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Solidarität trotz Distanz

Kinderzeichnung eines asylsuchenden Kindes im einem Schweizer Bundesasylzentrum

 

Zivilgesellschaftliches Engagement im Asylbereich in Zeiten von Corona

Aktivitäten von Freiwilligen kommen im Asylbereich eine sehr wichtige Rolle zu. Zivilgesellschaftliches Engagement bietet menschliche Begegnungen, Beschäftigung, kleine Momente der ‹Normalität› ausserhalb des fremdbestimmten Asylprozesses sowie juristische Unterstützung. Dadurch leisten Freiwillige einen wesentlichen Beitrag zur Gesundheit der Geflüchteten, zur Gewaltprävention, zur Integration und zur Rechtsstaatlichkeit der Asylverfahren. 

Aufgrund der rapiden Verbreitung des Corona-Virus mussten Freiwillige in und um Asyl- sowie Notunterkünfte ihr übliches Engagement vorübergehend einstellen – für viele ein schwieriger Schritt.

Gesundheitsschutz – für alle?

Die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte von 1948 hält in Artikel 25 fest: «Jeder hat das Recht auf einen Lebensstandard, der seine und seiner Familie Gesundheit und Wohl gewährleistet…». In einem Rechtsstaat muss also die Gesundheit aller Menschen geschützt werden, unabhängig vom Aufenthaltsstatus.

Das Staatssekretariat für Migration SEM und verschiedene kantonale Behörden haben seit Ausbruch der Pandemie wiederholt versichert, die Empfehlungen des Bundesamts für Gesundheit BAG würden in den Asylunterkünften umgesetzt. Im Widerspruch zu diesen offiziellen Beteuerungen gelangten in den vergangenen Wochen Videos und Berichte an die Öffentlichkeit, welche auf gravierende hygienische Mängel und engste Platzverhältnisse hinwiesen, beispielsweise im SRF-Beitrag Rundschau vom 1. April. Obwohl diverse Organisationen – unter anderem die ZiAB mit einem offenen Brief an den Bundesrat – die Sistierung der Asylverfahren forderten, werden weiter Anhörungen durchgeführt und Asylsuchende von Zentrum zu Zentrum transferiert. Das Ansteckungsrisiko wird dabei in Kauf genommen. 

Physische Distanz – soziale Solidarität

Politische Empörung und physische Distanz haben der Solidarität von Freiwilligengruppen mit den Geflüchteten aber keinen Abbruch getan, im Gegenteil. Die Zusammenarbeit mit Medienschaffenden wurde intensiviert und verschiedene freiwillige und professionelle Akteur*innen haben sich effizient über Regionen hinweg vernetzt, um sich für einen besseren Schutz der asylsuchenden Personen einzusetzen. 

Wo Behörden und Betreuungsorganisationen ihren Verpflichtungen nicht nachkamen, sind vielerorts Freiwillige eingesprungen. So fehlte es beispielsweise im Kanton Zürich in verschiedenen Zentren an Seife und Desinfektionsmittel. Bewohner*innen und Mitarbeitende wandten sich hilfesuchend an Freiwilligenorganisationen, welche die dringend benötigten Utensilien organisierten und bei den Unterkünften verteilten. Zivilgesellschaftlich organisierte Sprachkurse wurden in der Regel nicht annulliert, sondern so gut es ging auf Distanz mit digitalen Hilfsmitteln und per Post weitergeführt. Die unabhängigen Rechtsberatungsstellen stehen den Geflüchteten telefonisch weiter zur Verfügung, und diverse Freiwilligengruppen bekunden durch kleinere und grössere Aktionen ihre Solidarität mit den Bewohner*innen von Asyl- und Notunterkünften. So durften beispielsweise trotz logistischer Herausforderung die Asylsuchenden eines abgelegenen Zentrums an einem heissen Frühlingstag ein Eis geniessen und die Frauen erhielten am Muttertag ein kleines Geschenk. 

Die vielen verschiedenen Akte der Solidarität sind wichtig und kommen an, wie der Bericht eines Bewohners der Notunterkunft NUK Urdorf mit dem Titel ‹Corona & Glück› zeigt: 

«Vielleicht denkt ihr, dass Corona & Glück nicht zusammen passen, weil eine Millionen Leute in der Welt angesteckt wurden und mehr als 55 tausend Leute gestorben sind. Ja, das ist gar kein Glück. Aber bei Migranten in den NUK hat die Corona-Krise auch Vorteile. Seit der Corona-Krise sind viele Hilfsorganisationen und private Leute gekommen in die NUK und helfen. Sie bringen für die Migranten die Desinfektionsmaterialien, Kleider und Essen. Fast jeden Tag gibt es einen Bericht über die NUK im Fernsehen und in den Zeitungen. So bekommt die Bevölkerung Informationen über die Migranten, die in einer schwierigen Situation leben.»

Laura Tommila ist Geschäftsleiterin der ZiAB

Die ZiAB «Zivilgesellschaft in Asyl-Bundeszentren» setzt sich seit der Gründung im Jahr 2015 für zivilgesellschaftliches Engagement in und um Bundesasylzentren sowie für eine grund- und menschenrechtskonforme Unterbringung ein.

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