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SKF-Statements zur Begegnung SBK-SKF

Die Schweizer Bischofskonferenz (SBK), eine Delegation des Frauenrates der SBK und eine Delegation des Schweizerischen Katholischen Frauenbundes (SKF) trafen sich am 15. September 2020 anlässlich der 329. ordentlichen Vollversammlung der SBK in Delémont/JU. Die Begegnung fand im Rahmen des Prozesses «Gemeinsam auf dem Weg zur Erneuerung der Kirche» statt. Von den gemeinsam von SBK und SKF anvisierten Zielen konnten nicht alle erreicht werden. Fruchtbar war die Begegnung trotzdem. Neben einer gemeinsam von SKF und SBK verfassten Medienmitteilung, fand am 18. September 2020 eine gemeinsame Medienkonferenz von SBK und SKF in Bern statt an der Simone Curau-Aepli, Iva Boutellier und Miriam Christen-Zarri folgende Statements verlasen.

Simone Curau-Aepli (Präsidium)

Beim Schweizerischen Katholischen Frauenbund war die Freude über Einladung der Schweizer Bischofskonferenz gross. Es hat uns sehr gefreut, als erste Gruppe im Rahmen des Prozesses «Gemeinsam auf dem Weg zur Erneuerung der Kirche» mit den Bischöfen der Schweiz ins Gespräch zu kommen. Offenbar ist sich die SBK bewusst, dass die Dringlichkeit der Frauenfrage in diesem Prozess hoch gewichtet werden muss. Wir bedauerten sehr, dass Bischof Denis Theurillat aus gesundheitlichen Gründen als Hüter der Frauenfrage in der Bischofskonferenz und massgeblicher Initiant dieses Treffens nicht dabei sein konnte.

Der SKF ist durch sein Leitbild und seine 130'000 Mitglieder verbindlich beauftragt sich für Gerechtigkeit einszusetzen. Darin steht unter anderem: Wir stehen für eine lebendige, glaubwürdige katholische Kirche ein. Wir engagieren uns für die Rechte aller Frauen in Gesellschaft, Kirche sowie deren Umsetzung.

Das heisst, wir stehen für eine Kirche ein, in der niemand aufgrund des Geschlechts oder der Lebensform benachteiligt oder ausgeschlossen wird.

Die SKF-Delegation wir demnächst intern die Begegnung evaluieren und das weitere Vorgehen diskutieren. Anschliessend wird die Arbeitsgruppe, die aus Mitgliedern der SBK und des SKF besteht, wird im Oktober weitere Schritte beraten. Wir, der Schweizerische Katholische Frauenbund, wir sind bereit, diesen Weg weiterzugehen. Es ist wichtig diesen Weg zu gehen, um einen Strukturwandel herbeizuführen. Das haben wir an der Begegnung gemerkt.

Der SKF will gleichberechtigte Teilhabe von Frauen und Männern auf allen Ebenen der katholischen Kirche. Dazu gehört auch der uneingeschränkte Zugang zu allen Weiheämtern für Frauen. Aber wir lassen uns nicht auf die Forderung nach dem Frauenpriesterum reduzieren.

Macht und Machtstrukturen wurden von den Mitgliedern der Schweizer Bischofskonferenz nur ungern diskutiert. Viel lieber reden gewisse Bischöfe über die «Mission», beziehungsweise über die geistige Erneuerung und über tätige Nächstenliebe. Das ist wichtig, aber nicht genug. Leider reduzieren gewisse Bischöfe die Forderung nach Geschlechtergerechtigkeit in der römisch-katholischen Kirche auf das Frauenpriestertum. Dieses Nicht-Wissen, diese fundamentalen Vorurteile verunmöglichen ein wahrhaftiges Zuhören und Ersticken jeden Dialog im Keim.

Alle reden von Erneuerung und doch spürt man diese Mauer, die strahlt aus: Bis hierhin und nicht weiter! Diese Mauer ist aus Angst gebaut und sie lähmt und tut weh.

Wir wollen die Strukturen aufweichen, die die Übernahme von Verantwortung durch Frauen verhindern. Diese Verantwortung ist mit dem Weiheamt, das nur Männern offensteht, eng verwoben. Dieses Ausschliessen von Frauen und nicht-geweihten Männern entspricht nicht dem Grundsatz gleicher Würde und gleicher Rechten, die wir alle als Getaufte haben. Viele Frauen sind verletzt, wie mit ihnen umgegangen wird. Hier braucht es echte Bereitschaft, zuzuhören und zu verstehen.

Es sind diese Machtstrukturen, die Missbrauch durch Geistliche auf der ganzen Welt ermöglichten und das Verschleiern und Vertuschen von Missbrauch förderten.

Solche geschlossenen Strukturen sind ungesund, intransparent und untergraben die Glaubwürdigkeit der Institution Kirche. Es wird in vielen Gremien nach wie vor über Frauen und nicht mit Frauen gesprochen. Wenn wir uns jetzt gemeinsam auf den Weg machen, müssen diese langjährigen und tiefen Verletzungen auch benannt, ernst genommen und versöhnt werden.

Iva Boutellier (Vorstand)

Die Begegnung mit der Schweizer Bischofskonferenz war für mich spannend und ernüchternd zugleich. Nicht, dass ich das nicht erwartet hätte, aber ich musste feststellen, dass die Frage nach Veränderungen einen langen Atem braucht. Zumindest auf der Seite der Frauen. Auf der Seite der Bischöfe braucht es einen kulturellen und mentalen Wandel. Die Diskussionen über die Leitungsgewalt von Frauen war eine Herausforderung, denn Leitungsgewalt ist in der römisch-katholischen Kirche an die Weihe gebunden.

Für eine erneuerte und gerechte Kirche braucht es Gestaltungsspielräume und Entscheidungsgewalt für Frauen, in allen Diensten, allen Ämtern und allen Leitungsfunktionen.

Viele Frauen, die auch, aber nicht nur theologisch hoch qualifiziert sind, wollen und sollen ihre Fähigkeiten in der Kirche einbringen. Beispiele, wie Frauen in der Pastoral und in der Leitung Verantwortung übernehmen, gibt es viele: in gemischten Teams in Pfarrgemeinden, als Kanzlerin im Bistum Chur, Verwalterin im Bistum Basel oder als Leiterin der Diozöse in Genf-Lausanne-Fribourg. Diese Entwicklungen müssen zugelassen und gefördert werden. Die Realität zeigt, dass es keinesfalls so ist, dass Bischöfe und Priester keinen Einfluss nehmen können. Es braucht Offenheit und den Willen, neue Wege zu gehen – auch ungewohnte Wege! Bischöfe und Priester haben diese Macht! «Macht», das ist in der Kirche ein böses Wort.

Macht zu haben, bedeutet Verantwortung zu haben. Bischöfe haben diese Macht – und damit die Verantwortung. Für Mensch, Kirche und Evangelium, für die Entwicklung der Kirche zu mehr Gerechtigkeit und Glaubwürdigkeit.

Die römisch-katholische Kirche ist es gewohnt, in Jahrhunderten zu denken, Hierarchien und Traditionen absolut zu setzen, sich immer auf die Weltkirche, den Bischof, den Papst zu berufen. Aber Kirche ist immer bei den Menschen, immer vor Ort und nicht in Rom. Wir wollen nicht das Evangelium ändern oder Glaubensinhalte erodieren. Hier geht es darum, alle Potentiale und Möglichkeiten der Welt von heute zu nutzen, und die gute Botschaft des Evangeliums weiter zu tragen. Die Frauen wollen die Macht nicht um der Macht willen, sondern um mitzugestalten.

Die Kirche kann es sich nicht leisten, dabei auf Frauen und ihre Fähigkeiten zu verzichten.

Wir erwarten von den Bischöfen Offenheit im Denken und Handeln, die Fähigkeiten aller Menschen, auch von Frauen und nicht-geweihten Männern, im Glauben und in der Liebe zur Kirche zu nutzen. Wir wünschen uns und erwarten, dass sich die Bischöfe der Schweiz sich ernsthaft und glaubwürdig gemeinsam mit uns und allen Getauften konkrete Schritte wagen.

Miriam Christen-Zarri (Vorstand)

Seitdem ich im Kanton Uri lebe, wird mir vor Augen geführt, wie wichtig die persönliche Begegnung ist. Der Kanton ist klein, da kennen sich die Menschen. Die Beziehung zu anderen wird im Kanton Uri sehr hoch gehalten. Aus der Begegnung mit der Schweizer Bischofskonferenz heraus ist ein Samen gepflanzt worden. Das Treffen zwischen Schweizer Bischofskonferenz und Schweizerischem Katholischen Frauenbund war ein bedeutsamer erster Schritt.

Möge aus dem gepflanzten Samen eine starke, respektvolle Beziehung wachsen.

Überrascht hat mich die grosse Uneinigkeit innerhalb der Schweizer Bischofskonferenz, ist dieses Gremium doch nur bei Einigkeit und Konsens handlungsfähig. Mit diesem Wissen weiss ich nun, dass der Weg, der vor uns liegt, kein leichter sein wird. Ich hoffe, dass sich mehr Bischöfe trauen, sich zugunsten der Geschlechtergerechtigkeit zu exponieren. Der SKF-Delegation wurde im Rahmen der Begegnung dargelegt, dass in jedem Bistum unterschiedliche Rahmenbedingungen gegeben seien. Ich kann mir vorstellen, dass unter dieser Prämisse eine Zusammenarbeit herausfordernd ist.

Meiner Meinung nach dürfen die Unterschiede zwischen den Bistümern dürfen nicht zu einem fragmentierten Vorgehen führen. Schliesslich geht es um den nationalen Weg der Erneuerung der katholischen Kirche der Schweiz.

Die Ziele der Begegnung wurden zwar nur teilweise erreicht, aber es gibt Momente im Leben, da ist es lohnenswert, sich für das zu nehmen, was gerade passiert, anstatt an Zieldefinitionen hängen zu bleiben. Gutes, aktives Zuhören und aufeinander Zukommen benötigt eben Zeit. Die Frauen und die Bischöfe haben einander zugehört.

In manchen Punkten waren wir einig, in anderen blieben wir strittig.

Nun werden die Frauen der SKF-Delegation und all jene, die auf den Weg der Erneuerung hoffen, die Bischöfe daran messen, wie sie den aufgenommenen Dialog weiterführen werden und ob sie zu konkreten, formalisierten Entscheiden finden werden.