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Sternenkinder

Sie haben den Himmel erreicht, bevor sie das Licht der Welt erblicken. Sie werden auch Schmetterlingskinder und Engelskinder genannt, jene Kinder, die viel zu früh gestorben sind, jene, die im offiziellen Sprachgebrauch Fehl- oder Totgeburt heissen oder die kurz nach der Geburt – oft als Frühgeburt – sterben.

Tabuthema Fehlgeburt und Totgeburt

Die Theologin Li Hangartner, welche vor rund zehn Jahren im Rahmen der Frauenkirche Zentralschweiz eine jährliche Feier zum Gedenken an früh verstorbene Kinder initiiert hat, stellt fest: «Es kommen immer auch ältere Frauen zur Feier, die in jungen Jahren ein Kind verloren haben, welches sie nie öffentlich betrauern konnten». Leider ist es noch immer so, dass betroffene Eltern kaum über den Verlust reden können, weil tote Babys ein Tabu sind, weil zu viele Menschen weghören und sich nicht zu fragen getrauen. Dabei täte es den verwaisten Eltern so gut, das Tabu zu brechen, die Betroffenheit anderer zu spüren und den eigenen grossen Schmerz zeigen zu dürfen.

Unterstützung für Eltern in den Spitälern

Die Hebammen und die Seelsorgenden in den Spitälern haben die schwierige Situation, in welcher sich Eltern befinden, die während der Schwangerschaft oder kurz nach der Geburt ein Kind verlieren, erkannt und entsprechend gehandelt. Sehr viele Spitäler bieten Rituale an: Gleich nach dem Tod des Kindes oder beispielsweise monatliche Bestattungsfeiern. Überall sind diese Rituale ökumenisch gestaltet und ermöglichen Menschen aus anderen Kulturen und Religionen die Teilnahme.

Die Spitäler geben auch Unterlagen mit Informationen darüber ab, wo weiterführende Unterstützung erhältlich ist. Auf Anregung aufmerksamer SeelsorgerInnen gibt es spezielle Gedenk- oder Grabstätten auf Friedhöfen in der ganzen Schweiz.

Trauernde Eltern ernst nehmen

Doch gesamtgesellschaftlich liegt noch vieles im Argen: Trauer hat wenig Platz in unserer Leistungsgesellschaft. Wie gehen wir am Arbeitsplatz um mit einer Mutter, die ein Kind verloren hat? Sprechen wir einen Vater im Sporttraining an, wenn er nicht von einer glücklichen Geburt zu erzählen hat? Wie geht es einer jungen Gotte, welche ihr Patenkind nie gesehen hat? Als Nachbarn, Freundinnen, Arbeitskolleginnen oder Verwandte haben wir viele Möglichkeiten, die trauernden Familien zu unterstützen. Ein ehrliches Nachfragen, wie es geht, kann schon Wunder wirken. Vielleicht dient auch eine praktische Hilfe, damit genug Raum und Zeit bleibt zum Trauern. Fachpersonen ermutigen Angehörige, ihr Kind wenn möglich noch kennenzulernen, es in den Armen zu halten, mit ihm zu sprechen, Fotos zu machen. Es gibt Familien, die ihr totes Kind nach Hause nehmen, damit auch ein weiteres Umfeld wie Grosseltern, Geschwister, Nachbarinnen oder Paten Abschied nehmen können. Die Erinnerungen an diese – wenn auch kurzen – Momente helfen im Trauerprozess.

Trauerseelsorge am Wohnort

Auch für die Seelsorge des Wohnortes gibt es Möglichkeiten, die trauernden Eltern zu unterstützen – wenn man denn von der Situation weiss. Bei einem Hausbesuch können die Seelsorgerin oder der Seelsorger mit den trauernden Eltern zusammen überlegen, welches Ritual dem Abschied dienlich wäre. Obwohl eine Taufe nicht möglich ist, könnte das Kind gesegnet werden, zusammen mit jenen Angehörigen, welche die Familie sonst zu einer Taufe einladen würde. In einer Kinderfeier könnte des verstorbenen Kindes gedacht werden, wenn noch ältere Geschwister da sind. Und natürlich gibt es bei grösseren Sternenkindern auch die Möglichkeit einer regulären Bestattung auf dem Friedhof des Wohnortes. Vielleicht würde es die Eltern freuen, wenn ihr Kind im grossen Taufbuch der Pfarrei aufgeführt würde (hier müsste einfach der Vermerk «Segnung» gemacht werden). Viele Pfarreien haben eine Form gefunden, an Allerheiligen all jener Kinder zu gedenken, die das Licht dieser Welt nie erblickt haben.

 

Es geschieht

dass eine Seele 

die Erde nur streift.

Ihr Ankommen und Gehen

fallen in eins.

Ihr kurzes Verweilen

ist nicht umsonst,

denn sie verändert die Erde.

Sie hinterlässt Spuren

in den Herzen derer,

die sie erwartet haben.

Mögen diese Spuren

in die Zukunft führen.

Doris Keller

Schmerz und Ängste thematisieren

Trauernde Eltern befinden sich oft in einer schwierigen psychischen Situation. Da der Tod während einer Schwangerschaft meist überraschend kommt, ist es ein Schock für sie. In ihrer Verzweiflung reagieren viele mit Schuldgefühlen, Vorwürfen, Aggressionen oder Versagensängsten, die sich nach innen oder nach aussen richten können. Die intensive und lange anhaltende Trauer wird von der Umgebung entweder gar nicht wahrgenommen oder nicht gewürdigt. Unterstützung finden sie am ehesten bei Menschen, die ebenfalls ein Kind verloren und die Trauer überwunden haben. Die Fachstelle Kindsverlust vermittelt auch Fachpersonen an betroffene Eltern.

Rituale helfen den Schmerz zu heilen

Li Hangartner, welche die jährliche Feier «Sammle meine Tränen» in Luzern mitgestaltet, ist überzeugt, dass öffentliche Feiern wichtig sind für die trauernden Angehörigen: «Wir gestalten die Feier sehr schlicht: Die Eltern schreiben den Namen ihres Kindes in ein Buch und wir lesen sie im Verlaufe der Feier vor. Wir entzünden für jedes Sternenkind eine Kerze, die anschliessend mit nach Hause genommen werden kann, die Musik trägt durch die Feier und es werden möglichst alle Sinne angesprochen. Es kommen auch Hebammen zur Feier, weil auch sie schwierige Situationen verarbeiten müssen».

Weihnachten als Zeichen der Hoffnung

Am «Worldwide Candle Lighting Day» werden für die Sternenkinder Kerzen entzündet als Zeichen der Verbundenheit und der Hoffnung. Mitten in der winterlichen Finsternis scheinen Lichter auf. Genau wie an Weihnachten – denn jedes Kind, das geboren wird, ist ein Zeichen der Hoffnung. Damit zu leben, dass die Hoffnung auf ein Kind ein zu frühes Ende genommen hat, ist äusserst schmerzhaft. Trotzdem wieder in das Leben zurückzufinden und neu zu hoffen, dazu lädt Weihnachten ein.

Weiterführende Informationen:

www.kindsverlust.ch

www.engelskinder.ch

www.herzensbilder.ch

www.sternenkinder-eltern.ch

www.verein-regenbogen.ch

www.mein-sternenkind.ch

www.familientrauerbegleitung.ch

 

Buchhinweis

Clara Moser Brassel und Detlev Hecking: Wenn Geburt und Tod zusammenfallen. Ökumenische Arbeitshilfe für Seelsorgerinnen und Seelsorger bei Fehlgeburt und perinatalem Kindstod.

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