Skip to navigation (Press Enter) Skip to main content (Press Enter)

Das Schweigen brechen

Klerikal ist, wenn an der Amazonas-Synode nur geweihte Männer über die Anliegen und Bedürfnisse der Menschen Lateinamerikas verhandeln. Patriarchal und willkürlich ist, wenn einzelne nicht-geweihte Männer über die Schlussdokumente abstimmen dürfen und Frauen nur beratend dabei sind. Ein Akt des Aufstandes ist es aus patriarchal-kirchlicher Sicht, wenn sich Ordensfrauen treffen, um über diese Ungerechtigkeit auszutauschen und Gerechtigkeit einzufordern. Solidarisch ist, wenn Frauen aus allen Kontinenten, Ordensschwestern und weltliche Frauen, miteinander die Teilhabe an der Macht in der katholischen Kirche fordern.

Einmal mehr wird in den kommenden Wochen an der Amazonas-Synode in Rom über Anliegen und Bedürfnisse von Menschen diskutiert, ohne die Stimme der Frauen wirklich ernst zu nehmen. Unter den 183 Teilnehmenden werden 35 Frauen sein – aber sie haben kein Stimmrecht.

Im Vorfeld der Synode organisierte die Initiative Voices of Faith am 3. Oktober in Rom eine Konferenz mit Podiumsdiskussionen und Referaten von profilierten Ordensfrauen und unterstützenden weltlichen Frauen aus der ganzen Welt. Sie alle eint der Wunsch nach einer gleichberechtigten Einbindung von Frauen in Führungs- und Entscheidungsgremien der katholischen Kirche. Auch ich nahm an der Konferenz teil und erlebte dort eine grosse Herzlichkeit, eine enorme spirituelle Kraft und eine tiefe Treue zur Botschaft Jesu und letztlich auch zur Institution Kirche.

Wenn die amerikanische Ordensfrau Simone Campbell davon spricht, dass die Stimme der Frauen ebenso zum Leib Christi gehört wie jene der Männer, dann tut sie dies mit einem warmen Lächeln, das uns alle überzeugt und ahnen lässt, woher sie die Kraft für ihr politisches, diakonisches und kirchen-politisches Engagement nimmt. Wenn Doris Wagner in ihrem Statement grundlegende konstitutionelle Reformen fordert, dann wissen wir alle, dass diese Überzeugung das Ergebnis eines schmerzhaften Weges der Befreiung aus eben diesen gewaltsamen Strukturen ist.

Wenn Priorin Irene Gassmann aus dem Kloster Fahr im Gespräch mit Bischof Felix auffordert, den Regeln ihres Ordensgründers folgend jenen Frauen sakramentale Kompetenzen zu übergeben, die dazu fähig sind, dann tut sie dies äusserst respektvoll, aber inhaltlich ganz klar. Es geht ihr, genau wie allen anderen Sprecherinnen an diesem Event, nicht um die persönliche Profilierung, sondern darum, dass Frauen die gleichen Rechte in der katholischen Kirche erhalten die Männer. Priorin Irene betonte, dass die Sakramente eine wichtige und stärkende Tradition der Kirche sind und den Menschen von jenen Frauen und Männern gespendet werden sollen, die diese regelmässig begleiten – unabhängig vom Geschlecht.

Inhaltlich vielfältig waren die Voten der Ordensfrauen: Aufgrund ihrer je eigenen Lebensbezüge auf der ganzen Welt haben sie unterschiedliche Erfahrungen gemacht und bringen unterschiedliche Ideen ein, wie die Kirche – eben durch die echte Teilhabe von Frauen – ihre Glaubwürdigkeit wieder erlangen könnte. Sr. Madeleine Fredell aus Schweden meint, die Menschen seien es müde und es langweile sie auch, immer nur die männliche Stimme und Auslegung der Bibel zu vernehmen.

Für die Zukunft der Kirche steht viel auf dem Spiel. Das hat Papst Franziskus erkannt. Er hat auch erkannt, dass die Umsetzung seiner Herzensanliegen nur mit den Frauen gelingen kann und hat uns zur Redefreiheit aufgefordert. Ob er es auch schafft, die Stimme der Frauen gleichberechtigt einzubinden? Es kann nicht sein, dass die Hälfte der Kirchenmitglieder weiterhin kirchenrechtlich zum Schweigen verdammt bleibt. Denn mit den Stimmen der Frauen erklingt der Klang des Mitgefühls, der Stärke und der Gerechtigkeit.

Silvia Huber, SKF-Beauftragte für Theologie, war als Beobachterin am Event von Voices of Faith in Rom dabei.

 

Einen Kommentar schreiben

Kommentare

12.10.2019 | Simone Curau-Aepli

Dass Ordensfrauen sich mit ihren Forderungen nach Gleichberechtigung so aus dem Fenster lehnen, ist nicht neu - schon Theresa von Avila hat die Diskriminierung aufgrund des Geschlechts angeprangert. Dass dies aber konzertant von Ordensleiterinnen vor Ort in Rom gemacht wird, ist ein neues Kapitel in der Kirchengeschichte. Wie von Silvia Huber geschildert bin auch ich sehr beeindruckt vom Auftritt und der Tonalität ihrer Botschaft: In liebevoller Klarheit stehen sie ein für die Anerkennung ihrer Kompetenz (Erfahrungswissen!) als getaufte Frauen, die ihr Leben Kraft ihres Glaubens in den Dienst der Menschen und der Schöpfung stellen. Auch bei dieser Synode werden sie nicht mit entscheiden können. Ich warte darauf, dass es Bischöfe gibt, die auf ihr Stimmrecht verzichten, zugunsten dieser Frauen.