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Das Coronavirus gibt Freiwilligenarbeit ein neues Gewicht

Das Coronavirus betrifft alle Menschen in der Schweiz und stellt uns vor ungewohnte Herausforderungen. In unserem grossen Frauen-Netzwerk sind zahlreiche Initiativen entstanden. Die SKF-Freiwilligen wurden unmittelbar nach der Verkündigung des Lockdowns aktiv und unterstützen die Risikogruppen tatkräftig. Ein Beispiel davon ist der Frauenverein Schötz (LU), welcher zusammen mit der Gemeinde schnell ein unkompliziertes Hilfsangebot für Risikogruppen auf die Beine gestellt hat, von Einkäufen, Mahlzeiten- und Medikamentelieferungen bis zur Telefonkette. Wir haben bei der Präsidentin Andrea Roth-Rein und der Gemeinderätin Ruth Bachmann nachgefragt, wie es zur Zusammenarbeit kam und was ihre Erfahrungen sind.

Was hat dich, Andrea, dazu bewogen, so schnell ein unkompliziertes Hilfsangebot für Risikogruppen auf die Beine zu stellen?

Ich lebe gut 100 km von meinen Eltern entfernt und bin froh, dass mein Bruder und eine Freundin das Einkaufen für sie übernehmen. Über diese Distanz der eigenen Familie zu helfen, macht keinen Sinn. Meine freien Ressourcen kann ich aber für die Menschen in der Region nutzen.

Einer Freundin, die in der Gemeindeverwaltung arbeitet, bot ich meine freien Kapazitäten an. Kurz darauf kontaktierte mich unsere Sozialvorsteherin Ruth und in nur zwei Telefonaten skizzierten wir unser Angebot und seine Organisation. Den Flyer gestaltete die Gemeinde, unser Frauenverein rekrutierte die Freiwilligen.

Seither mache ich täglich zwei Stunden Präsenzdienst am Telefon – allerdings meist «vergeblich» – was sehr erfreulich ist. Als Vermittlungszentrale bin ich Drehscheibe, in unserem Netzwerk finden wir entsprechende Lösungen. Ich bin dankbar für die gute Zusammenarbeit und für die göttliche Führung.
 

Wie war die Resonanz unter den Mitgliedern?

Den Helferinnen-Aufruf schickten wir per E-Mail an die 320 Mitglieder, von welchen wir über eine Mail-Adresse verfügen (insgesamt ist unser Verein 500 Frauen stark). Mittlerweile erledigen über 20 Personen die eintreffenden Aufträge. Eindrücklich waren aber auch die vielen E-mails und Anrufe von Frauen, die sich entschuldigten, weil sie leider nicht mithelfen können, zum Beispiel weil sie sich bereits in Familie und Nachbarschaft engagieren. Die älteren oder vorerkrankten Frauen bedankten sich für unsere Nachfrage und berichteten, wer ihnen alles helfe oder bereits Hilfe angeboten habe.

«Es bleibt das gute Gefühl, dass es uns ‹fast nicht braucht›, weil in Schötz schon sehr vieles auch ohne Frauenverein top läuft.»

Sind die Freiwilligen vor allem Mitglieder des Frauenvereins oder auch Externe?

Neben unseren Vereinsmitgliedern helfen auch andere SchötzerInnen, die sich nach dem Versand des Flyers gemeldet haben, darunter auch zwei Männer. Auch die allererste Helferin ist noch nicht Mitglied.
 

Zwei Freiwillige telefonierten mit allen über 70-Jährigen der Gemeinde. Was bewegt sie derzeit besonders?

Sie erfuhren, dass die Schötzer Seniorinnen und Senioren sehr gut vernetzt sind und grösstenteils von der Familie oder Quartierbewohnenden unterstützt werden. Aus den Telefongesprächen sind drei Einkaufs-Daueraufträge und eine Telefonkette mit drei Personen zustande gekommen. Seither startet eine Freiwillige des Frauenvereins die Telefonkette wöchentlich und nimmt das letzte Gespräch am Schluss wieder entgegen.

Das Hauptthema in den Gesprächen ist oft die eigene Gesundheit, respektive Krankheit und der Gesundheitszustand der Angehörigen. Die SeniorInnen berichten auch über ihre Hobbys, gemeinsame Bekannte, dass sie glauben, die Situation werde wohl noch länger dauern und dass sie grundsätzlich viel mehr telefonieren als sonst. Eine Person erzählte, sie empfände schon fast «Stress» mit den vielen Telefonen, die sie erreichen. Die Menschen sind es schon gewohnt alleine zu sein und können gut mit der Situation umgehen. Die Stimmung ist gut und alle sind froh, dass Spaziergänge erlaubt sind. Eine der Telefonistinnen glaubt, dass die meisten eher damit Mühe haben, dass sie nicht mehr selber einkaufen dürfen.
 

Ist die Zusammenarbeit mit der Gemeinde Neuland?

Der Zusammenhalt zwischen der politischen Gemeinde, der Kirchgemeinde und den lokalen Vereinen ist in Schötz stark verankert und trägt gut. Noch lieber arbeiten wir natürlich für fröhlichere Anlässe zusammen, wie zum Beispiel das zentralschweizerische Jodlerfest vor zwei Jahren.
 

Wie seid ihr als Verein sonst gefordert von der speziellen Situation mit dem Coronavirus?

Mir tut es sehr leid um all die Anlässe, die jetzt nicht stattfinden können. Wir haben ein reges Vereinsleben, dass ein Kinderhüteangebot, eine Spielgruppe, Yoga, Turnen, Englisch, ein monatliches Weiterbildungsangebot, Ausflüge sowie Frauengottesdienste umfasst. All die Möglichkeiten, sich zu treffen und sich auszutauschen, fallen jetzt weg. Glücklicherweise ist unsere Generalversammlung erst auf Ende November terminiert. Ich hoffe fest, dass sich die Umstände bis dann normalisiert haben und wir unsere Anlässe und Angebote wieder durchführen können.
 

***
 

Ruth Bachmann, vor welchen Herausforderungen steht die Gemeinde Schötz aufgrund der Coronakrise?

Es werden dieselben Herausforderungen sein, wie sie jede Gemeinde, jeden Kanton und den Bund betreffen. Die wirtschaftlichen Folgen werden wir zu spüren bekommen, indem sicherlich grössere Steuerausstände entstehen. Es werden vermutlich Personen arbeitslos werden, die nicht mehr in den Arbeitsmarkt eingegliedert werden können und so Hilfe beim Sozialamt in Anspruch werden müssen. Aber ein definitives Fazit können wir erst nach der Krise ziehen. Ich sehe es als unsere Aufgabe, ein Lob an unsere Bevölkerung und die Freiwilligen auszusprechen und dafür zu sorgen, dass der Zusammenhalt in unserer Gemeinde auch nach der Krise bestehen bleibt. So meistern wir gemeinsam die Herausforderungen und geben aufeinander Acht, ohne grosses Aufheben und ohne enorme Kostenfolgen.
 

Gibt es noch weitere derartige Initiativen der Zivilbevölkerung?

Mir ist bekannt, dass die Solidarität in den Quartieren sehr gross ist. Die gegenseitige Hilfe ist bespielhaft. Unsere Detailhandelsgeschäfte bieten seit Anfang der Krise einen Hauslieferservice an. Der Spar, die Wechsler Metzg und das Blumenatelier sowie die Drogerie Schuler liefern sogar kostenlos. Die Drogerie übergibt dem Sozialamt jeweils Fr. 1.00 pro verkauftes Desinfektionsmittel für stark von der Coronakrose Betroffene . Zudem beliefert sie die Freiwilligen des Frauenvereines kostenlos mit Desinfektionsmittel.
 

Wie läuft die Zusammenarbeit?

Die Zusammenarbeit mit dem Frauenverein Schötz ist optimal. Mit vereinten Kräften konnten wir ganz unbürokratisch und schnell die notwendigen Hilfeleistungen anbieten. Zu Beginn der Pandemie hat sich der Frauenverein beim Gemeinderat gemeldet und eine Zusammenarbeit vorgeschlagen. Für mich war sogleich klar, dass diese von grossem Wert sein wird! Zusammen machen wir Nägel mit Köpfen, einen so verlässlicher Partner an seiner Seite zu haben, ist Gold wert für unsere Bevölkerung. Die Freiwilligen des Frauenvereins sind sehr offen, sie werden durch die Präsidentin auch gut begleitet. Auch vor der Coronakrise konnten wir uns schom immer auf die Hilfe des Frauenvereins verlassen.
 

Was bringt es einer Gemeinde, auf die Unterstützung von Freiwilligen bauen zu können?

Sehr viel. Es gibt der Bevölkerung ein gewisses Urvertrauen. Man weiss, dass man in schwierigen Situationen nicht alleine ist. Freiwillige Hilfe beruht oft auf Gegenhilfe. Zudem ist Freiwilligenarbeit viel persönlicher im Gegensatz zur von der Verwaltung angeordneten Hilfe. Wichtig dabei ist unsere Wertschätzung den Freiwilligen gegenüber.
 

Könnte die Gemeinde auch ohne den Einsatz von Freiwilligen funktionieren, oder gäbe es Dienstleistungen, welche sonst nicht zustande kämen?

Die Gemeinde könnte dies ganz bestimmt, aber nicht gleich gut. Es wäre unpersönlicher und viel zu bürokratisch. Statt Freiwilligen würden eventuell der Zivilschutz helfen. In grossen Gemeinden und Städten wird dies so praktiziert. Wir sind aber in der glücklichen Lage, dass unsere Gemeinde noch eine überschaubare Grösse hat. Viele kennen einander und merken die Not des anderen, wenn es es brennt.

 

Herzlichen Dank an Andrea Roth-Rein, Präsidentin des Frauenvereins Schötz und Ruth Bachmann, Sozialvorsteherin im Gemeinderat Schötz für diesen Einblick. Die Fragen wurden per E-Mail beantwortet.

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