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«Work-Life-Balance» – auch im Verein

Lange Zeit gehörte es hierzulande zum guten Ton, im Freundeskreis die vielen Verpflichtungen aufzuzählen, denen man nachzugehen habe. Heutzutage beschreibt man seinem Umfeld viel lieber, was man alles tut oder lässt, damit die «Work-Life-Balance» stimmt. Dass in dieser Gleichung bisher die Vereinsarbeit und das Vereinsleben ausgeklammert wurde, stimmt mich nachdenklich. Hat das freiwillige Engagement in einem Verein oder in einer Organisation tatsächlich keinen Platz, um dennoch ausgeglichen im Leben zu stehen?

Ein möglicher Lösungsweg bietet sich an, wenn die Gleichung erweitert wird: «Work» meint dann nicht bloss das Erledigen von bezahlten oder unumgänglichen Aufgaben, wie etwa die Kinderbetreuung oder die Haushaltsführung. Als Arbeit können so auch die übernommenen «Ämtli» im Verein bezeichnet werden. Dasselbe gilt für «Life», welches neben der privaten und individuellen Zeitgestaltung auch das Vereinsleben einschliesst und als Ausgleich zu jeglicher Arbeit gesehen und geschätzt werden kann. Sich kollektiv eine Auszeit zu nehmen von den spontanen und routinemässigen Aufgaben – ist das genauso erholsam und ausgleichend, wie sich selbst was Gutes zu tun? In meinen Augen ist das oftmals so. Nicht selten tritt das «Hier und Jetzt» für eine Weile in den Hintergrund, wenn man sich nach getaner Vereinsarbeit noch etwas zusammensetzt oder zusammensteht und über dies und das berichten kann. Ein Vereinsausflug oder der monatliche «Höck» kann in der Gleichung demnach unter «Life» abgebucht werden, nicht unter «Work».

Damit diese (erweiterte) Gleichung auch künftig aufgeht, darf die Vereinsarbeit nicht Überhand gewinnen und dem Vereinsleben keinen Platz mehr lassen. Geben wir der «Work-Life-Balance» innerhalb des Vereins deshalb denselben Stellenwert, wie auf persönlicher Ebene. Indem wir unserem Umfeld ausserhalb des Vereins ebenfalls erzählen, dass wir das aktiv angehen – dies könnte die eine oder andere Frau wieder für das Vereinsleben motivieren, die sich nur noch mit der Vereinsarbeit konfrontiert sah. Bisherige «Nicht-Vereinsfrauen» gewinnen wir so möglicherweise zumindest für ein Schnuppern, wenn die Arbeit nicht kaschiert, das Vereinsleben jedoch als durchaus positiven Ausgleich beworben wird.

Unterstützung erhoffe ich mir dabei auch vom Umfeld der Menschen, die in Vereinen aktiv sind; denn Vereinsarbeit (und unbezahlte Haus-, Betreuungs- und Freiwilligenarbeit generell) soll genauso an- und erkannt werden, wie es bezahlte Arbeit bereits wird. Jede:r Einzelne:r von uns kann dazu beitragen, indem die Vereinsaktivität als Ausgleich, als Bereicherung gewürdigt wird. Nicht als Konkurrenz zu bezahlter Arbeit und genauso wenig als Minusposten auf dem «Life»-Zeitkonto. Stimmt die Balance beim Vereinsengagement, trägt sie dazu bei, dass das persönliche Gleichgewicht ebenfalls nicht ins Schwanken gerät. Da besteht auch auf politischer Ebene noch viel Spielraum – doch ob wir die Balance finden und halten können hängt nicht zuletzt von unser aller Einstellung ab.

 

Fabienne Roos ist SKF-Vorstandsmitglied und Masterstudentin «Changing Societies» an der Uni Basel.

Titelbild: wal_172619 auf Pixabay

 

 

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