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Die Trauer der Frauen in der katholischen Kirche

Als Vorstandsfrau des Frauenbundes St.Gallen-Appenzell war ich zu einer Begegnung mit den Bischöfen in Delémont eingeladen. Ich freute mich darauf, mit den Bischöfen ins Gespräch zu kommen. Mit unserem Bischof Markus Büchel treffen wir Vorstandsfrauen uns jedes Jahr zu einem Essen. Da können wir uns austauschen, von Problemen sprechen und da werden wir ernst genommen.

Nun sollte also ein solcher Austausch mit allen Bischöfen stattfinden. Es ist mir bewusst, dass ein solches Treffen vorbereitet und moderiert werden muss. Aber was im Plenum dann gesprochen wurde, hat in mir ein Unverständnis, eine Wut und nicht zuletzt eine unendliche Traurigkeit ausgelöst.

Als Frau lebe ich ganz bewusst eine Partnerschaft mit meinem Mann, in der wir uns auf gleicher Stufe begegnen. Das heisst, wir arbeiten beide zu Hause, putzen, waschen, kochen. Wer gerade Zeit hat, erledigt die Aufgaben im Haushalt. Wir arbeiten beide auswärts und unterstützen einander, wo es geht. Wir besprechen finanzielle Angelegenheiten gemeinsam. Wir trugen die Erziehung unserer beiden Töchter gemeinsam. 

Unseren beiden Töchtern haben wir von Anfang an vorgelebt, dass Frau und Mann gemeinsam unterwegs sein sollen und dass Frau und Mann sich immer wieder unterstützen und auch optimal ergänzen sollen. Beide Töchter haben auch einen Beruf gewählt, in dem sie mehrheitlich mit Männern zu tun haben, aber das hat sie in keiner Weise abgeschreckt, verunsichert oder verängstigt.

Als Religionspädagogin bin ich jeden Tag herausgefordert, den jungen Menschen ein Menschenbild der Gleichwertigkeit von Frauen und Männern zu vermitteln. Jesus selber ist unser Vorbild, er hat immer wieder auch Frauen bei sich gehabt, sich mit Frauen ausgetauscht und Frauen sehr ernst genommen. Es braucht Frauen und Männer – sie ergänzen sich und sie sollen einander ernst nehmen. Jesus hat Frauen nicht einfach fortgeschickt. Er hat immer wieder Frauen in die Mitte genommen, Frauen entscheidende Rollen zugeteilt und Frauen seine eigene Auferstehung verkünden lassen!

Schülerinnen und Schüler von heute sind es gewohnt, von Anfang an Selbstkompetenz zu üben, sich in ihrer Selbstkompetenz zu verbessern und sich weiterzuentwickeln. Die gegenwärtige Situation in der Kirche hingegen sieht anders aus: Wir Frauen sind nach wie vor nur bis zu einem bestimmten Punkt gefragt, wir Frauen werden eingeschränkt, können vieles aus Kirchensicht nicht. Viele von uns fragen sich immer wieder, ob wir uns diese Form der Ausgrenzung antun wollen.

Was für ein Bild vermitteln wir jungen Menschen, die eine Heimat in der Kirche finden sollten? Ich schäme mich, dass wir nicht weiter sind und ich bin traurig, wenn ich sehe, dass sich in nächster Zeit nichts ändern wird. Der junge Mensch versteht diese Schranken, diese Barrieren, diese Ohnmacht nicht.

Ich träume von einer Kirche, in der Männer und Frauen nach ihren Begabungen und ihren Wünschen arbeiten können. 

Ich träume von einer Kirche, in der das Geschlecht keine Rolle spielt, wenn es um Ämter und Stellen innerhalb der Kirche geht.

Ich träume von einer Kirche, in der wir gemeinsam die Herausforderungen der Zeit annehmen und in der wir für Menschen (Männer und Frauen) eine Heimat schaffen können.    

 

Jacqueline Bollhalder ist Religionspädagogin. Sie engagiert sich als geistliche Begleiterin im Vorstand des Katholischen Frauenbunds St.Gallen - Appenzell.

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Kommentare

20.10.2020 | Margrit Hug-Huber

Liebe Jacqueline
Was Du beschreibst kann ich Satz für Satz nachvollziehen. Mir tut es in der Seele weh, wenn ich sehe , wie tiefgläubige, engagierte Frauen an der Kirche leiden. Ich sehe aber auch viele engagierte Männer welche genauso an der Kirche leiden. Ich bin jeder/jedem Einzelnen dankbar, welche/r trotzdem dabei bleibt und sich immer wieder einbringt und ernst macht mit der Nachfolge Jesu. Auch Bischöfe leiden. Und Papst Franziskus. - Ich habe auch viel gelitten unter Kirchenmännern. Zum Glück gab es aber auch viel Gefreutes.
Warum bin ich trotzdem noch dabei? --- Weil ich das Konzil erlebte und die Freude in der Kirche zu arbeiten erfahren durfte. Und ich vertraue auf einen neuen "Staatsstreich des Heiligen Geistes". Darum bete ich. "Jesus, der mit uns das schwere Kreuz trägt". ER ist mit uns. Geben wir die Hoffnung nicht auf!