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Was gibt mir Halt?

Gestern Abend habe ich mit meiner Freundin telefoniert. Ohne wichtigen Grund, einfach um wieder einmal nachzufragen, wie es geht. Telefonieren tun wir sonst selten miteinander.

Wie jedes Jahr freue ich mich riesig über den blühenden Schwarzdorn in unserem Garten, auch darüber, dass die Schildkröten letzte Woche aus dem Winterschlaf erwacht sind. Jedenfalls drei von den vieren. Wir hoffen und vertrauen darauf, dass sich auch die Vierte durch die Erde hinauf an die Sonne graben wird.

Heute Morgen habe ich vor dem Aufstehen meinen Partner unter der Decke umarmt und seine Wärme genossen. Kuschelnd wurde mir klar, was mir Halt gibt in dieser aktuellen Krisensituation: Es sind die Beziehungen. 

Die Beziehungen zu meinen Liebsten, den erwachsenen Kindern, die sich Sorgen machen um mich, weil ich zur Risikogruppe gehöre. Zu meinem Partner, mit dem ich momentan viel zuhause bin, weil wir beide im Homeoffice arbeiten. Wir müssen uns immer wieder absprechen, wer nun was macht im Haushalt oder die Telefonanrufe entgegennimmt – und vieles läuft einfach so, weil wir ein eingespieltes Team sind.

Die Beziehungen zu meinen Freundinnen, die eigentlich nicht intensiver sind als sonst. Aber ich fühle eine andere Verbundenheit. Halt und Stärkung erfahre ich immer auch in der Natur. Das ist auch eine Beziehung, denn ich nehme mich als Teil der Schöpfung wahr. Ich bin den Schildkröten genau so verbunden wie den Vögeln, die jetzt wieder ihr Morgenlied singen. Und dem Schwarzdorn, der kräftig gegen die kalte Biese anblüht.

Die amerikanische Theologin Carter Heyward hat anfangs der 80er-Jahre ein Buch veröffentlicht mit dem Titel «Und sie rührte sein Kleid an. Eine feministische Theologie der Beziehung». Es ist eines meiner theologischen Lieblingsbücher.

Gerade jetzt, da wir durch einen kleinen, aggressiven Virus als Einzelne und als Gesellschaft durchgeschüttelt werden, denke ich wieder daran. Carter Heyward hat die These entworfen, dass das Göttliche in Beziehungen geschieht. Gottes Liebe zeigt sich in der Verbundenheit allen Seins. Dieses Werden Gottes ist für sie eine Tätigkeit, im Englischen nennt sie es «to god», eine Verb-Wortschöpfung von ihr. Ich übersetze dies für mich: Gott geschieht in den Beziehungen. Gottes Lebenskraft wird in der Verbundenheit unter den Menschen und in der Verbundenheit mit der Natur spürbar, wird zu einer Quelle, die uns nährt und Halt gibt.

Gott ist nicht weit weg im Himmel, sondern ganz nah. In uns, zwischen uns, verbindend. Von uns braucht es die Offenheit, dieses göttliche Wirken zu entdecken, zu schätzen und dazu Sorge zu tragen. Es braucht auch unseren Beitrag, unser Tun, damit dieses Göttliche geschieht. Wir sind es, die das Tätigkeitswort «to god» Wirklichkeit werden lassen können. 

Ich werde heute Abend eine andere Freundin anrufen. Einfach so, um nachzufragen, wie es geht.

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Kommentare

09.04.2020 | Susi

Geisteskraft

Wir staunen über das vielfältige Erwachen der Natur jetzt zu Ostern. Wir danken für das Engagement und die Liebe, mit der die Geistkraft uns umsorgt und unser Leben bereichert.
Sie verbindet uns Menschen wohltuend miteinander.

Und nicht zu vergessen:
An Ostern im Frühlingserwachen leuchtet über alles die Sonne der Auferstehung - das Grab ist leer. Jesus Christus, der Sohn Gottes ist nach den Qualen und Tod am Kreuz fpr uns gelitten, von den Toten auferstanden. ER lebt. Halleluja!



Ich persönlich bete zu Gott, wie es sein Sohn, Jesus Christus, die Apostel gelehrt hat: Vater, unser im Himmel,.... . ER hat Gott mit Vater, nicht mit Mutter oder Ewige angeredet.