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Wo ein Wille, ist auch ein Weg

Wenn man etwas ernsthaft will, findet man auch eine Möglichkeit, es zu erreichen. So zumindest besagt es ein geflügeltes Wort. Ob die Bischöfe willens sind, dem Dialog mit den Frauen auch konkrete Schritte folgen zu lassen, ist noch offen.

Mein Weg führte mich Mitte September zum Treffen des Schweizerischen Katholischen Frauenbundes SKF mit der Bischofskonferenz SBK nach Délémont JU. Ich war voller Hoffnung, denn die Einladung der Bischofskonferenz an die Frauen signalisierte, dass die Bischöfe den Weg der Erneuerung der Kirche mit den Frauen gehen wollen. Gleichzeitig war ich neugierig.

  • Wie würden die Gespräche verlaufen?
  • Wie präsentieren sich die Bischöfe?
  • Und: was können wir gemeinsam erreichen?

Positive Haltung und klare Forderungen der Frauen

Gespannt war ich auch auf die anderen Frauen in der Delegation des SKF und des Frauenrats der Bischofskonferenz.
Ich lernte eine ganze Reihe von Frauen kennen,

  • die mit beiden Füssen auf dem Boden stehen,
  • die sich kritisch mit ihrer Rolle als Frau auseinandersetzen
  • und die mit einer positiven Haltung und klaren Forderungen in die Gespräche gingen.

Eine offene und positive Haltung habe ich auch überwiegend bei den Bischöfen wahrgenommen. Sie haben ihre Position erklärt und wir konnten unsere Anliegen platzieren.

Ermüdende Redundanz der Bischöfe

Ermüdend war allerdings, wenn Bischöfe seit Jahren gängige und mehrfach widerlegte Argumente wiederholten wie «Wir können in der Schweiz keinen Sonderweg fahren, wir sind doch eine Weltkirche». Ja, einverstanden - aber das Thema Frauen in der Kirche ist ein weltweites Thema und nicht auf die Schweiz beschränkt. Frauen auf der ganzen Welt fordern gleiche Würde und gleiche Rechte. Auch Themen wie sexueller Missbrauch und Machtmissbrauch existieren rund um den Erdball, und da liesse sich noch so manch anderes Thema ergänzen. Strukturelle Probleme sind nicht mit einem Sonderweg zu lösen, aber eine Rolle als Vorreiterin ist der Schweiz immer schon gut angestanden.

Angst vor Veränderungen

Persönlich am schwersten nachvollziehen kann ich die Angst vor Veränderung, die auch bei diesem Treffen spürbar war. Es mutet geradezu so an, als ob einige Bischöfe befürchten, dass, wenn nur ein Jota am Kirchenrecht geändert würde, wir nicht mehr katholisch wären. Dabei ist die Geschichte unserer Kirche eine Geschichte der Veränderung! Vieles was wir heute als unumstösslich betrachten, ist erst im Laufe der Jahrhunderte im Kirchenrecht festgelegt und auch angepasst worden. Warum sollte das Kirchenrecht nicht weiterentwickelt werden, wenn es die Umstände erfordern? Wie soll sich die Kirche erneuern, wenn alles so bleiben muss wie es war?

Kleine Schrittchen sind noch keine Veränderung

Sind wir nun einen Schritt weiter zu einer geschwisterlichen Kirche? Ich empfinde es als Schrittchen. Einige Bischöfe sind mit uns auf dem Weg, sie nutzen ihre Freiheiten und die Ausnahmeregelungen im Kirchenrecht und übertragen Frauen Verantwortung: zum Beispiel bei den Finanzen, in der Kanzlei, im Pastoralamt und vor allem in den Gemeindeleitungen. Das sind gute Zeichen, aber noch keine wirkliche Veränderung.

Vision einer geschwisterlichen Kirche

Der Vision einer geschwisterlichen Kirche nähern wir uns erst,

  • wenn die Mitwirkung von Frauen nicht mehr nur von Ausnahmeregelungen oder dem guten Willen eines Bischofs abhängig ist, sondern Normalfall sind.
  • wenn es normal ist, dass Frauen Verantwortung übernehmen und Teilhabe an der Mitgestaltung unserer Kirche haben.

Für ein nächstes Treffen mit den Bischöfen wünsche ich mir, dass konkrete Schritte vereinbart werden, wie Frauen mehr in die Mitgestaltung der Kirche eingebunden werden können. Bleiben wir im Dialog mit den Männern, die guten Willens sind, denn wo ein Wille ist, ist auch ein Weg zu mehr Gleichberechtigung.Punkt.Amen.

 

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Angelika Hecht ist Vizepräsidentin des kantonalen Seelsorgerates und Vorstandsfrau im Katholischen Frauenbund Zürich.

Dieser Blog ist erstmalig erschienen auf der Website der Katholischen Kirche im Kanton Zürich.

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