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«Man kann mir das Wählen verbieten, aber nicht das Denken!»

Erst vor knapp 50 Jahren erhielten die Schweizer Frauen das Stimm- und Wahlrecht. Wie empfanden Frauen aus unserem Verband diesen Moment? Wie beurteilen sie die heutige Situation? Und was bedeutet politische Teilhabe für ihre Töchter? Diese und andere Fragen stellte Sarah Paciarelli Susanne Felber und ihrer Tochter Linda Grüter.

 

Mutter

Susanne Felber

  • Jahrgang 1955
  • pensionierte Lehrerin und Schulleiterin
  • SKF-Mitglied in der Frauengemeinschaft Meggen
Tochter

Linda Grüter

  • Jahrgang 1987
  • 2010 der reformierten Kirche beigetreten
  • Pfarrerin

Susanne Felber

«Ich kam mir beim ersten Mal stinkwichtig vor»

Als über das Stimm- und Wahlrecht für Frauen abgestimmt wurde, war ich Schülerin im Abschlussjahr. Eine Lehrerin, die dafür war, thematisierte die Abstimmung mit uns in der Klasse. Über das Ergebnis erfuhr ich aus dem Radio. In meinem Elternhaus wurde immer rege diskutiert. Deswegen habe ich das Fehlen des Stimm- und Wahlrechts wohl auch nicht als Manko wahrgenommen. Meine Eltern waren sehr progressiv. Als ich dann das erste Mal im Urnenbüro abstimmen ging, kam ich mir stinkwichtig vor.

«Es liegt auch an der Schweizer Mentalität»

Es ist beschämend, wie spät die Schweiz, die im Herzen Europas liegt, ihre Frauen am politischen Geschehen teilhaben lies. Ich denke, das hat mit den föderalistischen Strukturen zu tun, aber auch mit der Schweizer Mentalität, die sich stets um Konsens bemüht. Bloss niemanden verärgern!

«Ich hoffe, dass wir Interviews wie dieses nicht mehr führen müssen»

Was ich mir für die Zukunft wünsche? Dass es endlich selbstverständlich wird, dass Frauen mitmischen, politisch mitgestalten. Wenn wir Interviews wie diese nicht mehr führen müssen, ist viel erreicht.

«Frauen müssen sich noch immer stärker beweisen»

Der Generation meiner Tochter wünsche ich, dass sie den Mut hat, sich zu engagieren, Themen anpackt und ungeachtet des Geschlechts ihre Ziele erreicht.

 

Linda Grüter

«Jetzt bin ech öpper»

1971 war ich noch lange nicht geboren. In der Schule haben wir einen Film gesehen, in dem Menschen kurz vor der Abstimmung zu ihrer Haltung befragt werden. Einige der schimpfenden Männer sind mir in Erinnerung geblieben. Ebenso die Frauen, die sich damals gegen das Stimm- und Wahlrecht aussprachen. Ich kann nicht verstehen, wie Frauen dagegen sein konnten. Meine Mutter hat auch grossen Wert darauf gelegt, dass ich über diesen Abschnitt der Schweizer Geschichte informiert bin. Für sie gehört das zur Allgemeinbildung. Als ich zum ersten Mal abstimmte, fühlte ich mich richtig erwachsen.

«Zubringerin des Pfarrers oder selbst Pfarrerin werden»

Für mich ist das Recht auf Mitbestimmung selbstverständlich. Ich sehe mich dem solidarischen Handeln verpflichtet. Das vermittle ich als reformierte Pfarrerin auch den Jugendlichen im Kirchenunterricht. Für Mitgestaltung muss es die entsprechenden Rahmenbedingungen geben.  Ich bin eine Frau. Und eine Pfarrerin. Schaut man rüber zu den Katholiken, ist das noch immer undenkbar. Das ist ein Politikum!

«Kind und Job geht, Kind und Karriere ist die Schwierigkeit»

Ich nutze meine Stimme. So werde ich zum Beispiel auf jeden Fall für die Vaterschaftsinitiative stimmen. Ich fände es super, wenn Väter mehr Zeit mit ihren Kindern verbringen könnten und die Mütter dadurch Entlastung erfahren. Vor allem für Frauen sind Kinder noch immer ein Risiko. Einen Job mit Kind zu haben geht schon, aber eine Karriere? Da wird’s dann schwierig.

«Es juckt mich nicht, was die für eine Frise hat!»

Politikerinnen wünsche ich, dass sie nicht mehr an Oberflächlichkeiten gemessen werden, an ihrem Äusseren, ihren Körpern. Warum sprechen wir als Gesellschaft darüber, dass Angela Merkel selten lächelt oder welche Kleidung Simonetta Sommaruga trägt? Ich will, dass Frauen sich nicht überlegen müssen, wie sie sich geben sollen, um sich im politischen Betrieb durchzusetzen. Ich will Politik, die an Inhalten und Kompetenzen gemessen wird.

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