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Macht und Teilhabe katholischer Frauen

Es ist guter Brauch, dass sich die Führungsfrauen der deutschsprachigen katholischen Frauenverbände aus Deutschland, Österreich, Südtirol und der Schweiz in regelmäßigem Turnus austauschen. Dabei bestimmen die aktuellen gesellschaftlichen und kirchenpolitischen Themen die inhaltlichen Schwerpunkte. Neben dem wichtigen Austausch kommen wir in diesem Kreis zusammen, um Frauensolidarität zu leben: Wir wollen einander stärken, uns beraten, uns vernetzen. Wir wollen unsere Unterschiede wahrnehmen und unsere Gemeinsamkeiten feiern; Verbundenheit im Konkreten spüren und auch unsere gemeinsame Macht wahrnehmen: Wir sind nicht alleine in unserem Einsatz für Geschlechtergerechtigkeit. 

In der Hoffnung, dass uns all dies auch über den Bildschirm gelingen würde, sind wir am 29. und 30. Januar mit 14 Frauen aus fünf Verbänden digital zusammengekommen. In diesem Jahr hat der Katholische Deutsche Frauenbund e.V. (KDFB), zu dessen Vorstand ich gehöre, zu dem Treffen eingeladen. Wir haben uns entschieden, das Treffen unter das Motto «Macht und Teilhabe» zu stellen. 

Dieses Thema hat uns im KDFB in den letzten Monaten besonders intensiv beschäftigt. Im November 2020 haben wir ein Buch herausgebracht, das mich tief bewegt: «Erzählen als Widerstand. Berichte über spirituellen und sexuellen Missbrauch an erwachsenen Frauen in der katholischen Kirche». In dem Buch kommen 23 Frauen zu Wort, die von Missbrauch berichten, den sie selbst oder aber ihre Angehörigen als Erwachsene im Raum der katholischen Kirche erlebt haben. Es ist ein erschütterndes Buch, das noch einmal aufzeigt, dass das Thema «Macht und Teilhabe» eines der grundlegenden Themen in all unseren Reformbemühungen sein muss. 

Das Bekanntwerden unzähliger Fälle sexuellen Missbrauchs durch Priester in Deutschland hat die Notwendigkeit kirchlicher Reformen unübersehbar gemacht. Vielleicht haben Sie mitbekommen, dass wir in Deutschland aktuell mitten auf dem «Synodalen Weg» sind, einem Gesprächsprozess, der der gemeinsamen Suche nach Antworten auf die gegenwärtige Situation der Kirche dienen soll. Von Seiten derjenigen, die keine Veränderung wollen, wird gelegentlich argumentiert, dass es keinen «deutschen Sonderweg» geben dürfe und auf die Gefahr einer Spaltung verwiesen.

Wie falsch dieses Argument ist, hat auch unser Präsidientreffen gezeigt, denn auch die Verbände aus den anderen Ländern berichteten während unseres Treffens von Reformbemühungen, von Gesprächen und Diskussionen mit Vertretern der Amtskirche. So engagiert sich der Schweizerische Katholische Frauenbund im Prozess «Gemeinsam auf dem Weg zur Erneuerung der Kirche». Das macht mir Mut! Und es zeigt mir: Es bewegt sich etwas. Unsere Verbundenheit über die Ländergrenzen hinaus ist bestärkend. Die diskutierten Themen sind nicht länderspezifisch. 

Es einen uns deutschsprachige katholische Frauenverbände nicht nur unser Glaube und unsere Sprache – uns einen die Anliegen, die Sorgen und Nöte der Frauen, und uns verbindet der Wunsch nach echter Geschlechtergerechtigkeit, auch in unserer Kirche. 

Ich freue mich auf den weiteren Austausch und auf ein Wiedersehen – hoffentlich in Präsenz – im nächsten Jahr, dann in der Schweiz! 

P.S. Auch die Geistliche Beirätin des KDFB, Dorothee Sandherr-Klemp, hat auch einen Beitrag zum Treffen geschrieben. Zum KDFB-Blog

Sabine Slawik
KDFB-Vizepräsidentin

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