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Kirche gestalten und Spiritualität leben

Wir sind ein konfessioneller Frauen-Dachverband und leben «das Katholische» offen, lebensnah und befreiend.

Wir vertreten unsere Positionen zur Einhaltung der Menschenrechte und zur Gleichstellung in der Kirche.

Religiöse Ermächtigung von Frauen

Wir feiern Liturgien und Rituale und fördern die religiöse Ermächtigung von Frauen.

Gottesdienste für den Solidaritätsfonds für Mutter und Kind

Gottesdienste für das Elisabethenwerk

Merkblatt für die geistliche Begleitung von Ortsvereinen und Kantonalverbänden

 

Allianz: «Es reicht!»

In der Allianz «Es reicht!» setzen wir uns zusammen mit andern Verbänden und Organisationen wie Jubla und Herbert Haag Stiftung für eine dialogfähige, befreiende und solidarische Kirche und für einen Neuanfang im Bistum Chur ein.

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Wie katholisch sein?

Unser Selbstverständnis als konfessioneller Frauen-Dachverband haben wir in fünf Schlüsselbegriffe gefasst:

  • Erinnerung
  • Gemeinschaft
  • Spiritualität
  • Solidarität
  • Wandlung
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Spiritueller Briefkasten

Was Sie schon immer über Religion, Kirche oder Spiritualität wissen wollten und sich nicht zu fragen getrauten: im spirituellen Briefkasten beantworten Amanda Ehrler, Angela Büchel Sladkovic und Monika Hungerbühler Ihre Fragen.

Senden Sie Ihre Frage an
info@frauenbund.ch

«Warum wurde Jesus als Mann geboren? Dies ist eine Frage, die ich heute der Theologin oder dem Theologen meines Vertrauens stellen würde.» Celia Gomez

 

Liebe Celia Gomez

Ich habe keine Antwort auf diese Frage, doch dass Jesu Männlichkeit als Argument für den Ausschluss der Frauen vom Priesteramt herhalten muss ist unhaltbar. Jesus ist Mensch geworden und nicht Mann. Die Männlichkeit Jesu ist also einerseits zweitrangig und zugleich für katholische Frauen bitterer Ernst und eine unverständliche Diskriminierung. Luzia Sutter Rehmann schreibt dazu, dass es unter den Jüngern Jesu keine Männer gegeben habe, sondern nur Geschwister. Im Markusevangelium wird das Programm Jesu gleich ganz am Anfang offengelegt: „Geschwister und Mütter gehören von Anfang an zur Jesusbewegung, die sich durch ‘nachfolgen und dienen‘ charakterisieren lässt.“ Frauen kommen in der Jesusnachfolge prominent vor, nicht aber „Männer“ und neben dem oft verwendeten Begriff der „Mütter“ fehlt der der Väter. Erwähnung finden jedoch Brüder und Schwestern.

Wie sehr Ihre Frage Emotionen aufwerfen kann zeigen die Debatten um Christa-Figuren, also gekreuzigte Frauen, die auf sexualisierte und körperliche Gewalt an Frauen  aufmerksam machen. Silvia Arzt schrieb in der „Fama“: „Die Darstellungen einer ‚Christa‘ irritieren, schockieren, lösen heftige Reaktionen aus: Den Künstlerinnen werden Gotteslästerung und Pervertierung religiöser Symbole vorgeworfen, Gewalt wird angedroht und angewandt. Warum schockieren diese Darstellungen so sehr? Warum kann Jesus am Kreuz widerspruchslos als Lateinamerikaner dargestellt werden, aber nicht als Frau?“

Nun habe ich statt einer Antwort weitere Fragen in den Raum gestellt. Wir müssen sie weiter diskutieren solange es Geschlechterdiskriminierungen gibt.

Monika Hungerbühler, katholische Theologin, Co-Leiterin Offene Kirche Elisabethen, Basel

Warum sind glutenfreie Hostien für die Eucharistiefeier nicht erlaubt, alkoholfreier Traubensaft aber schon? B. A. via E-Mail

 

Liebe B.

Das Schreiben von Papst Franziskus an die Bischöfe im Juli 2017 hat nicht nur bei Ihnen Unverständnis ausgelöst. Ob der Papst dabei an die Konsequenz für zöliakiebetroffene Menschen gedacht hat, bezweifle ich. Der Grund des Schreibens liegt vielmehr darin, an Vorgaben für die Gültigkeit der Materie des eucharistischen Brotes zu erinnern. Dies im Hinblick auch darauf, dass Hostien heute über Supermärkte und im Internet bezogen werden. Da ist es nicht unangebracht, die Norm für die Beschaffenheit der Hostien in Erinnerung zu rufen. Nach dem Richtwert der EU für glutenfreie Lebensmittel (pro 100 Gramm höchstens zwei Milligramm) können heute glutenfreie Hostien auf Weizenbasis, ohne fremdartige Zusatzstoffe, hergestellt werden. Somit ist der Norm genüge getan.

Grundsätzlich aber geht es um Respekt vor dem Heiligen. Jesus hat damals im Abendmahlssaal und später bei den Jüngern von Emmaus jenes Brot genommen, das eben auf dem Tisch war. Im Brechen des Brotes, nicht in der Art des Brotes, haben sie ihn erkannt.

Wäre Jesus in Afrika oder in Asien zur Welt gekommen, dann hätte er wohl ein Mais- oder Reisbrot gebrochen und geteilt.

Die Frage Wein oder Traubensaft betrifft wohl in erster Linie Priester, aber nicht nur. Mancherorts wird von der Möglichkeit Gebrauch gemacht, Kindern bei der Erstkommunion den Becher mit Traubensaft zu reichen. Anderseits besteht auch die Möglichkeit, Zöliakiebetroffenen statt der Hostie den Kelch mit Wein zu reichen.

Amanda Ehrler, Seelsorgerin und Präsidentin des Katholischen Frauenbunds Zürich

Warum haben die christlichen Kirchen Mutter Erde vergessen und nur auf Vater Himmel fokussiert? S. C. via Facebook

 

Liebe S.

Ja, warum dieser Drang nach oben? In die lichten Sphären des Himmels, dorthin, wo wir alles überblicken, leichtfüssig schweben? Die Schwerkraft hinter uns lassend, die Herkunft, die Enge des Geburtskanals, das Seufzen der Erde, das Lachen der Kinder.

Hildegard von Bingen riet noch zum doppelten Blick: Wer auf Gott blickt, schaut zur Erde. «Wer seinem Gott vertraut, wird auch den Bestand der Welt ehren; den Lauf von Sonne und Mond, Wind und Luft, Erde und Wasser, alles, was Gott um der Ehre des Menschen geschaffen hat und zu seinem Schutz. Einen anderen Halt hat der Mensch nicht». Erde und Himmel lassen sich bei Hildegard nicht auseinanderdividieren.

Es ist der Herrschaftsanspruch (der Neuzeit), der die Zusammengehörigkeit aufkündigt. «Teile und herrsche.» Alles wird auseinandergerissen und gegeneinander ausgespielt: Schöpfer und Geschöpf, Himmel und Erde, Geist und Materie, Vernunft und Seele, Mann und Frau.

Wir sind Teil eines Ganzen, Teilhaberinnen, und brauchen Gott im Himmel und auf Erden, als Vater und als Mutter, als Windhauch und als Grünkraft.

Angela Büchel Sladkovic, Theologin

Ich fühle mich Gott-verlassen

Ich bin eine gestandene Berufsfrau (70%) und habe meine Kinder (13 und 15) alleine erzogen. Ich kümmere mich auch um meine Eltern, rufe beim Schwiegervater an, schaue, dass zu Hause alles rund läuft und schön ist. Wenn ich einmal Zeit habe, mich hinzusetzen mit einem Buch oder zum Fenster raus schaue, fühle ich mich manchmal müde und allein, irgendwie Gott-verlassen. Was kann ich tun? M.

Liebe M.

Das kann ich gut verstehen. Ich sehe dein Leben als „Hingabe“ an deine Familie. Ich nehme bewusst diesen religiösen Begriff, der bei der Eucharistiefeier genannt wird. Wie wichtig, dass du Freundinnen hast, mit denen du dich austauschen und lachen kannst, mit ihnen einen Apéro trinkst aufs Leben. Liebe dich selbst, möchte ich dir zuprosten, so wie du die anderen liebst. Dann kann die Gottverlassenheit für einen Moment verschwinden. Als kleine Seelennahrung gebe ich dir ein Gedicht von Andreas Knapp mit, einem Ordensmann aus Leipzig:

osterfrühstück. so will ich auferweckt werden / das frühstück / ans grab gebracht / einen kaffee / der tote weckt / und brötchen die noch / nach abendmahl duften / angerichtet auf einem / weissen leinentuch / dann ein kuss / auf meine wunden / und ins ohr geflüstert / ein neuer name / liebkoseworte / unaufhörlich.

Ich wünsche Dir alles Liebe und Gute!

Monika Hungerbühler, Theologin