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49 Jahre Frauenstimmrecht - Rückblick einer Historikerin

49 Jahre Frauenstimmrecht - Rückblick einer Historikerin

1971 war ich 27 Jahre alt und promovierte Historikerin. Meine jüngeren Brüder konnten längst stimmen und wählen – und ich hatte aufgehört, für das Frauenstimmrecht Propaganda zu machen.

Ich engagierte mich in der Frauenbefreiungsbewegung FBB Zürich. Diese begann in diesen Jahren, die patriarchalen Strukturen in Gesellschaft, Politik und Wissenschaft zu analysieren und zu bekämpfen. Da fühlte ich mich am richtigen Ort – aber als ich endlich politisch berechtigt war, engagierte ich mich sofort auch in Schulbehörden und politischen Gremien meiner Wohngemeinden.

 

Bezüglich Gleichstellung auf Gesetzesebene bewegen wir uns 49 Jahre später im europäischen Mittelfeld. Absolute Pièce de Résistance ist wie überall die ungleiche Entlohnung gleichwertiger Arbeit, welche die in der Verfassung garantierte Lohngleichheit verletzt.

 

Hartnäckiger als in anderen Ländern hält sich bei uns der Mythos der „Schweizer Hausfrau“, die froh und dankbar zu sein habe, dass ihr Mann genug verdiene und sie zu Hause ihrer Bestimmung gemäss für Haushalt, Mann und Kinder sorgen dürfe. Auch in der jungen Generation gut ausgebildeter Frauen besteht ein Trend, nach der Geburt des ersten Kindes die Erwerbsarbeit auf ein Minimum zu reduzieren oder aufzugeben, um die traditionelle Mutterrolle zu übernehmen. Die jungen Feministinnen auf der anderen Seite engagieren sich in Politik, Gesellschaft und Wirtschaft für Gleichberechtigung in Theorie und Praxis. Individuelle Aushandlungsprozesse um die Verteilung von Haus-, Familien- und Erwerbsarbeit prägen auch heute Partnerschaften zutiefst.

 

Nach meinen Erfahrungen bewegt sich der SKF seit Jahrzehnten mehrspurig: Kein radikaler Kampf gegen den frauenfeindlichen Ausschluss von Weihen und Ämtern, sondern Opposition von unten, in den einzelnen Kirchgemeinden, um frauenfreundliche Strukturen zu schaffen und zu erhalten. Zudem dezidiertes Verteidigen von Kompetenzbereichen seitens der Präsidentinnen, um Diskussionen mit der kirchlichen Hierarchie auf gleicher Augenhöhe zu ermöglichen. Der SKF Vorstand verbat sich bereits vor zwei Jahrzehnten explizit die Einmischungen der zuständigen geistlichen Behörde in ihre politischen Diskussionen.

 

Anders als in jungen Jahren und anders als der SKF fahre ich heute im Alter nicht mehr mehrspurig. Ich engagiere mich jedoch in der Bewegung grossmütterRevolution, wo ich fundamentale Kritik an patriarchalen Strukturen mit konkretem Engagement für alte Frauen verbinden kann.

 

Mehr zum Thema Frauenstimmrecht: SKF Frauen sagen, was das Stimm- und Wahlrecht heute für sie bedeutet

 

Bildlegende: SKF-Delegiertenversammlung 1970 in Engelberg - die Frauen konnten zwar einen Verband führen, hatten aber kein Schweizer Stimm- und Wahlrecht

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Kommentare

17.03.2020 | Margrit Hug-Huber

Stellen Sie sich vor: Ich stehe mit fünf halbwüchsigen Töchtern aussen am Ring. Wir verfolgen gespannt, die Geschäfte der Landsgemeinde und freuen uns auf die Nachfeier. Heute werden wir das Stimmrecht erhalten. -- Aber dann! Diese Argumente dagegen! Nach der Ablehnung verlässt mein Mann den Ring und wir müssen den Ärger im Schwimmbad "ertränken".
Ich bin dem SKF sehr dankbar für sein politisches Engagement und wünsche mir, dass dies auch bei der Basis, in den Ortsvereinen ankommt. Wir Frauen dürfen genauso wie die Männer verschiedener Meinung sein. Aber keine Meinung zu haben ist schlecht. Die FG`s sind nicht nur Wohlfühlvereine. Die Statuten zeigen ein klares Profil. DANKE!