten, dauerte es lange und man weiss nicht, wie lange dies fortgesetzt wird.
    Gemäss einem unserer Projektpartner, Pater Cherian aus dem Norden Orissas, leiden auch die TagelöhnerInnen unter der vollständigen Ausgangssperre. Sie leben von der Hand in den Mund. Gemäss seiner Aussage haben «viele nicht genügend Essensvorräte für einen längeren Ausnahmezustand». Die Behörden riefen auch Private auf, sich zu engagieren. So berichtet unsere Projektpartnerin Sr. Jessy Maria, dass sie und weitere Ordensschwestern in Ranchi (Jharkhand) darum gebeten wurden, sich mit Hilfsgütern zu organisieren.
    Die physischen Distanzregeln wirken sich auch auf die Projektarbeit aus, berichten die Projektpartner. Sitzungen und Weiterbildungen wurden gestrichen, stattdessen werden die AnimatorInnen von den Behörden oder privat zur Verteilung von Lebensmitteln eingesetzt. Da es auch in den Dörfern Benachteiligte gibt, die keine staatliche Unterstützung erhalten, beispielsweise weil ihnen die nötigen Ausweispapiere fehlen, hat Pater Cherian seine AnimatorInnen gebeten, wachsam zu sein und diese Menschen ebenfalls mit Lebensmittel zu versorgen. Auch die Frauengruppen sind involviert, kochen Essen und verteilen Lebensmittelpakete. Ein Projektpartner, der in den Slums von Bhubaneswar (Orissa) arbeitet, hat die Projektarbeiten suspendiert, bleibt aber im Hausarrest aktiv und informiert die Slumbewohner via Handy über die Aktualitäten und Regierungsankündigungen. In Absprache mit den lokalen Behörden verteilt er mit seinem Team Nahrungsmittel an die Meistbenachteiligten, unter Wahrung von mindestens einem Meter Distanz und Mundschutz.

  • Stand 23.3.2020: Premierminister Modi hat am Sonntag, 22. März als freiwillige Probe-Quarantäne im ganzen Land Ausgehverbot von 7.00 bis 21.00 Uhr verordnet, um zu testen, ob dies nötigenfalls funktionieren könnte. Die Leute hielten sich tatsächlich gut an die Anweisungen. Geschäfte blieben geschlossen, fast alle Inlandflüge wurden gestrichen. Einzelne Teilstaaten wollten darauf die Ausgangssperre bis Ende März verlängern. Bis zum 24. März gab es mehr als 500 Infizierte, und zehn Tote. Die Dunkelziffer dürfte aber hoch sein, weil bisher nur wenig getestet wurde. Am Dienstag 24. März wurde dann eine dreiwöchige komplette Ausgangssperre für das ganze Land verfügt. Der Eisenbahnverkehr wurde fast gänzlich eingestellt und es dürfen keine internationalen Flüge mehr landen. Kinos und Einkaufszentren sind schon seit einer Woche geschlossen.

  • Stand 20.3.2020: Aus den Bundesstaaten Bihar und Jharkhand sind noch keine Infektionen gemeldet. In Chhattisgarh gibt es ein Versammlungsverbot, ansonsten ist noch wenig zu spüren.

     

Uganda

  • Inzwischen sind rund 100 Personen in Uganda positiv getestet worden. Am Virus ist bislang niemand gestorben. Die Mehrheit der positiv getesteten, sind Lastwagenchauffeure aus den härter getroffenen Nachbarländern.
    Durch den Lockdown leiden die Menschen zunehmend an Hunger. Obwohl Uganda ein Agrarland ist, werden die Lebensmittel knapp: Die Erntezeit ist schon längst vorbei, die neue Aussaat ist gerade jetzt, wo die Regenzeit begonnen hat. Reserven haben die Menschen fast keine, da der Grossteil der Bevölkerung von der Hand in den Mund lebt. Die Hungersituation in weiten Teilen des Landes verstärkt häusliche Gewalt massiv: in nur einer Woche wurden 25 Menschen durch Schläge umgebracht, mehrheitlich Frauen.
    Die Regierung hatte versprochen, Nahrungsmittel zu verteilen. Dies geschah an einigen wenigen Orten, allerdings längst nicht überall. Dazu erhielten die Parlamentsmitglieder je 20 Mio. Uganda Schilling (5'100 CHF), um damit Lebensmittel zu kaufen und in ihren Gebieten zu verteilen. Wie zu erwarten, kamen dem nur die wenigsten nach. Nun wird von ihnen verlangt, dass sie das Geld zurückzahlen.
    In den Städten haben die Apotheken zunehmend Probleme, Patienten mit lebenswichtigen Medikamenten zu versorgen. Hinzu kommt, dass die (meist städtische) Bevölkerung vermehrt in den Apotheken einkaufen will, da die Spitäler zu weit weg sind und Taxis und Töff-Taxis nicht mehr fahren dürfen.
    In Kasese, einer der Regionen, wo wir seit 10 Jahren Spar- und Kreditgruppen unterstützen, ist in der Gemeinde Kyarumba zu allem Elend am Donnerstag wegen starker Regenfälle ein Fluss über die Ufer getreten, richtete enormen Schaden an und schnitt die Bevölkerung von der Umwelt ab. Die Zulieferung von Nahrungsmitteln ist nicht mehr möglich. Auch die Hälfte des örtlichen Spitals wurde durch die Wassermassen mitgerissen. Stand 8.5.2020

  • Stand 15.4.2020: Bis zum 15. April wurden gemäss offiziellen Zahlen in Uganda 55 Menschen positiv getestet, acht von ihnen sind bereits wieder genesen. Glücklicherweise gibt es noch keine Todesfälle zu beklagen. 
    Die Regierung hat wie die Mehrheit der afrikanischen Regierungen strenge Massnahmen getroffen: Dazu gehören Ausgehverbot, geschlossene Schulen, Kirchen und Moscheen, gebetet wird nun zu Hause. Politische und kulturelle Zusammenkünfte sind verboten, Hochzeiten und andere grosse Familienfeste mit über 10 Personen müssen um einen Monat verschoben werden. Alle die husten, sollen sich in Selbstisolation begeben – sonst wird dies unter Zwang durchgesetzt. Gestern wurde die Ausgangssperre um weitere drei Wochen verlängert, was mancherorts zu verzweifelten Situationen führt.
    Schülerinnen und Schüler sollen per Radio, Fernsehen und per Computer lernen. Doch wie soll dies funktionieren, wenn es dauernd Stromunterbrüche gibt, welche oftmals ganze Tage dauern können? Auf dem Land ist zudem ein Grossteil der Menschen gänzlich ohne Strom.
    Die Preise sind in die Höhe geschossen und die Mehrheit der Uganderinnen und Ugander können sich auch das Notwendigste nicht mehr kaufen. Was hilft es, wenn der Präsident verkündet, man solle oft die Hände waschen, wenn kein Geld für Seife da ist? Die Regierung verteilt Lebensmittel – allerdings bisher lediglich in zwei von 132 Departementen. Ein oft verwendeter Spruch zeigt das grosse Dilemma auf: Verhungere oder werde krank.
    Problematisch ist die Situation gerade auch in Slumgebieten, wo zu wenig Land zur Selbstversorgung vorhanden ist und die Menschen darauf angewiesen sind, auf dem Markt einzukaufen und zu verkaufen. Auf dem Land können sich die Menschen eher direkt vom Feld versorgen, dafür fehlt alles andere.
    Lange Strecken mit öffentlichen Verkehrsmitteln sollen vermieden werden. «BodaBodas», eine Art Motorrad-Taxis, sind für die Bevölkerung die erschwinglichste, aber auch gefährlichste Fortbewegungsart. Auch diese dürfen nicht mehr zirkulieren, was die Versorgung mit lebenswichtigen Gütern zusätzlich erschwert.
    Das Distanz halten wird für unsere Partnerorganisationen – fast ausschliesslich Frauenbasisgruppen – zum Problem: Die Frauen dürfen sich nicht mehr treffen. Konnten bisher viele Probleme der Mitglieder innerhalb der Gruppe gelöst werden, ist dies jetzt nicht möglich. Insbesondere häusliche Gewalt wird schlimmer, denn es ist nicht verboten, Alkohol zu kaufen. Den Frust über Langeweile und Hunger lassen alkoholisierte Männer gewaltsam an Frauen und Kindern aus. Üblicherweise würde in solchen Situationen die Frauengruppe eingreifen. 

  • Stand 19.3.2020: Erste Menschen wurden positiv getestet. Nun greift die Regierung durch und erlässt Massnahmen. Unsere Konsulentin meint hingegen, die Bevölkerung hätte längst Massnahmen ergriffen. Die Regierung hat nun die Landesgrenzen geschlossen, normalerweise reisen die Leute sehr oft. Weiter wurde für vorerst 32 Tage die Schule ausgesetzt. Öffentliche Versammlungen, Hochzeiten, Beerdigungen und jegliche Feste sind verboten. Busse und Taxis werden dazu aufgerufen, Desinfektionsmittel einzusetzen, was  jedoch noch nicht umgesetzt wird. Beim Auftreten eines ersten Todesfalles durch Corona werden weitere rigorose Massnahmen getroffen. Dazu wird die Schliessung der Läden, Restaurants und Bars, etc. gehören.

Bolivien

  • Die Situation in vier Projekten:
    Uru Murato am Popóo-See:
    Bolivien durchlebt gerade die zweite grosse Krise innerhalb von wenigen Monaten. Nachdem bereits im Oktober im Nachgang der Wahlen und dem erzwungenen Rücktritt von Evo Morales praktisch alles blockiert war, hat COVID-19 und die entsprechende Ausgangssperre einen neuen Stillstand bewirkt. Für die arme Bevölkerung wird dies lebensbedrohlich. Hier ein Beispiel von einer Partnerorganisation, welche sich dafür engagiert, dass die Menschen des bedrohten Volkes der Uru Murato ihre Situation verbessern können.
    Die Uru sind eines der ältesten Völker Lateinamerikas und bezeichnen sich als «Wassermenschen». Die Uru Murato leben am Popóo-See, einst der zweitgrösste See Boliviens, sie lebten hauptsächlich vom Fischfang. Der See ist 2015 vollständig ausgetrocknet, 2017 wurde er durch starke Regenfälle wieder aufgefüllt, trocknete danach jedoch wieder nahezu aus. Viele Uru-Männer leben als Tagelöhner ausserhalb ihrer Dörfer, während die Frauen sich bemühen, ihre Familien zu ernähren und das Leben am Laufen zu halten.
    Die Massnahmen gegen COVID-19, ein totaler Lockdown, zwang die Männer dazu, in die Dörfer zurückzukehren. Die Gesundheitssituation in den Dörfern ist ohnehin sehr bedenklich, die Wasserqualität miserabel. So versuchen die Frauen nun, das Immunsystem ihrer Familienmitglieder mittels Kräutermedizin zu stärken.
    Da die Frauen wegen der Ausgangssperre nicht mehr auf die Felder gehen können, hungern die Familien inzwischen. Dank guten Kontakten zu bolivianischen Organisationen, welche den Überlebenskampf der Uru unterstützen, bekommen sie inzwischen mindestens überlebenswichtige Lebensmittel. Das Projekt der Uru-Frauen, das im November 2019 bewilligt wurde, konnte wegen all der Wirren noch nicht gestartet werden. Wann es beginnen kann, hängt ganz von der Entwicklung der Corona-Infektionen in Bolivien und den entsprechenden Massnahmen ab.

    Situation der RENAMAT-Frauen, Kämpferinnen für sauberes Wasser in Bergbau-Gebieten (Hochland, Grossregion Oruro):
    In den Monaten März, April und teilweise im Mai wird in der Regel geerntet. Mit der totalen Ausgangssperre seit dem 18. März 2020 konnten die Frauen nicht mehr auf die Felder gehen oder ihre Tiere füttern. Damit die Tiere überleben, mussten sie jeweils mitten in der Nacht losgehen, um ihnen Futter zu bringen. Dies unter der Gefahr, dass sie ins Gefängnis müssen, wenn sie erwischt werden.
    Um die wenigen geernteten Produkte auf den Markt bringen zu können, müssen sie viele Dokumente ausfüllen und lange warten, bis sie eine Bewilligung bekommen. Unterdessen verderben die Landwirtschaftsprodukte. So kann nichts verkauft werden und die vielköpfigen Familien essen auf, was noch im Haus ist. So haben sie nun begonnen, das Saatgut für die kommende Saatsaison zu essen. Dieses fehlt natürlich für die kommende Saison.
    Das Elisabethenwerk angefragt, ob ein kleiner Teil des Projektgeldes für die Versorgung der Begünstigten eingesetzt werden könnte, um diese Notsituation etwas abzufedern. Dies wurde umgehend bewilligt.

    Situation der Frauen der «Comunidad Andina Suma Satawi» in El Alto, Hochland bei La Paz
    In der Millionenstadt El Alto, wo vorwiegend MigrantInnen vom Land wohnen, unterstützen wir ein Projekt, in dem Frauen lernen, qualitativ hochwertige Kleider aus Alpacawolle zu stricken. Viele der Begünstigten organisieren sich als Produktions- und Lerneinheiten in verschiedenen Quartieren. Neben dem Fachwissen werden sie auch als Gruppen gestärkt und sie lernen voneinander in Selbsthilfegruppen.
    Der Hunger durch die Ausganssperre wächst und die Situation in vielen Familien verschlechtert sich durch das enge Zusammenleben. Da ist es ein Segen, dass sich die Frauen des Projektes organisiert haben und mittels WhatsApp miteinander in Kontakt bleiben. Auf diese Weise können die Frauen solidarisch handeln und einander beraten. Wenn möglich helfen sie einander aus mit Lebensmitteln oder anderen dringend benötigten Waren. Dies hilft ein wenig, diese schwierige Situation besser zu überstehen.

    Situation der Frauen im tropischen Tiefland Bolivien
    In der Provinz Alto Beni unterstützt das Elisabethenwerk ein Projekt, in dem Frauen für die Schulküchen Mahlzeiten zubereiten, mit ihrer Landwirtschaftsproduktion die Biodiversität fördern und dank Weiterbildung ihre Rolle im Gesellschaftsleben stärken.
    Jetzt sind die Frauen mit ihren Familien eingeschlossen auf ihren Grundstücken. Meist haben sie jedoch das Land rund um ihr Haus landwirtschaftlich angebaut, so dass sie ihr Grundstück nicht verlassen müssen, um zu ernten. Alle anderen Aktivitäten hingegen, die sie näher zu ihren Projektzielen führen würden, sind blockiert: Die Schulküchen, welche noch nicht im gesetzlich vorgeschriebenen Ausmass finanziert werden, die Stärkung ihrer Rolle bei den Gemeindeversammlung, wo sie ihre Anliegen einbringen, können nicht mehr fristgerecht durchgeführt werden. Mit den politischen Unruhen Ende letzten Jahres und der jetzigen Ausgangssperre wird das Projekt eine erhebliche Verzögerung erfahren. Stand 8.5.2020

  • Stand 19.3.2020: Es wird angenommen, dass das Virus von je einer rückreisenden Person aus Italien und Spanien eingeschleppt wurde und so anfing, sich im Land zu verbreiten. Bereits sind einige Ansteckungen bekannt. Mitte März wurde die Quarantäne eingeführt, die Landesgrenzen sind geschlossen und es ist verboten, zwischen den Departementen zu reisen. Es gibt auch eigenartige Restriktionen beim Autofahren und Busfahren, Fahrten zwischen 5 Uhr abends und 5 Uhr morgens sind untersagt. Die Arbeitszeiten wurden auf 8 Uhr bis 13 Uhr begrenzt, Läden sind bis 15 Uhr geöffnet. Polizei und Militär überwachen die Einhaltung der Regeln. Wer die Restriktionen nicht respektiert, wandert für mindestens 8 Stunden ins Gesfängnis. Diese ersten Massnahmen sind bis zum 31. März angeordent, danach wird die Situation erneut geprüft.
  • Bericht zur Verschiebung der Wahlen vom 3. Mai von amerika21.de
  • Hintergrundbericht von kath.ch zur Situation in Bolivien vom 22.3.2020

Sri Lanka

  • In Sri Lanka wird mit 1797 Coronavirus-Ansteckungen gerechnet (11 Verstorbene, Bevölkerung 21,4 Millionen). Der Lockdown wurde seit dem 11. Mai schrittweise aufgehoben. Nur noch in bestimmten Regionen gibt es eine strikte Ausgangssperre. Weiterhin gültig ist jedoch die nächtliche Ausgangssperre zwischen 20 Uhr und 5 Uhr. Unsere Projektpartnerinnen haben ihre Projektarbeit wieder aufgenommen. Mehr Informationen zur Situation vor Ort gibt es auf News.lk, dem offiziellen Nachrichtenportal der Regierung ​(Stand 5. Juni).
  • Stand 8.4.2020: ProjektpartnerInnen melden sich besorgt per E-Mail und erkundigen sich nach unserer Gesundheit und der Situation in der Schweiz. Sie sind entsetzt, dass es in den europäischen Ländern, mit im Vergleich zu Südasien bekanntlich viel besserer Gesundheitsversorgung, so viele Corona-Erkrankte und Todesfälle gibt. Viele von ihnen beten für uns. Es gibt weiterhin nicht sehr viele Erkrankte, am 7. April sind es 166, aber die Zahl ist zunehmend.  
  • Stand 25.3.2020: Die Anwältin Saroja Sivachandran berichtete aus Jaffna, dass als Folge der Massnahmen bereits Leute zu hungern beginnen. «Weil sie nicht mehr arbeiten dürfen, finden es Tagelöhnerinnen jetzt schwierig, schon nur eine einzige Mahlzeit pro Tag zu organisieren; auch für andere verletzliche Gruppen wie Behinderte und Kinder ist es eine grosse Herausforderung.»
  • Stand 24.3.2020: Seit dem 11. März breitet sich das Virus auch in Sri Lanka aus. Offiziell gibt es nun 100 Fälle. Seit dem 19. März ist der Flughafen für ankommende internationale Passagierflugzeuge geschlossen. Es gibt regelmässige, komplette Ausgangssperren, die Autobahnen sind gesperrt, Ausflüge und Pilgerreisen verboten sowie die Nationalparks geschlossen. Zudem wurde Home Office angeordnet.  
  • Mehr Informationen über die Lage mit Covid-19 in Sri Lanka der Reiesewebsite srilanka.travel

Die laufenden Projekte des Elisabethenwerks

Auch wenn die Frauengemeinschaften in den Projektländern gerade speziell gefordert sind, werden die laufenden Projekte des Elisabethenwerks mit den nötigen Sicherheitsvorkehrungen weitergeführt oder falls nötig kurzweilig unterbrochen und danach wieder fortgesetzt. Die Frauengemeinschaften lernen in den Projekten, wie sie gemeinsam Verbesserungen anstreben können. Dieses Wissen und diese solidarische Gemeinschaft ist gerade in Krisenzeiten äusserst hilfreich. Mehr denn je ist unsere Unterstützung wichtig. Wir freuen uns über jegliche Zuwendungen. Mehr über die Projekte des Elisabethenwerks