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Spiritualität aus dem «Paradiesgarten»

Spiritualität führt uns zu den Fragen nach Sinn und Lebensenergie, zu den nährenden Quellen für unseren Lebensgarten. Der «Paradiesgarten» lädt zum Pflücken spiritueller Anregungen ein und dazu, die eigene Spiritualität zu erkunden. Jeden Monat trägt der «Paradiesgarten» eine neue Frucht. Schon gekostet?

Die Formen gelebter Spiritualität sind vielfältig, auch innerhalb des christlichen Glaubens. Der sonntägliche Gottesdienstbesuch ist nur eine Form unter ganz vielen Möglichkeiten, um mit dem Göttlichen in Verbindung zu sein. Spiritualität ist nichts Abgehobenes und nichts Weltfremdes, sondern eine Lebensenergie, die es immer neu zu pflegen und zu entdecken gilt, die sich im Laufe des Lebens auch verändern und entfalten kann. Die spirituellen Anregungen zeigen diese Vielfalt auf oder geben ganz konkrete Inputs in Form von Bildern, Gedichten, Gebeten und anderen liturgischen Texten. Fünf Frauen tragen mit einem monatlichen Beitrag zum Inhalt des Paradiesgartens bei.

Im Kirchenjahr sind die ersten Tage im Februar geprägt von Segensritualen. Am 2. Februar werden am Fest «Darstellung des Herrn» Kerzen gesegnet, am Tag darauf wird der Blasius-Segen erteilt und am Tag der heiligen Agatha am 5. Februar werden Brote mit dem Segen Gottes in Verbindung gebracht.

Mich berührt immer wieder die ganz konkrete, leibhafte Erfahrung des Segnens und des Gesegnet werdens. Auf meinem Lebensweg und in der Begleitung von Menschen verspüre ich besonders in Situationen der Verletzlichkeit oder inneren Unruhe das Bedürfnis nach Bestärkung durch die göttliche Segenskraft.

«Leben braucht Segen. Leben braucht den Zuspruch, dass es gut wird und dass es einen Sinn hat. Leben braucht die Hoffnung, die über uns Menschen hinausweist.» (Li Hangartner)

Ob als Mutter oder Freundin, als Tochter oder Theologin; wir können die Segenskraft Gottes empfangend weitergeben. Als Gesegnete und Segnende werden wir zu Gottes Mitarbeiterinnen für ein gelingendes Leben. Die Segenskraft vermag den Schmerz nicht zu nehmen und Bewahrung und Glück nicht herbei zu zwingen. Doch sie macht offen und durchlässig für die grundlegende Erfahrung, dass unser Leben wie mit einem goldenen göttlichen Faden von Zuwendung, Ermutigung und Schutz durchwirkt ist.

 

Gottes Segenskraft sei mit uns:

Sie ermutige und inspiriere uns auf unserem Weg

Sie bestärke unsere kreative Kraft

Sie beschütze unsere Lebendigkeit

und richte uns auf und aus  - dem Licht entgegen.

Sie behüte, was uns lieb und wichtig geworden ist

und  bewahre unsere Sehnsucht.

Gottes Segenskraft sei mit uns!

Die spirituellen Anregungen des «Paradiesgartens» im Februar 2020 wurden gepflanzt von Eugénie Lang, Theologin und Pfarreiseelsorgerin.

Die spirituellen Anregungen des «Paradiesgartens» im Januar 2020 wurden gepflanzt von Noemi Honegger, Spitalseelsorgerin und Doktorandin am Institut für Sozialethik.

Ein neues Jahr liegt vor mir. Was mag es wohl bringen?

Neues Leben und letzte Atemzüge. Überschäumende Freude und herzzerreissende Trauer.
Kräftezehrender Abschluss und hoffnungsvoller Neuanfang. Himmelschreiende
Ungerechtigkeit und friedvolle Versöhnung. Befreiende Erfüllung und leere Sinnlosigkeit.

Noch weiss ich es nicht. Unsicherheit ergreift mich. Doch… Innehalten. Hinhören.
Nachspüren. Der Stimme des Engels lauschen:
„Fürchtet euch nicht. Ich verkünde euch eine grosse Freude.“

„Fürchtet euch nicht!“ Immer und immer wieder. Auszug aus Ägypten.
Leben im verheissenen Land. Gesang des Psalmisten. Ruf der Propheten.
Gabriel bei Maria. Gang über das Wasser. Frauen am leeren Grab.

Immanuel – Gott mit uns. Höre ich die Zusage? Glaube ich der Verheissung?

Ich möchte in weihnachtlichem Vertrauen leben. Empfangen, wachsen und gedeihen.
Über Wasser gehen. Festen Boden unter den Füssen spüren. Lieben.
Furcht und Angst in Schranken weisen.

Die spirituellen Anregungen des «Paradiesgartens» im Dezember 2019 wurden gepflanzt von der Theologin Elisabeth Bernet.

Loben will ich

die klaren Winternächte

das Funkeln der Sterne

die Tiefe des Alls

            loben – die grosse Sehnsucht

 

loben will ich

das Heu und das Stroh

den Duft des vergangenen Sommers

das Futter der Tiere

            loben – die grosse Sehnsucht

 

loben will ich

den Ochs und den Esel

die Lasten und Mühen

die Müdigkeit des Leibes

            loben – die grosse Sehnsucht

 

loben will ich

das Blöken der Schafe

die Wachsamkeit der Hunde

das Lauschen der Hirten

            loben – die grosse Sehnsucht

 

loben will ich

das Holz der Krippe

das Holz der Särge

den Baum des Lebens

            loben – die grosse Sehnsucht

 

loben will ich

den Stern

den Aufbruch der Weisen

die  Kraft der Träume

            loben – die grosse Sehnsucht

 

loben will ich

die Anmut der Mutter

das Staunen des Vaters

das Geheimnis der Liebe

            loben – die grosse Sehnsucht

 

loben will ich

den Schrei der Neugeborenen

die  Ohnmacht des Erdlings -  Gott

            loben – die grosse Sehnsucht

Die spirituellen Anregungen des «Paradiesgartens» im November 2019 wurden gepflanzt von Stefanie Bretscher, Heil- und Sozialpädagogin mit Freude am Fotografieren.

Leben und Tod

beide verbunden

im Hier und Jetzt

im Immer und Ewig

Die spirituellen Anregungen des «Paradiesgartens» im Oktober 2019 wurden gepflanzt von Silvia Huber, Theologiebeauftragte des SKF Schweizerischer Katholischer Frauenbund.

Spiritualität pflegen – von den Früchten des Paradiesgartens kosten

Die Formen gelebter Spiritualität sind vielfältig, auch innerhalb des christlichen Glaubens. Der Besuch eines Gottesdienstes kann genauso «spirituelle Beziehungspflege» sein wie das Pilgern auf dem Jakobsweg oder das Geniessen der ruhigen Minuten der Familienfrau, wenn die Kinder am Morgen das Haus verlassen haben. Oder das Engagement für Geflüchtete genauso wie das bewusste Verzichten auf klimaschädliche Güter. Denn immer geht es aus theologischer Sicht darum, sich mit der Lebensquelle zu verbinden, um der Verheissung des «Lebens in Fülle» näher zu kommen. Nicht nur für sich, sondern für alle Menschen, für die ganze Mitwelt.

Spiritualität pflegen heisst also, sich immer wieder darauf zu besinnen oder sich zu vergegenwärtigen, was im Leben Sinn und Erfüllung schenkt. Um diese Früchte zu pflücken dient es, sich Zeit zu gönnen und der Alltagshektik zu entfliehen. Deshalb sind die «alten» Formen der Frömmigkeit eigentlich ganz dienlich: Im Wochenrhythmus sich für eine Stunde ausklicken und nichts leisten müssen. Oder im Jahresrhythmus an Ostern sich mit Fragen nach Endlichkeit und Hoffnung zu beschäftigen.

In der aufgeklärten Zeit des 21. Jahrhunderts haben wir die Möglichkeit, jene spirituellen Formen zu pflegen, die uns entsprechen. Wir haben viel Freiraum, sind aber auch entsprechend gefordert, den eigenen Weg zu suchen und zu gehen. Manchmal müssen die Paradiesfrüchte gesucht werden, um sie dann geniessen zu können.