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Neue Väter braucht das Land!

Am 27. September 2020 stimmt die Schweiz über einen zweiwöchigen Vaterschaftsurlaub ab. Die Schweiz ist das europäische Schlusslicht in Bezug auf die Unterstützung junger Eltern, weil sie bislang weder eine gesetzliche bezahlte Elternzeit noch einen Vaterschaftsurlaub kennt. In der Schweiz lebende Väter haben exakt einen einzigen Tag, um abseits beruflicher Verpflichtungen mit ihrer Rolle als Vater vertraut zu werden und die Mütter ihrer Kinder zu unterstützen, zu begleiten und zu entlasten. In diesem Blogbeitrag kommen Männer zu Wort, die den Vaterschaftsurlaub unterstützen.

Thomas Bauer, Leiter Sozialpolitik Travail.Suisse

«Als Vater wird man von der Familie weggeschickt, wenn ein Kind auf die Welt kommt, zurück zur Arbeit, obwohl kurz nach einer Geburt kaum jemand an die Arbeit denken kann.

Es ist ein weiterer kleiner Fortschritt, wenn Väter früh eingebunden werden, Wissen entwickeln im Umgang mit einem Neugeborenen und dadurch eher Betreuungsarbeit übernehmen. Zudem dürfte den Arbeitgebern durch das Wegbleiben das Vaters bei der Arbeit bewusst werden, dass auch der Vater eine Betreuungsaufgabe hat in einer Familie und unter Umständen zu Hause bleiben muss, wenn ein Kind krank ist. Das sind kleine Änderungen, wir sollten ihre Bedeutung aber auch nicht unterschätzen.

Die aktuelle gesetzliche Regelung führt direkt in die klassische Rollenverteilung, auch wenn dies die Eltern vor der Geburt nicht wollten. Viele Eltern leben dadurch nicht, was sie sich vor der Familiengründung vorgenommen haben. Das kann nicht im Sinne einer freiheitlichen Gesellschaft sein.»

Bänz Friedli, Autor und Kabarettist

«Die Frage ist nicht ‹Warum ein Vaterschaftsurlaub?›, sondern: Warum um Himmels willen nicht? Weshalb haben wir nicht längst gesetzlich verankert, dass auch Väter vom allerersten Tag an eine Beziehung zum Neugeborenen aufbauen können?

Denn dass Eltern die Familien- und Berufsarbeit partnerschaftlich aufteilen, ist für mich nicht nur ein Ideal, sondern eine Selbstverständlichkeit. Beide Eltern sind dann ausgeglichener und erfüllter, beide haben sie im Fall von Problemen eine Ansprechperson auf Augenhöhe. Nach den Geburten unserer Kinder nahm ich jeweils drei Monate unbezahlten Urlaub und arbeitete danach Teilzeit weiter, später war ich Vollzeithausmann – und habe es keine Sekunde bereut.

Ich wünschte mir, dass die Schweiz überhaupt eine Familienpolitik hätte, die den Namen verdient. Von Visionen ganz zu schweigen. Eine Gleichstellung der Geschlechter haben wir bei weitem noch nicht erreicht. Die Annahme der Vaterschaftsurlaubsinitiative wäre wenigstens ein Schritt in diese Richtung. Es ist dringend nötig.»

Valentin Kilchmann, Verantwortlicher Betrieb und Kommunikation maenner.ch

«Der Vaterschaftsurlaub ist eine gleichstellungspolitische Notwendigkeit. Erstens wirkt er der ‹Schwangerschaftsstrafe› der Frauen entgegen und zweitens fördert er die weibliche Wiedereingliederung in den Arbeitsmarkt. Beidem liegt zu Grunde, dass die Sorgearbeit rund um das Neugeborene und somit das Jobrisiko Familiengründung fairer zwischen den Geschlechtern augeteilt wird.

Zehn Tage Vaterschaftsurlaub mögen nach wenig klingen – doch sie sind so niederschwellig, dass viele sie nehmen werden. Der Vaterschaftsurlaub ist nicht nur ein kaltes Instrument, er entspricht auch einem echten Bedürfnis unzähliger Väter in der Schweiz. Dem Bedürfnis, von Anfang an aktiv dabei zu sein, mit Herz und Verstand. Und nicht bloss von aussen zuzuschauen – vielleicht mit dem einen oder anderen ‹Papi-Wochenende› – und das Geld heimzubringen.

Junge Väter wollen heute selbstverständlich und hautnah zu ihren Kleinen Sorge tragen. Ende September haben wir die Chance, dies auch im gesellschaftspolitischen Regelwerk der Schweiz abzubilden.»

Tobias Langenegger, Kantonsrat SP Zürich

«Ich unterstütze die Vaterschaftsurlaubsinitiative, weil ich es schlicht absurd finde, dass man in der Schweiz als Vater einen einzigen freien Tag zu Gute hat, wenn das eigene Kind das Licht der Welt erblickt.

Persönlich fand ich es enorm bereichernd, für meine neugeborenen Kinder und meine Partnerin da zu sein und mich ins neue Familiengefühl einleben zu können. Es ist gerade für die Gleichstellung matchentscheidend, dass man zusammen und gleichberechtigt dieses neue Kapitel aufschlägt. Und das geht nur, wenn Mann von Anfang an zusammen Vollzeiteltern und nicht Feierabendpapa ist.

Aus diesem Grund setze ich mich auch für eine Elternzeit ein. Nur so erreichen wir Gleichstellung. Es kann 2020 nicht mehr sein, dass es nach der Geburt automatisch die Frau ist, die erst später wieder in den Arbeitsmarkt eintritt – wenn sie denn überhaupt zurückkehrt. Die Vaterschaftsurlaubsinitiative – auch wenn Urlaub ein komisches Wort ist in diesem Kontext – ist also ein Schritt in die richtige Richtung. Darum sage ich Ja!»

Adrian Wüthrich, Präsident Komitee „Vaterschaftsurlaub jetzt!“ und Präsident Travail.Suisse, SP alt Nationalrat

«Dank dem Vaterschaftsurlaub konnte ich mich um die Nabelpflege unserer Söhne kümmern. Die Hebamme hat mir gezeigt worauf zu achten ist, während meine Frau schlief. In der Badi erzähle ich meinen Jungs manchmal wie es damals war, als der letzte Teil der Nabelschnur sich löste.

Leider haben nicht alle Väter in der Schweiz einen Vaterschaftsurlaub – als einziges Land in Europa haben wir keine gesetzliche Regelung. Die heutigen Väter wollen aber von Beginn Verantwortung übernehmen. Mit dem Vaterschaftsurlaub sollen sie neu zwei Wochen erhalten, um den Start ins Familienleben gemeinsam besser zu bewältigen.

Nach der Geburt brauchen viele Mütter Unterstützung – nicht nur jene 32 Prozent, die per Kaiserschnitt gebären. Auch die Väter müssen ihre Rolle finden, dafür sollen sie Zeit erhalten. Präsente Väter können ihren Partnerinnen den beruflichen Wiedereinstieg erleichtern. Der Vaterschaftsurlaub ist ein kleiner, aber wichtiger Schritt zur Gleichstellung, den wir jetzt machen müssen!»

 

Übrigens – falls die eidgenössische Vorlage in den Abstimmungsunterlagen nicht auffindbar ist – es ist die Vorlage 4, sie heisst «Wollen Sie die Änderung vom 27. September 2019 des Bundesgesetzes über den Erwerbsersatz für Dienstleistende und bei Mutterschaft (Erwerbsersatzgesetz, EOG) annehmen?»

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Kommentare

24.08.2020 | Margrit Hug-Huber

Ja, das hätte ich mir damals gewünscht! Wir hatten uns sehr auf jedes Kind gefreut. Und doch war es nicht einfach, sich in der neuen Rolle zurechtzufinden. Viel Unsicherheit, viele Fragen waren da. Wenn mein Mann nachts aufstand, damit ich auch einmal schlafen konnte, hatte ich ein schlechtes Gewissen, denn er musste ja am Morgen wieder fit vor der Klasse stehen. Die neue Zeit gemeinsam anzugehen wird eine riesige Erleichterung sein und das so zerbrechliche, junge Familienleben um vieles heller, fröhlicher machen. Die Kinder sind die Zukunft unseres Landes. Stehen wir für unsere jungen Familien ein und stimmen JA!