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Wie beeinflusst das Coronavirus die Situation in den Projektländern?

Das Coronavirus verbreitet sich über den ganzen Globus und stellt überall die Menschen vor grosse Herausforderungen. Das Elisabethenwerk ist in den Ländern Uganda, Bolivien, Indien und Sri Lanka aktiv. Wir haben vor Ort Konsulentinnen, welche uns einen Einblick in ihre jeweilige Situation geben können. Das sind jeweils punktuelle Aufnahmen, sie können nicht die Situation im ganzen Land erfassen. Trotzdem zeigen sie die Schwierigkeiten auf, mit denen die Frauen konfrontiert sind.

Indien

  • Die Konsulentinnen haben unsere Fragen zur Lage in Indien zwischen Lockdowns und Hoffnung beantwortet
  • In Indien sind die Ansteckungen mit dem Coronavirus Ende Oktober deutlich zurückgegangen auf durchschnittlich noch 13'000 pro Tag, was bei einer Bevölkerung von 1,3 Milliarden nicht viel ist. Insgesamt gab es auf dem Subkontinent seit Beginn der Pandemie mehr als 34 Millionen Ansteckungen und 455'000 Tote (Stichdatum 26.10.21). Das indisches Projektgebiet mit dem «Tribal Belt», dem Gebiet mit den meisten indigenen Gemeinschaften in Bihar, Jharkhand, Orissa, Chhattisgarh, Telangana und Andhra Pradesh, gehört nicht zu den Gebieten mit den meisten Ansteckungen.
    Die indische Regierung investierte 9 Milliarden Rupien (ca. 130 Millionen CHF) in die eigenständige Herstellung eines Impfstoffs. Seit Jahresbeginn wird intensiv geimpft, jedoch sind die Impffortschritte unterschiedlich. Zuerst wurden die zehn Millionen Gesundheitspersonal immunisiert, bis anfangs April waren 67 Prozent geimpft. Als nächstes die über 45-Jährigen mit Risikofaktoren und Leute über 60. Schliesslich alle über 45, sowie ab Mai alle über 18 Jahren. Gleichzeitig gab Indien 65 Millionen Vakzindosen an 95 Länder ab, davon 10 Millionen als Geschenk. Diese Aktion musste vorübergehend gestoppt werden, nachdem im Frühling die Ansteckungen in Indien in die Höhe schnellten und die Dosen selbst dringend gebraucht wurden. Bis Ende Oktober wurde mehr als eine Milliarde Impfdosen verabreicht: damit erhielten 52 Prozent eine Erstimpfung, vollständig geimpft sind erst 22 Prozent.
    Das renommierte Serum Institute of India rechnet mit einem weiteren Jahr, bis die Welt wieder in den Vor-Covid-Normalzustand zurückfindet, ohne Tests oder Vorsichtsmassnahmen.
    Die Projektarbeit in Indien konnte weitergeführt werden. Wie bisher gibt es je nach nationalen und regionalen Lockdowns Unterbrüche, zudem werden grosser Versammlungen vermeidet. Weiterbildungskurse erfolgen weiterhin nur in Kleingruppen von maximal 10 Personen. Unsere beiden Konsulentinnen Sr. Tessy Paul und Sr. Rajni Kullu führten wieder physische Projektbesuche für Evaluationen durch, vermeiden aber Reisen in weitentfernte Regionen, aus Angst vor plötzlichen Lockdowns. Eine geplante gemeinsame Evaluation im Norden von Telangana, an der Grenze zu Chhattisgarh musste deshalb abgesagt werden.
    Wie zuvor arbeiten mehrere unserer indischen Partnerorganisationen auf eigene Initiative in der Covid-Nothilfe. Sie informieren die Frauen über die Gefahren von Covid-19 und Präventionsmassnahmen und ermöglichen Bedürftigen Zugang zu staatlichen Lebensmittelrationen. (Stand 31.10.2021)

  • Stand 20.7.2021:
    Ab April vervielfachten sich die Covid-19 Ansteckungszahlen exponentiell, Anfangs Mai infizierten sich im Schnitt täglich mehr als 400'000 neu an Covid-19. Mitte Mai verbot die Regierung Indiens den Begriff «indische Variante» für die in Indien neuentdeckte Mutation B.1.617. Seither ist von der Delta-Variante die Rede. Nach den erneuten Teil-Lockdowns verringerten sich die Neuinfektionen bis Mitte Juli auf noch täglich rund 38'000 Fälle. Insgesamt gab es seit Beginn der Pandemie mehr als 31 Millionen Ansteckungen und ein Prozent bzw. 414'000 Tote (bei einer Gesamtbevölkerung von 1.4 Milliarden).
    Indien befindet sich seit April 2021 wieder in einem Teil-Lockdown. Dieser ist jedoch nicht so drastisch wie während der ersten Welle im Vorjahr. Die Einstellung des regulären internationalen Flugverkehrs wurde bis mindestens am 31. Juli verlängert. Die Einschränkungen sind abgestimmt auf die jeweilige Situation in den Teilstaaten. In den Bundesstaaten, in welchen das Elisabethenwerk tätig ist, beispielsweise in Orissa, wurde der Teil-Lockdown bereits zweimal verlängert. Zudem galt jeweils an den Wochenenden bis Mitte Juli eine vollständige Ausgangssperre. In Andhra Pradesh bleiben die Einschränkungen in Kraft, aber in acht Distrikten wird die Ausgangssperre verkürzt. In Telangana konnte der Lockdown bereits am 20. Juni aufgehoben werden.
    Im Juni kündigte Premierminister Narendra Modi eine zentralisierte Impfkampagne an, mit Gratis-Impfdosen für alle Bundesstaaten. 404 Millionen Impfdosen wurden bisher insgesamt verabreicht, das heisst knapp ein Drittel der Bevölkerung konnte geimpft werden, davon gut 80 Millionen vollständig (ca. 6%). Zurzeit wird mit einer Kadenz von 2 Millionen Impfungen pro Tag immunisiert.
    Bei den Impfungen lassen sich Frauen zu 14% weniger häufig impfen als Männer. Speziell auf dem Land, wo die Frauen nur wenig Schulbildung haben und begrenzten Zugang zum Internet, zögern sie oder haben Angst, sich impfen zu lassen.
    Leider kam es im Frühling zu einem Impfskandal: Im Teilstaat Maharashtra «impfte» eine Bande 2'500 Personen mit einer Kochsalzlösung und verdiente damit mehr als eine Million Rupien. Sie arbeiteten mit einem Spital zusammen, welches medizinisches Personal, Zertifikate und Spritzen zur Verfügung stellte. Zudem weitere zwölf gefälschte Impfaktionen in Maharashtra bekannt.
    Damit nicht genug: Viele Covid-Kranke in Indien infizieren sich zusätzlich mit dem gefährlichen schwarzen Pilz (Mukormykose), der tödlicher ist als das Corona-Virus. Zur Anzahl Betroffener gibt es noch keine verlässlichen Zahlen bisher bekannt sind 5'000 Fälle. Die Therapie ist aufwändig und schwierig, Medikamente mangeln.
    Die Fehler in der Einschätzung der Corona-Pandemie haben das Image von Premierminister Narendra Modi beschädigt. Mit einer Kabinettsumbildung versucht Modi dem Popularitätsverlust entgegenzuwirken. Zwölf Minister reichten – offenbar unter Druck – ihren Rücktritt ein, darunter der Gesundheitsminister. Er verkündete im März die Endphase der Pandemie und nahm an einer zweifelhaften Werbeveranstaltung für ein ayurvedisches Corona-Wundermittel teil. Neu aufgenommen wurden 36 Minister und Staatssekretäre, so dass das Kabinett neu 77 Mitglieder umfasst. Es repräsentiert nun mehr regionale und religiöse Diversität und umfasst auch mehr Angehörige tiefer Kasten und Frauen.
    Die Projektarbeit konnte auch während der Delta-Welle weitergehen, je nach Bundesstaat und Region mit unterschiedlichen Restriktionen. Vielerorts sind, mit beschränkter Anzahl Teilnehmerinnen weiterhin Trainings und Sitzungen möglich. Erschwerend ist für die Konsulentinnen Sr. Rajni und Sr. Tessy die Einschränkung für Evaluations- und Monitoringbesuche, insbesondere wenn sie in einen anderen Bundesstaat führen.

  • Stand 28.4.2021: Anfangs März verkündete der indische Gesundheitsminister, die Pandemie sei so gut wie besiegt und Indien habe sich besser geschlagen als andere Länder. Es gab weitere Öffnungen wie die Erlaubnis von grossen Cricketmatchs und religiösen Festen. Innert weniger Wochen jedoch verschlechterte sich die Corona-Situation im Land drastisch, und Indien rasselte in eine Tsunami-artige zweite Welle mit bis zu 350'000 Ansteckungen pro Tag und einer eigenen Virus-Mutation.
    Eine Ansteckungsquelle dürfte die Durchführung des Kumbh Mela sein, an der die Regierung von Premierminister Narendra Modi festhielt. Bis zu 50 Millionen Gläubige nehmen an diesem grössten Hindu-Fest teil. Sadhus (Asketen) aus ganz Indien kommen zusammen und eröffnen das Bad im heiligen Fluss. Die Legende besagt, dass der Götterarzt Dhanvantari den Nektar der Unsterblichkeit in einem Krug aus dem Milchozean trug und im Streit zwischen Gottheiten und Dämonen vier Tropfen davon an vier Orten auf die Erde fielen: in Prayagraj, Haridwar, Ujjain und Nashik. Dort finden jeweils abwechselnd im 12-Jahres-Rhythmus, wenn Jupiter, Sonne und Mond in einer bestimmten Konstellation sind, die Kumbh Melas statt. Dann soll sich der Nektar im Fluss Ganges manifestieren und die Pilger:innen ein Unsterblichkeitsbad nehmen können. Das Bad befreie auch millionenfach mehr von Sünden als andere Bäder.
    Auch im 2021 fand das Kumbh Mela statt, diesmal in Haridwar im Teilstaat Uttarakhand. Gewöhnlich dauert das Fest dreieinhalb Monate, wegen der Pandemie wurde es jedoch auf den Monat April beschränkt. Man verzichtete auf weitere Corona-Restriktionen. Der Chefminister des Teilstaats erklärte im März, niemand solle von der Teilnahme abgehalten werden, «weil wir sicher sind, dass das Vertrauen in das Göttliche die Angst vor dem Virus überwinden wird». 30 Millionen Gläubige pilgerten an den Ganges. Beobachter:innen vermuten einen Superspreader-Event. Tragisch, dass gerade das Unsterblichkeitsbad zur Krankheitsfalle wird.
    In der Folge gibt es zurzeit es einen akuten Mangel an Spitalbetten und Sauerstoffgeräten, das Gesundheitssystem ist überfordert und die Verstorbenen werden in Hinterhöfen und in Gruppen kremiert. Das Serum Institute of India, der weltgrösste Impfstoffhersteller, hat die globale Covax-Initiative über eine Lieferpause informiert. Verschiedene Staaten, darunter die USA, Deutschland und Grossbritannien stellen Hilfe zur Verfügung: Beatmungsgeräte, Spitalpersonal, Pflegekräfte und Impfstoff. Auch die Schweiz hat ein Hilfsangebot gemacht.
    Seit Mitte April gibt es regionale Lockdowns in verschiedenen Städte und Teilstaaten. Ab dem 2. Mai ist mit einem landesweiten Lockdown zu rechnen.
    In den Teilstaaten, in welchen das Elisabethenwerk Projekte führt, manifestiert sich die zweite Welle besonders deutlich in Chhattisgarh. Dort hat sich die Infektionsrate innerhalb eines Monats vervierfacht auf 121'352 Fälle. Seit dem 13. April ist dieser Bundesstaat im Lockdown, welcher bereits zweimal verlängert wurde. Einschränkende Massnahmen für Bildungsinstitutionen und nächtliche Ausgangssperren gibt es in Bihar. Auch in Jharkhand wurde eine 7-tägige Ausgangssperre verhängt. Auf Lockdowns verzichten konnten Orissa und Telangana.
    Die Projektarbeit kann diesmal trotz Verschlechterung der Situation vielerorts fortgeführt werden, da es gerade auf dem Land weniger Ansteckungen gibt und auf Ausgangssperren verzichtet wird. Die Konsulentinnen Sr. Tessy Paul und Sr. Rajni Kullu machen weiterhin Evaluationsbesuche, so kürzlich beim Projektpartner DAWN im Guntur-Distrikt in Andhra Pradesh, bei RACE im Norden von Telangana, oder bei CHIRAG im Westen von Bihar. Reisen nach Chhattisgarh sind jedoch zurzeit ausgeschlossen.
    Sr. Rajni plante bereits zweimal, das Projekt von Sr. Sumitra im Distrikt Jashpur für die Schlussevaluation zu besuchen, wegen «Sicherheitsprotokollen der Regierung» war es jedoch nicht möglich. Nun gibt es auch Betroffene in unseren Projekten. Die Leiterin Rathnakumari von DAWN (Andhra Pradesh) ist am Coronavirus erkrankt und hat auch dazu noch Typhus. Der Projektleiter Kishor von AKSSUS (Orissa) verstarb leider am Coronavirus.

  • Stand 24.2.2021: In Indien haben sich die Ansteckungen mit dem Coronavirus auf rund 11 Millionen erhöht (Stand 23.2.2021). Betroffen sind auch Ärzt:innen, mehrere hundert starben. Seit Mitte September 2020 sind die Ansteckungen deutlich zurückgegangen, und die Aufhebung des Lockdowns in Phasen konnte fortgesetzt werden. Viele Wanderarbeiter:innen und andere Tagelöhner:innen kehrten an ihre Arbeit zurück, allerdings oft zu geringeren Löhnen als vor Beginn der Pandemie.
    Die Lockerung der fast 3-monatigen Ausgangssperre begann am 1. Juni 2020 und zog sich über sechs Phasen bis Ende Jahr. Als erstes wurden die Einkaufsläden, religiöse Stätten, Hotels und Restaurants wiedereröffnet und zwischenstaatliche Reisen innerhalb Indiens erlaubt. Ab dem 1. Juli wurde der Lockdown auf Zonen mit hohen Ansteckungsraten beschränkt, während in den anderen Gebieten die meisten Aktivitäten wieder erlaubt waren. Ab dem 1. August öffneten in manchen Teilstaaten die Bildungsinstitutionen wieder und auch Fitness- und Yoga-Zentren, nächtliche Ausgangssperren wurden aufgehoben. Im September waren Hochzeiten mit bis 50 Personen, Bestattungen bis 20 Personen wieder zugelassen und weitere Veranstaltungen mit bis 10 Personen. Kinos durften ab Mitte Oktober mit der Hälfte der Sitzplätze wiedereröffnen. Seit Jahresbeginn sind nun alle Bildungsinstitutionen wieder offen. Ende Februar konnten Pandemie-Notaufnahmestationen wie das Sardar Patel Covid Care Centre in Delhi mangels Patienten wieder schliessen. Glücklicherweise gab es bisher keine zweite Welle.
    Indien hat im Januar 2021 mit mehr als 3000 Impfzentren eine landesweite Impfaktion gestartet mit dem Ziel, die gesamte Bevölkerung zu impfen. Zugelassen sind zwei Impfungen: Covishield (ein in Lizenz durch das Serum Institute of India hergestellter Impfstoff von AstraZeneca) und Covaxin (ein in Indien auf der Basis von inaktiviertem SARS-CoV2-Virus hergestellter Impfstoff). Zuerst wurden vier Millionen Mitarbeitende des Gesundheitssektors geimpft, bis am 22. Februar waren es bereits weitere 8 Millionen Menschen. Unsere Konsulentin Sr. Tessy Paul berichtet, dass die Impfungen für die breite Bevölkerung am 1. März begonnen haben, über 60-Jährige können sich für einen Impftermin registrieren. Wie in der Schweiz gibt es auch in Indien Menschen, die sich vor Nebenwirkungen fürchten. Doch innerhalb des ersten Tages haben sich bereits 25 Lakhs Impfwillige registriert, das sind 2.5 Millionen (100'000 = 1 lakh). Sr. Rajni Kullu bemerkte bereits, dass ungebildete Frauen etwas Ermutigung brauchen, um  sich zu registrieren.
    Indien exportiert die im Land entwickelten Impfstoffe auch in seine Nachbarländer und im Rahmen von COVAX (Covid19 Global Access). Geplant sind 10 Millionen Impfdosen für Afrika und 1 Million für das UNO-Gesundheitspersonal. COVAX ist eine globale Initiative mit dem Ziel, allen Zugang zu Impfungen zu gewähren.
    Die Projektarbeit des Elisabethenwerks konnte auch während der Pandemie mit Unterbrüchen durchgeführt werden, hat sich aber vielerorts verzögert, weil zum Beispiel bestimmte Weiterbildungen nicht durchführbar waren, oder nur in kleinen Gruppen in gestaffelter Form. Seit November 2020 ist allmählich wieder Normalität eingekehrt. Die beiden Konsulentinnen Sr. Rajni Kullu und Sr. Tessy Paul haben ihre Projektbesuche wiederaufgenommen, Evaluationen durchgeführt und Berichte erarbeitet.

  • Stand 18.11.2020: In Indien haben sich die Coronavirus-Ansteckungen auf fast 9 Millionen erhöht. Dies sind 6407 Fälle pro Million (Stand 16.11.20). Zum Vergleich: In der Schweiz sind es 31'108 Ansteckungen pro Million, also fast fünfmal mehr. Trotzdem, die Zahlen auf dem indischen Subkontinent sind immens: Bisher sind 130'000 Menschen verstorben; insgesamt wurden 126 Millionen Tests durchgeführt. Am stärksten verbreitet hat sich Covid19 in den indischen Grossstädten. In den Teilstaaten mit Projekten des Elisabethenwerks sind die Fallzahlen glücklicherweise weiterhin relativ tief (Bihar 228‘000, Jharkhand 106‘000, Chhattisgarh 213‘000 und Orissa 311‘000, stärker betroffen sind Andhra Pradesh 853‘000 und Telangana 259‘000).
    Seit Mitte September gehen nun die Ansteckungen deutlich zurück. Die indische Regierung rechnet damit, dass die Pandemie bis im Februar 2021 unter Kontrolle ist. Mehr als 30 Impfstoffe sind in dem Land in verschiedenen Phasen der Entwicklung, und die ersten Einführungen werden anfangs 2021 erwartet.
    Die Pandemie hatte einen stark negativen Einfluss auf die indische Wirtschaft, nach der Lockerung des Lockdowns erholte sie sich jedoch gut. Die Regierung lancierte zudem eine Autarkie-Kampagne, um importierte Produkte durch in Indien produzierte Güter zu ersetzen. Gerade auch Importe vom unbeliebten und gefürchteten Nachbarn China sollen ersetzt werden.
    Die Projekte des Elisabethenwerks konnten trotz Pandemie-bedingten Unterbrüchen weitergeführt werden. Die Partnerorganisation Upaya konnte ab Beginn des Lockdowns am 25. März bis zu den Lockerungen Ende Juni keine der geplanten Aktivitäten umsetzen. Dafür halfen Pater Maria Nayagam und sein Team im Rahmen der staatlichen Nothilfe und mit einem kirchlichen Beitrag den meistbetroffenen Menschen sowie zurückkehrenden Arbeitsmigranten im Projektgebiet. Ausserdem führten sie auf Anfrage des regionalen Entwicklungsamts in 30 abgelegenen Dörfern dringend nötige Informationsprogramme zum Coronavirus durch. Die Projektangestellten verzichteten während dieser Zeit auf einen Drittel ihres Lohns. Ab Juli konnte die Projektarbeit mit Einschränkungen wiederaufgenommen werden. «Es wurde sehr, sehr schwierig, die Frauen Covid19-konform zu versammeln. Für ein und dieselbe Aktivität mussten wir dasselbe Dorf gleich mehrmals besuchen, um grosse Gruppen zu vermeiden», berichtet die Projektleitung. Deshalb konnten nicht alle in diesem Jahr geplanten Aktivitäten rechtzeitig durchgeführt werden.
    Weil die Konsulentinnen des Elisabethenwerks in Indien nicht mehr zu den von ihnen betreuten Projekten reisen können und auch als Solidaritätsbeitrag, verzichten sie seit März 2020 gar auf ihre Entschädigung. Ihr Arbeitseinsatz bleibt aber gleich gross und wichtig, denn per Telefon und E-Mail beraten und ermutigen sie die lokalen ProjektpartnerInnen während der Pandemie.

  • Stand 19.8.2020: In den meisten Projekten kam es ab Ende März zu einem Unterbruch, dies vor allem bei Aktivitäten, wo externe Fachpersonen beigezogen werden, zum Beispiel bei handwerklichen Weiterbildungskursen oder Kräutermedizin. Auch die Nachhilfezentren für jugendliche Mädchen mussten vorübergehend geschlossen werden. Spar- und Kreditgruppen oder Weiterbildungen, welche von den Projektangestellten selbst durchgeführt werden, wurden soweit wie möglich in eingeschränktem Rahmen fortgeführt, mit Einschränkungen bei Sitzungen und Versammlungen. Weiterbildungen zu Gesundheit und Rechtskunde fanden weiterhin statt und wurden angereichert mit Corona-spezifischen Informationen. Zudem wurden Masken genäht und mit Staatsstellen und anderen Hilfsorganisationen Lebensmittel verteilt. Unsere beiden Konsulentinnen Sr. Tessy Paul und Sr. Rajni Kullu konnten ab Ende März keine Projektbesuche mehr durchführen. Sie verhandeln bis auf weiteres mit den ProjektpartnerInnen per Telefon oder E-Mail.
    Die Coronavirus-Ansteckungen haben sich in den letzten Wochen rasant auf 2,8 Millionen erhöht, damit erreichten sie 2’002 Fälle pro Million Einwohner (Gesamtevölkerung: 1.38 Milliarden). 53'000 Menschen sind bisher verstorben, darunter 198 ÄrztInnen. Insgesamt wurden 30 Millionen Tests gratis durchgeführt, zu Beginn nur bei Fällen mit Lungenentzündungen, ab anfangs April auch bei Personen mit anderen Symptomen
    Am stärksten verbreitet ist Covid 19 aktuell in Andhra Pradesh, in Himachal Pradesh sowie im Bundesstaat Maharashtra mit der Grossstadt Mumbai. In der Stadt soll gar ein Sechstel von Indiens Infizierten leben und bereits eine gewisse Herdenimmunität erreicht sein. In den Teilstaaten mit Projekten des Elisabethenwerks sind die Ansteckungsraten tief. In Bihar, Jharkhand und Chhattisgarh liegen die Ansteckungen je unter 1‘000, in Orissa unter 2‘000 Personen. So erstaunt nicht, dass unsere ProjektpartnerInnen noch von keinen Infizierten berichten müssen.
    Als im März eine dreiwöchige Ausgangssperre ausgerufen wurde, löste dies eine riesige Binnenwanderung von Millionen von ArbeitsmigrantInnen aus und das grösste Problem waren nicht die Erkrankten, sondern die Hungernden. Daraufhin lancierte die Regierung ein Programm zur Lebensmittelverteilung. Zurückkommende ArbeitsmigrantInnen werden jedoch oft diskriminiert, an den Rand der Siedlungen verbannt oder aus Angst vor dem Virus verfolgt. Nach mehrmaligen Verlängerungen wird der Lockdown seit Juni stufenweise wieder aufgehoben und wo nötig lokal eine Eingrenzungsstrategie verfolgt. 
  • Stand 9.6.2020: «Die Musahar sind nicht von Corona betroffen, aber sie leiden unter Hunger, da sie wegen dem Lockdown arbeitslos sind», schreibt unsere Partnerorganisation Pragati aus Bihar. Die Coronavirus-Ansteckungen haben sich in Indien auf 300'000 erhöht (rund 6'000 Verstorbene, Bevölkerung 1,379 Milliarden Menschen). Die Ansteckungen betreffen vor allem die Grossstädte Mumbai, Delhi und Madras. In den Regionen, in welchen das Elisabethenwerk tätig ist, sind die Zahlen weiterhin relativ tief (Orissa 2'478, Jharkhand 793, Chhattisgarh 756 und Bihar 4'493). Angesichts der exponentiellen Zunahme von Arbeitslosigkeit und Hunger ab Beginn des Lockdowns von Ende März lancierte die Regierung Modi relativ schnell ein Kreditprogramm im Volumen von 22 Milliarden US-Dollar für die Lebensmittelversorgung sowie Bargeldverteilung an Mittellose. Dieses begann Mitte April endlich zu greifen – auch dank vieler Freiwilliger, die sich für die Verteilung der Güter zur Verfügung stellten. Mittlerweile sind viele Spitäler an ihr Limit gelangt: In Mumbais Kliniken teilen sich zwei PatientInnen eine Pritsche, die Angehörigen sitzen auf dem Fussboden zwischen den Betten, ohne Schutz vor dem Virus. Patienten werden trotz schweren Erkrankungen abgewiesen.
    Der umfassende Lockdown dauerte bis zum 3. Mai, seither gibt es Lockerungen. Trotz steigender Ansteckungszahlen (aktuell gegen 10'000 pro Tag) plant Indien ab dem 8. Juni weitere Lockerungen: die Öffnung von Tempeln, Kirchen und Moscheen sowie Einkaufszentren, Hotels und Restaurants (ausgenommen Hochrisikoregionen). Ausgangssperren zwischen 21 Uhr und 5 Uhr bleiben. Ab Juli sollen Bildungsinstitutionen wieder öffnen. Auch in Indien ist der Grund für die Öffnung, dass die Wirtschaft enorm gelitten hat und möglichst schnell wieder in Gang kommen soll.
    Die Projektarbeiten sind teilweise unterbrochen, die Projektteams engagieren sich stattdessen in der Informationsvermittlung zur Prävention von Corona-Ansteckung. Sie verteilen von der Regierung bereitgestellte Masken, Seife und Nahrungsmittel sowie Trinkwasser oder helfen gestrandeten ArbeitsmigrantInnen bei der Weiterreise. «Dazu gehört auch die Berücksichtigung von Transgendermenschen und Behinderten», betont ein Projektleiter aus Bihar. Projektleiterin Sr. Britto in Jharkhand besucht in Absprache mit den lokalen Behörden täglich abgelegene Dörfer, wo sie Lebensmittel wie Reis, Soja, Zwiebeln und Kohl an HIV- und AIDS-betroffene Frauen verteilt. Wo möglich werden die bisherigen Projektaktivitäten weitergeführt: Unterstützung bei Anträgen für Lebensmittelkarten, welche Zugang zu Hilfsrationen von staatlichen Verteilstellen ermöglichen, Beratung bei der Wiederaufnahme von Aufträgen im Zusammenhang mit dem NREGA (Recht auf Arbeit), und die Registrierung von Schwangeren unter dem staatlichen Programm ICDS (Integrated Child Development Services), welches Zugang zu medizinischer Betreuung, Nahrungsergänzung und Vorschulen für Kleinkinder ermöglicht. (Stand 9. Juni)

  • Stand 30.4.2020: Die Coronavirus-Ansteckungen haben sich in Indien auf 34'000 erhöht. Zur Zeit sind nicht die Erkrankten und die Kapazitäten der Spitäler das grösste Problem, sondern die durch die Ausgangssperre verursachte Arbeitslosigkeit der Menschen, die normalerweise im Tagelohn tätig sind. «Von den Armen, die vorwiegend als Tagelöhner im unorganisierten Sektor tätig sind, wird erwartet, dass sie einen überproportionalen Anteil des ökonomischen Ausfalls dieses unerwarteten Gesundheitsnotstands tragen», schreibt unser Projektpartner Bheema Rao, der ein Slumprojekt in Orissa leitet. Von einem Tag auf den anderen waren die im Tagelohn Tätigen ohne Arbeit, und da die meisten kaum Ersparnisse haben, sondern das Einkommen immer sofort für den Alltagsbedarf einsetzen, trat sehr schnell Hunger auf. Zum Glück griff in Indien nach ca. zwei Wochen endlich das staatliche Unterstützungsprogramm, das Bedürftige über das bestehende Netz von subventionierten Lebensmittelläden (PDS Public Distribtution Shops) mit Lebensmittelrationen versorgt. Auch NGOs engagieren sich für die Bedürftigen, darunter weiterhin auch unsere Partnerorganisationen. Sie helfen beim Verteilen der staatlichen Lebensmittelrationen und stellen zum Teil auch eigene Beiträge. Sie sind es, die darauf achten, dass auch diejenigen Benachteiligten, die keine PDS-Karten (Lebensmittelkarten) besitzen, Essensrationen erhalten.
    Unserer Partnerorganisation Pragati gelang es, in Bihar Grossbauern dazu zu bewegen, über 500 verarmten Familien in 46 Dörfern mit je 5kg Reis und 1 kg Dal (Linsen) zu helfen. Pragati selbst verteilte Getreide und Seife an mehr als 700 Familien in 16 Dörfern. Die Familien ohne PDS-Karten wurden aufgelistet und die Listen den Dofschefs übergeben. Fast alle unsere Partnerorganisationen haben zudem Informationskampagnen zum Coronavirus gestartet und verteilen Masken. Grossartig ist auch, dass Frauen der indigenen Volksgruppe der Lambani, die das Elisabethenwerk vor ein paar Jahren mit einem Nähkurs unterstützte, jetzt in grossem Stil Masken nähen. Bisher haben sie rund 10'000 Masken genäht!

  • Stand 9.4.2020: In Indien sind offiziell 3'588 Personen an Corona erkrankt (Stand 7. April). Versammlungen haben das Virus in alle Landesteile getragen, wie mehr als 2'600 religiöse Führer, die sich Mitte März in Delhi trafen, sich fast alle dort infizierten und das Virus weiterverbreiteten. Die Regierung verhängte ab dem 24. März eine Ausgangssperre von 21 Tagen.
    Die Arbeitslosigkeit ist innert kurzer Zeit auf 31 Prozent gestiegen. WanderarbeiterInnen verloren ihre Arbeit und verliessen zu Tausenden die Städte. In Karawanen machten sie sich auf den Weg in ihre Herkunftsdörfer, die bis 2'000 Kilometer entfernt sind. Zu Fuss, weil keine Züge und Busse mehr fuhren. Unterwegs benötigen sie Verpflegung und Unterkunft, die Regierung versprach, Lebensmittel zu verteilen. Bis die Verteilstationen öffneten, dauerte es lange und man weiss nicht, wie lange dies fortgesetzt wird.
    Gemäss einem unserer Projektpartner, Pater Cherian aus dem Norden Orissas, leiden auch die TagelöhnerInnen unter der vollständigen Ausgangssperre. Sie leben von der Hand in den Mund. Gemäss seiner Aussage haben «viele nicht genügend Essensvorräte für einen längeren Ausnahmezustand». Die Behörden riefen auch Private auf, sich zu engagieren. So berichtet unsere Projektpartnerin Sr. Jessy Maria, dass sie und weitere Ordensschwestern in Ranchi (Jharkhand) darum gebeten wurden, sich mit Hilfsgütern zu organisieren.
    Die physischen Distanzregeln wirken sich auch auf die Projektarbeit aus, berichten die Projektpartner. Sitzungen und Weiterbildungen wurden gestrichen, stattdessen werden die AnimatorInnen von den Behörden oder privat zur Verteilung von Lebensmitteln eingesetzt. Da es auch in den Dörfern Benachteiligte gibt, die keine staatliche Unterstützung erhalten, beispielsweise weil ihnen die nötigen Ausweispapiere fehlen, hat Pater Cherian seine AnimatorInnen gebeten, wachsam zu sein und diese Menschen ebenfalls mit Lebensmittel zu versorgen. Auch die Frauengruppen sind involviert, kochen Essen und verteilen Lebensmittelpakete. Ein Projektpartner, der in den Slums von Bhubaneswar (Orissa) arbeitet, hat die Projektarbeiten suspendiert, bleibt aber im Hausarrest aktiv und informiert die Slumbewohner via Handy über die Aktualitäten und Regierungsankündigungen. In Absprache mit den lokalen Behörden verteilt er mit seinem Team Nahrungsmittel an die Meistbenachteiligten, unter Wahrung von mindestens einem Meter Distanz und Mundschutz.

  • Stand 23.3.2020: Premierminister Modi hat am Sonntag, 22. März als freiwillige Probe-Quarantäne im ganzen Land Ausgehverbot von 7.00 bis 21.00 Uhr verordnet, um zu testen, ob dies nötigenfalls funktionieren könnte. Die Leute hielten sich tatsächlich gut an die Anweisungen. Geschäfte blieben geschlossen, fast alle Inlandflüge wurden gestrichen. Einzelne Teilstaaten wollten darauf die Ausgangssperre bis Ende März verlängern. Bis zum 24. März gab es mehr als 500 Infizierte, und zehn Tote. Die Dunkelziffer dürfte aber hoch sein, weil bisher nur wenig getestet wurde. Am Dienstag 24. März wurde dann eine dreiwöchige komplette Ausgangssperre für das ganze Land verfügt. Der Eisenbahnverkehr wurde fast gänzlich eingestellt und es dürfen keine internationalen Flüge mehr landen. Kinos und Einkaufszentren sind schon seit einer Woche geschlossen.

  • Stand 20.3.2020: Aus den Bundesstaaten Bihar und Jharkhand sind noch keine Infektionen gemeldet. In Chhattisgarh gibt es ein Versammlungsverbot, ansonsten ist noch wenig zu spüren.

     

Sri Lanka

  • In Sri Lanka sind es täglich weniger 600 Ansteckungen mit dem Coronavirus bei einer Bevölkerung von 21.5 Millionen. Im Land gab es bisher 536'645 Infizierte und 13'640 Tote. Bisher wurden mehr als 15 Millionen Erstimpfungen verabreicht (70 Prozent). Damit sind bereits 61 Prozent vollständig geimpft. Seit dem 1. November erhalten das Gesundheitspersonal und Menschen über 60 bereits eine dritte Impfung.
    Das Centre for Women and Development (CWD) berichtet, dass alle Aktivitäten des einjährigen Projekts, das mitten in die Corona-Pandemie fiel, mit Unterbrüchen durchgeführt werden konnten. Die Methoden zur Einkommensförderung waren sogar besonders erfolgreich während des Lockdowns, weil die Fischersfrauen die erworbenen Krabbennetze auch während der Ausgangssperren benutzen und gegen eine Gebühr ausleihen konnten. Als Lebensmittelgeschäfte und Märkte geschlossen waren, konnten die frisch ausgebildeten Frauen ihre selbstgemachten Gewürzmischungen, Limetten-Pickles und getrockneten Fische bestens über die Gasse verkaufen. Corona-kompatibel war auch der mehrmonatige Batikkurs für junge Frauen. Die gefärbten Stoffreste wurden gleich zu Masken verarbeitet und ans Personal der lokalen Spitälern verteilt. (Stand 31.10.2021)

  • Stand 24.2.2021: Sri Lanka zählt bisher 80'500 Ansteckungen und 450 Todesfälle. Die Zahl der Infizierten blieb lange tief, doch ab September stieg die Zahl der angesteckten rapide an. Seit Mitte Januar durften die Bildungsinstitutionen wieder öffnen, und auch die Projektarbeit kann fortgeführt werden.

  • Stand 18.11.2020: Nachdem Sri Lanka zunächst von Covid19 nur wenig betroffen war (bis Mitte August nur 2’902 Ansteckungen), nahmen seit September trotz Massnahmen, wie staatlichen Quarantäne-Camps und dem Reiseverboten in andere Distrikte, versechsfachten sich dich Zahlen innert zwei Monaten (Stand 16.11.20: 17'674 Ansteckungen). Am stärksten betroffen ist das Gebiet um die Hauptstadt Colombo. Die Regierung verordnete deshalb im Herbst einen neuen Lockdown, auch die Schulen mussten wieder schliessen. Berufsbildungskurse und Weiterbildungen konnten noch bis Ende Oktober weitergeführt werden.
    Seit November ist auch in der Projektarbeit wieder Stillstand. Die vom Elisabethenwerk unterstützten Kurse des Centre for Women and Development (CWD) im Tamilengebiet für durch den Krieg oder häusliche Gewalt traumatisierte Frauen konnten noch durchgeführt werden. Angeboten werden Weiterbildungen zur Herstellung von Krabbennetzen, Färben von Batikstoffen und deren Vermarktung. Corona-konform fertigten die Teilnehmerinnen auch Gesichtsmasken an.

  • Stand 19.8.20: In Sri Lanka gibt es mit 2'902 Infizierten weiterhin nur wenige Ansteckungen, 11 Menschen verstarben. Bei einer Bevölkerung von 22 Millionen wurden rund 200’000 Tests durchgeführt. Mitte März wurde eine Ausgangssperre verhängt und alle Bildungsinstitutionen wurden geschlossen. Das Militär richtete 45 Quarantänezentren ein. Dorthin wurden infizierte oder gefährdete Einheimische und auch Touristen überwiesen. Am 11. Mai wurde der Lockdown teilweise aufgehoben, öffentliche Versammlungen und Festlichkeiten sind jedoch weiterhin verboten. Die Parlamentswahlen wurden zweimal verschoben und konnten erst am 5. August durchgeführt werden. Ein positiver Effekt des des Lockdowns war, dass es viel weniger Zusammenstösse zwischen Bauern und Elefanten kam, gab es doch im letzten Jahr allein rund 400 tote Tiere und 121 tote Menschen). Diese gefährlichen Begegnungen gibt es, weil der Lebensraum der Tiere immer mehr eingeschränkt wird.
  • Stand 5.6.2020: In Sri Lanka wird mit 1797 Coronavirus-Ansteckungen gerechnet (11 Verstorbene, Bevölkerung 21,4 Millionen). Der Lockdown wurde seit dem 11. Mai schrittweise aufgehoben. Nur noch in bestimmten Regionen gibt es eine strikte Ausgangssperre. Weiterhin gültig ist jedoch die nächtliche Ausgangssperre zwischen 20 Uhr und 5 Uhr. Unsere Projektpartnerinnen haben ihre Projektarbeit wieder aufgenommen. Mehr Informationen zur Situation vor Ort gibt es auf News.lk, dem offiziellen Nachrichtenportal der Regierung.
  • Stand 8.4.2020: ProjektpartnerInnen melden sich besorgt per E-Mail und erkundigen sich nach unserer Gesundheit und der Situation in der Schweiz. Sie sind entsetzt, dass es in den europäischen Ländern, mit im Vergleich zu Südasien bekanntlich viel besserer Gesundheitsversorgung, so viele Corona-Erkrankte und Todesfälle gibt. Viele von ihnen beten für uns. Es gibt weiterhin nicht sehr viele Erkrankte, am 7. April sind es 166, aber die Zahl ist zunehmend.  
  • Stand 25.3.2020: Die Anwältin Saroja Sivachandran berichtete aus Jaffna, dass als Folge der Massnahmen bereits Leute zu hungern beginnen. «Weil sie nicht mehr arbeiten dürfen, finden es Tagelöhnerinnen jetzt schwierig, schon nur eine einzige Mahlzeit pro Tag zu organisieren; auch für andere verletzliche Gruppen wie Behinderte und Kinder ist es eine grosse Herausforderung.»
  • Stand 24.3.2020: Seit dem 11. März breitet sich das Virus auch in Sri Lanka aus. Offiziell gibt es nun 100 Fälle. Seit dem 19. März ist der Flughafen für ankommende internationale Passagierflugzeuge geschlossen. Es gibt regelmässige, komplette Ausgangssperren, die Autobahnen sind gesperrt, Ausflüge und Pilgerreisen verboten sowie die Nationalparks geschlossen. Zudem wurde Home Office angeordnet.  
  • Mehr Informationen über die Lage mit Covid-19 in Sri Lanka der Reiesewebsite srilanka.travel

Uganda

Über längere Zeit war die Covid-19 Situation in Uganda relativ ruhig, seit Anfang Juni jedoch ist ein erneuter und relativ grosser Anstieg der Neuansteckungen zu verzeichnen. Die Anzahl Todesfälle ist ebenfalls in die Höhe geschnellt. In Uganda hat die (indische) Delta Variante des Virus überhandgenommen, da zwischen beiden Ländern recht viel gereist wird. Mittlerweile darf niemand aus Indien herkommend mehr einreisen.

Die Regierung verfügte am 6. Juni einen erneuten Lockdown, diesmal etwas weniger streng als letztes Jahr: der öffentliche Verkehr zwischen den Departementen ist mit Ausnahme von Kampala, Wakiso und Mukono im Zentrum des Landes verboten, ebenso der Privatverkehr. Grosse Menschenansammlungen sind ebenfalls nicht mehr erlaubt. Dies betrifft auch die Schulen, welche  wieder geschlossen wurde. Handel ist nur im Bereich der lebenswichtigen Güter möglich. Hochzeiten, Beerdigungen und ähnliches können nur mit 20 Gästen und unter streng überwachter Einhaltung der Abstands- und Hygieneregeln stattfinden.

Für unsere Konsulentin in Uganda bedeutet dies beispielsweise, dass sie ihre Kinder wieder von der Schule (ein Internat) holen musste, nachdem sie sie vier Tage zuvor zum ersten Mal nach 14 Monaten hin gebracht hatte.

Nach und nach kann sich die ugandische Bevölkerung impfen lassen. Lehrpersonen dürfen erst wieder unterrichten, wenn sie geimpft sind. Fast alle Menschen möchten sich impfen lassen. In der Stadt ist dies viel leichter möglich als auf dem Land, wo es wohl lange brauchen wird, bis alle Impfwilligen ihre Injektion erhalten.

Stand 10.6.2021

  • Stand 15.3.2021: Die Lage in Uganda hat sich weitgehend beruhigt, nach offiziellen Angaben treten nur noch vereinzelt Corona-Fälle auf. Der Lockdown wurde in den meisten Bereichen aufgehoben, die Schulen sind aber nach wie vor noch geschlossen. Da Schulklassen in Uganda bis zu 100 Kinder umfassen, ist dies nachvollziehbar. Auch grössere Menschenansammlungen sind verboten und Bars bleiben weiterhin geschlossen.
    In Uganda wurde als erstes das medizinische Personal geimpft. Schon bald sollen Menschen über 50 Jahren ihre erste Dosis erhalten. Im Gegensatz zu den Tests sind Impfungen kostenlos.
    Doch der Lockdown hat andere Probleme hervorgerufen: es zeigt sich jetzt, dass viel mehr Menschen an HIV/AIDS gestorben sind als in normalen Zeiten, da sie die Medikamente nicht in den Gesundheitszentren abholen konnten. Ebenso sind viel mehr Frauen und Kinder häuslicher Gewalt zum Opfer gefallen. Sehr viele Menschen mussten in dieser Zeit Hunger leiden.
    Verschiedene Projekte, welche vom Elisabethenwerk unterstützt werden, sind ins Stocken geraten. Das Versammlungsverbot verhinderte verschiedene Aktivitäten der Partnerorganisationen. Doch immer zeigte sich, wie hilfreich die bestehende Vernetzung der Frauen ist. Nun suchten sie andere Wege, gingen von Haus zu Haus, um Informationen weiterzuleiten oder in kleinen Untergruppen Schulungen durchführten.

  • Stand 8.5.2020: Inzwischen sind rund 100 Personen in Uganda positiv getestet worden. Am Virus ist bislang niemand gestorben. Die Mehrheit der positiv getesteten, sind Lastwagenchauffeure aus den härter getroffenen Nachbarländern.
    Durch den Lockdown leiden die Menschen zunehmend an Hunger. Obwohl Uganda ein Agrarland ist, werden die Lebensmittel knapp: Die Erntezeit ist schon längst vorbei, die neue Aussaat ist gerade jetzt, wo die Regenzeit begonnen hat. Reserven haben die Menschen fast keine, da der Grossteil der Bevölkerung von der Hand in den Mund lebt. Die Hungersituation in weiten Teilen des Landes verstärkt häusliche Gewalt massiv: in nur einer Woche wurden 25 Menschen durch Schläge umgebracht, mehrheitlich Frauen.Die Regierung hatte versprochen, Nahrungsmittel zu verteilen. Dies geschah an einigen wenigen Orten, allerdings längst nicht überall. Dazu erhielten die Parlamentsmitglieder je 20 Mio. Uganda Schilling (5'100 CHF), um damit Lebensmittel zu kaufen und in ihren Gebieten zu verteilen. Wie zu erwarten, kamen dem nur die wenigsten nach. Nun wird von ihnen verlangt, dass sie das Geld zurückzahlen.
    In den Städten haben die Apotheken zunehmend Probleme, Patienten mit lebenswichtigen Medikamenten zu versorgen. Hinzu kommt, dass die (meist städtische) Bevölkerung vermehrt in den Apotheken einkaufen will, da die Spitäler zu weit weg sind und Taxis und Töff-Taxis nicht mehr fahren dürfen.
    In Kasese, einer der Regionen, wo wir seit 10 Jahren Spar- und Kreditgruppen unterstützen, ist in der Gemeinde Kyarumba zu allem Elend am Donnerstag wegen starker Regenfälle ein Fluss über die Ufer getreten, richtete enormen Schaden an und schnitt die Bevölkerung von der Umwelt ab. Die Zulieferung von Nahrungsmitteln ist nicht mehr möglich. Auch die Hälfte des örtlichen Spitals wurde durch die Wassermassen mitgerissen.

  • Stand 15.4.2020: Bis zum 15. April wurden gemäss offiziellen Zahlen in Uganda 55 Menschen positiv getestet, acht von ihnen sind bereits wieder genesen. Glücklicherweise gibt es noch keine Todesfälle zu beklagen. 
    Die Regierung hat wie die Mehrheit der afrikanischen Regierungen strenge Massnahmen getroffen: Dazu gehören Ausgehverbot, geschlossene Schulen, Kirchen und Moscheen, gebetet wird nun zu Hause. Politische und kulturelle Zusammenkünfte sind verboten, Hochzeiten und andere grosse Familienfeste mit über 10 Personen müssen um einen Monat verschoben werden. Alle die husten, sollen sich in Selbstisolation begeben – sonst wird dies unter Zwang durchgesetzt. Gestern wurde die Ausgangssperre um weitere drei Wochen verlängert, was mancherorts zu verzweifelten Situationen führt.
    Schülerinnen und Schüler sollen per Radio, Fernsehen und per Computer lernen. Doch wie soll dies funktionieren, wenn es dauernd Stromunterbrüche gibt, welche oftmals ganze Tage dauern können? Auf dem Land ist zudem ein Grossteil der Menschen gänzlich ohne Strom.
    Die Preise sind in die Höhe geschossen und die Mehrheit der Uganderinnen und Ugander können sich auch das Notwendigste nicht mehr kaufen. Was hilft es, wenn der Präsident verkündet, man solle oft die Hände waschen, wenn kein Geld für Seife da ist? Die Regierung verteilt Lebensmittel – allerdings bisher lediglich in zwei von 132 Departementen. Ein oft verwendeter Spruch zeigt das grosse Dilemma auf: Verhungere oder werde krank.
    Problematisch ist die Situation gerade auch in Slumgebieten, wo zu wenig Land zur Selbstversorgung vorhanden ist und die Menschen darauf angewiesen sind, auf dem Markt einzukaufen und zu verkaufen. Auf dem Land können sich die Menschen eher direkt vom Feld versorgen, dafür fehlt alles andere.
    Lange Strecken mit öffentlichen Verkehrsmitteln sollen vermieden werden. «BodaBodas», eine Art Motorrad-Taxis, sind für die Bevölkerung die erschwinglichste, aber auch gefährlichste Fortbewegungsart. Auch diese dürfen nicht mehr zirkulieren, was die Versorgung mit lebenswichtigen Gütern zusätzlich erschwert.
    Das Distanz halten wird für unsere Partnerorganisationen – fast ausschliesslich Frauenbasisgruppen – zum Problem: Die Frauen dürfen sich nicht mehr treffen. Konnten bisher viele Probleme der Mitglieder innerhalb der Gruppe gelöst werden, ist dies jetzt nicht möglich. Insbesondere häusliche Gewalt wird schlimmer, denn es ist nicht verboten, Alkohol zu kaufen. Den Frust über Langeweile und Hunger lassen alkoholisierte Männer gewaltsam an Frauen und Kindern aus. Üblicherweise würde in solchen Situationen die Frauengruppe eingreifen. 

  • Stand 19.3.2020: Erste Menschen wurden positiv getestet. Nun greift die Regierung durch und erlässt Massnahmen. Unsere Konsulentin meint hingegen, die Bevölkerung hätte längst Massnahmen ergriffen. Die Regierung hat nun die Landesgrenzen geschlossen, normalerweise reisen die Leute sehr oft. Weiter wurde für vorerst 32 Tage die Schule ausgesetzt. Öffentliche Versammlungen, Hochzeiten, Beerdigungen und jegliche Feste sind verboten. Busse und Taxis werden dazu aufgerufen, Desinfektionsmittel einzusetzen, was  jedoch noch nicht umgesetzt wird. Beim Auftreten eines ersten Todesfalles durch Corona werden weitere rigorose Massnahmen getroffen. Dazu wird die Schliessung der Läden, Restaurants und Bars, etc. gehören.

Bolivien

Die Lage in Bolivien hat sich erneut massiv zugespitzt. Das Land erleidet die dritte Welle, welche noch heftiger wütet als die vorhergegangenen. Die (Brasilianische) Gamma Variante ist gemäss Angaben unserer Konsulentin schneller tödlich als andere Varianten. Erschwerend hinzu kommt Boliviens sehr mangelhaftes Gesundheitswesen. Es fehlt an allem, was in dieser Pandemie hilfreich sein kann: Krankenbetten, Intensivbetten, Sauerstoff, Medikamente.

Auf die offiziellen Zahlen in Bolivien ist kein Verlass. Selbst die WHO rät, den offiziellen COVID-19 Zahlen in Bolivien zu misstrauen und mit ungefähr 10 Mal höheren Infektionszahlen zu rechnen. Die Informationen innerhalb des Landes sind sehr dürftig, viele Menschen wissen nicht, wie die Situation aktuell ist.

Bolivianer:innen haben wenig Vertrauen in die Regierung und  halten sich ergo oftmals nicht an die geltenden Massnahmen. Insbesondere im informellen Sektor, auf Märkten, tragen viele keine Maske. Von der Impfung wollen grosse Teile der Bevölkerung nichts wissen: Sie glauben beispielsweise, dass sie impotent oder unfruchtbar macht oder mit der Impfung ein Chip zur Überwachung eingepflanzt wird.

Die Massnahmen gegen Corona sind je nach Region sehr unterschiedlich. So gelten je nach Region oder Stadt andere Regeln, da die Ausbrüche vor allem in dicht bevölkerten Städten erfolgen. Teilweise besteht ein Ausgehverbot, so dass pro Haushalt nur eine Person pro zwei Tage aus dem Haus gehen darf, um Einkäufe zu tätigen. Andernorts sind weniger strenge Beschränkungen eingeführt worden.

Bis vor drei Wochen fand der Schulunterricht nur online statt. Seither ist eine «Semi-Präsenz» eingeführt worden, mit abwechslendem Schulunterricht in kleineren Gruppen. Der Online-Unterricht wurde während über einem Jahr geführt. Dabei öffnete sich der Graben zwischen Arm und Reich noch weiter. Nehmen wir eine alleinerziehende Mutter mit fünf Kindern als Beispiel. Die Mutter besitzt als Einzige ein Handy, ihr Pre-paid steht ihr für eine Stunde pro Woche zur Verfügung. Einzig das älteste Kind kann für eine Stunde am Unterricht teilnehmen, während die anderen keine Chance auf Unterricht haben. Somit hinken alle fünf Kinder weit hinterher. Aus diesem Grund war der Halb-Präsenz-Unterricht ein grosses Anliegen der Lehrpersonen, welche auf diese Lösung pochten.

Die Programmverantwortliche des Elisabethenwerks (EW), Elisa Moos, musste die geplante Projektreise nach Bolivien bereits zum zweiten Mal ist verschieben. Die Quarantänepflicht von 10 Tagen, der eingeschränkte Öffentliche Verkehr, die dritte Welle und Hürden für physische Workshops haben sie dazu bewogen, einen Termin im Dezember vorzusehen.

Neben all den Schwierigkeiten, welche die Pandemie in Bolivien mit sich bringt, wird das Land von zusätzlichen Problemen belastet. So haben die Lastwagenchauffeure «Bloqueos» (Blockaden von Städten und Strassen) beschlossen, weil nach 15 Jahren Unterbruch ein Transportzug von der Chilenischen Küste nach La Paz wieder in Betrieb genommen wurde. Da die Chauffeure befürchten, ihre Arbeit zu verlieren, verunmöglichen sie den Warentransport in die grösseren Städte, um die erneute Stilllegung der Bahnlinie zu erzwingen.

Stand 10.6.2021

  • Stand 15.3.2021: Boliviens Gesundheitssystem liegt im lateinamerikanischen Ranking fast zuunterst. Die öffentliche Gesundheitsversorgung ist längst nicht überall vorhanden. Private Kliniken, welche für den grössten Teil der Bevölkerung unerschwinglich sind, gibt es in den grossen Städten. Wer nicht genügend Geld hat, wird dort nicht aufgenommen.
    Seit auf die Kommunalwahlen im Januar 2021 hin die meisten COVID-19-Massnahmen aufgehoben wurden, breitete sich das Virus wieder stark aus. Inzwischen ist es insbesondere die brasilianische Variante, welche im Land vorherrscht. Von dieser gibt es wiederum bereits rund fünf Mutationen.
    Die offiziellen Zahlen zeigen im Moment rund 700 Neuinfektionen und 20 Tote pro Tag. Da nur wenig getestet wird, werden die effektiven Zahlen bis zu zehn Mal höher geschätzt. Die meisten Bewohner:innen der grossen Städte haben nicht genügend Mittel für den Test. Die wenigen für die Bevölkerung erschwinglichen Spitäler sind überfüllt und haben gleichzeitig zu wenig Medikamente bzw. Sauerstoff.
    Allein unsere Beraterin in Bolivien hat bereits neun Freund:innen wegen COVID-19 verloren, alle waren wie sie um die 45 Jahre alt. Sie meinte, dass viele Menschen schon wenige Tage nach dem Auftauchen der ersten Symptome versterben.
    Ein Projekt des Elisabethenwerks in El Alto, einer Grossstadt in Bolivien, hat unter der Situation besonders gelitten: Alle acht Leitungspersonen erkrankten und steckten teilweise ihre Familien an. Ein Mitglied erkrankte schwer und musste mit Sauerstoff versorgt werden. Dies bedeutet, dass Sauerstoffflaschen und Masken besorgt werden mussten. Zum Glück gibt es in dieser Familie medizinisch ausgebildete Personen, sie konnten die richtige Dosierung sicherstellen. Dieses Glück ist längst nicht allen beschieden. Erfreulicherweise sind in diesem Projekt alle Erkrankten inzwischen wieder genesen.
    In Bolivien ist die Naturmedizin sehr verbreitet und grosse Teile der Bevölkerung behelfen sich mit einer bestimmten Abfolge von natürlichen Medikamenten. Es scheint, dass diese keine schlechte Wirkung hat.
    Die Bolivianische Regierung hat einen Fahrplan für die Impfung festgelegt, wobei bisher lediglich ein Teil des Gesundheitspersonals die Immunisierung bekommen hat. Es handelt sich dabei um den russischen Impfstoff Sputnik 5. Leider wird nun fast täglich darüber berichtet, dass wieder eine grössere Anzahl Dosen verschwunden sei.
    Neben Maskenpflicht ist lediglich eine Massnahme beibehalten worden: Online-Schule für die Kinder. Dies ist bei der grossen Menge Kinder pro Klasse zwar verständlich, bringt jedoch Familien mit knappen Mitteln arg ins Hintertreffen: Das Geld reicht nicht, für sämtliche Lektionen aller Kinder genügend Pre-Paid-Kredit aufs Handy laden zu können.

  • Stand 8.5.2020: Die Situation in vier Projekten:
    Uru Murato am Popóo-See:
    Bolivien durchlebt gerade die zweite grosse Krise innerhalb von wenigen Monaten. Nachdem bereits im Oktober im Nachgang der Wahlen und dem erzwungenen Rücktritt von Evo Morales praktisch alles blockiert war, hat COVID-19 und die entsprechende Ausgangssperre einen neuen Stillstand bewirkt. Für die arme Bevölkerung wird dies lebensbedrohlich. Hier ein Beispiel von einer Partnerorganisation, welche sich dafür engagiert, dass die Menschen des bedrohten Volkes der Uru Murato ihre Situation verbessern können.
    Die Uru sind eines der ältesten Völker Lateinamerikas und bezeichnen sich als «Wassermenschen». Die Uru Murato leben am Popóo-See, einst der zweitgrösste See Boliviens, sie lebten hauptsächlich vom Fischfang. Der See ist 2015 vollständig ausgetrocknet, 2017 wurde er durch starke Regenfälle wieder aufgefüllt, trocknete danach jedoch wieder nahezu aus. Viele Uru-Männer leben als Tagelöhner ausserhalb ihrer Dörfer, während die Frauen sich bemühen, ihre Familien zu ernähren und das Leben am Laufen zu halten.
    Die Massnahmen gegen COVID-19, ein totaler Lockdown, zwang die Männer dazu, in die Dörfer zurückzukehren. Die Gesundheitssituation in den Dörfern ist ohnehin sehr bedenklich, die Wasserqualität miserabel. So versuchen die Frauen nun, das Immunsystem ihrer Familienmitglieder mittels Kräutermedizin zu stärken.
    Da die Frauen wegen der Ausgangssperre nicht mehr auf die Felder gehen können, hungern die Familien inzwischen. Dank guten Kontakten zu bolivianischen Organisationen, welche den Überlebenskampf der Uru unterstützen, bekommen sie inzwischen mindestens überlebenswichtige Lebensmittel. Das Projekt der Uru-Frauen, das im November 2019 bewilligt wurde, konnte wegen all der Wirren noch nicht gestartet werden. Wann es beginnen kann, hängt ganz von der Entwicklung der Corona-Infektionen in Bolivien und den entsprechenden Massnahmen ab.

    Situation der RENAMAT-Frauen, Kämpferinnen für sauberes Wasser in Bergbau-Gebieten (Hochland, Grossregion Oruro):
    In den Monaten März, April und teilweise im Mai wird in der Regel geerntet. Mit der totalen Ausgangssperre seit dem 18. März 2020 konnten die Frauen nicht mehr auf die Felder gehen oder ihre Tiere füttern. Damit die Tiere überleben, mussten sie jeweils mitten in der Nacht losgehen, um ihnen Futter zu bringen. Dies unter der Gefahr, dass sie ins Gefängnis müssen, wenn sie erwischt werden.
    Um die wenigen geernteten Produkte auf den Markt bringen zu können, müssen sie viele Dokumente ausfüllen und lange warten, bis sie eine Bewilligung bekommen. Unterdessen verderben die Landwirtschaftsprodukte. So kann nichts verkauft werden und die vielköpfigen Familien essen auf, was noch im Haus ist. So haben sie nun begonnen, das Saatgut für die kommende Saatsaison zu essen. Dieses fehlt natürlich für die kommende Saison.
    Das Elisabethenwerk angefragt, ob ein kleiner Teil des Projektgeldes für die Versorgung der Begünstigten eingesetzt werden könnte, um diese Notsituation etwas abzufedern. Dies wurde umgehend bewilligt.

    Situation der Frauen der «Comunidad Andina Suma Satawi» in El Alto, Hochland bei La Paz
    In der Millionenstadt El Alto, wo vorwiegend MigrantInnen vom Land wohnen, unterstützen wir ein Projekt, in dem Frauen lernen, qualitativ hochwertige Kleider aus Alpacawolle zu stricken. Viele der Begünstigten organisieren sich als Produktions- und Lerneinheiten in verschiedenen Quartieren. Neben dem Fachwissen werden sie auch als Gruppen gestärkt und sie lernen voneinander in Selbsthilfegruppen.
    Der Hunger durch die Ausganssperre wächst und die Situation in vielen Familien verschlechtert sich durch das enge Zusammenleben. Da ist es ein Segen, dass sich die Frauen des Projektes organisiert haben und mittels WhatsApp miteinander in Kontakt bleiben. Auf diese Weise können die Frauen solidarisch handeln und einander beraten. Wenn möglich helfen sie einander aus mit Lebensmitteln oder anderen dringend benötigten Waren. Dies hilft ein wenig, diese schwierige Situation besser zu überstehen.

    Situation der Frauen im tropischen Tiefland Bolivien
    In der Provinz Alto Beni unterstützt das Elisabethenwerk ein Projekt, in dem Frauen für die Schulküchen Mahlzeiten zubereiten, mit ihrer Landwirtschaftsproduktion die Biodiversität fördern und dank Weiterbildung ihre Rolle im Gesellschaftsleben stärken.
    Jetzt sind die Frauen mit ihren Familien eingeschlossen auf ihren Grundstücken. Meist haben sie jedoch das Land rund um ihr Haus landwirtschaftlich angebaut, so dass sie ihr Grundstück nicht verlassen müssen, um zu ernten. Alle anderen Aktivitäten hingegen, die sie näher zu ihren Projektzielen führen würden, sind blockiert: Die Schulküchen, welche noch nicht im gesetzlich vorgeschriebenen Ausmass finanziert werden, die Stärkung ihrer Rolle bei den Gemeindeversammlung, wo sie ihre Anliegen einbringen, können nicht mehr fristgerecht durchgeführt werden. Mit den politischen Unruhen Ende letzten Jahres und der jetzigen Ausgangssperre wird das Projekt eine erhebliche Verzögerung erfahren.

  • Stand 19.3.2020: Es wird angenommen, dass das Virus von je einer rückreisenden Person aus Italien und Spanien eingeschleppt wurde und so anfing, sich im Land zu verbreiten. Bereits sind einige Ansteckungen bekannt. Mitte März wurde die Quarantäne eingeführt, die Landesgrenzen sind geschlossen und es ist verboten, zwischen den Departementen zu reisen. Es gibt auch eigenartige Restriktionen beim Autofahren und Busfahren, Fahrten zwischen 5 Uhr abends und 5 Uhr morgens sind untersagt. Die Arbeitszeiten wurden auf 8 Uhr bis 13 Uhr begrenzt, Läden sind bis 15 Uhr geöffnet. Polizei und Militär überwachen die Einhaltung der Regeln. Wer die Restriktionen nicht respektiert, wandert für mindestens 8 Stunden ins Gesfängnis. Diese ersten Massnahmen sind bis zum 31. März angeordent, danach wird die Situation erneut geprüft.
  • Bericht zur Verschiebung der Wahlen vom 3. Mai von amerika21.de
  • Hintergrundbericht von kath.ch zur Situation in Bolivien vom 22.3.2020

Die laufenden Projekte des Elisabethenwerks

Auch wenn die Frauengemeinschaften in den Projektländern gerade speziell gefordert sind, werden die laufenden Projekte des Elisabethenwerks mit den nötigen Sicherheitsvorkehrungen weitergeführt oder falls nötig kurzweilig unterbrochen und danach wieder fortgesetzt. Die Frauengemeinschaften lernen in den Projekten, wie sie gemeinsam Verbesserungen anstreben können. Dieses Wissen und diese solidarische Gemeinschaft ist gerade in Krisenzeiten äusserst hilfreich. Mehr denn je ist unsere Unterstützung wichtig. Wir freuen uns über jegliche Zuwendungen. Mehr über die Projekte des Elisabethenwerks