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Offener Brief an die Glaubenskongregation der katholischen Kirche

Im Namen von rund einer Million Frauen, die in den deutschsprachigen katholischen Frauenverbänden organisiert sind, fordern die Vorsitzenden dieser Verbände aus Deutschland, Österreich, Südtirol und der Schweiz die Glaubenskongregation der katholischen Kirche dazu auf, homosexuelle Paare nicht weiter vom Segen der Kirche auszuschließen, d.h. das am 15. März 2021 neuerlich ausgesprochene Verbot einer Segnung aufzuheben.

Wien/Bozen/Düsseldorf/Köln/Luzern, 31. März 2021  

Der Auftrag der Kirche, als Heilszeichen in der Welt wirksam zu sein, bedeutet, sich gegen Homophobie zu wenden und sich für Geschlechtergerechtigkeit, auch auf Grundlage der Humanwissenschaften, einzusetzen. Diese werfen ein neues Licht auf den Schöpfungsplan Gottes.

Die Verbände fordern weiter eine Erneuerung der Sexual- und Beziehungsethik der katholischen Kirche. Es braucht die Anerkennung der Lebenswirklichkeit von Menschen in gleichgeschlechtlichen Beziehungen und die Vielfalt des Menschenseins in Gottes guter Schöpfung, welche nicht auf Frauen und Männer reduzierbar ist.

Die Frauenverbände rufen die VerantwortungsträgerInnen in der kirchlichen Hierarchie dazu auf, mit dem Kirchenvolk in seiner ganzen Breite und Vielfalt in einen offenen Dialog über eine Reform der kirchlichen Lehre zu treten, die sich an der Liebe Gottes zu dem ihm ebenbildlichen Menschen orientiert, und diesen Dialog auf allen Ebenen voranzutreiben. 

Die deutschsprachigen katholischen Frauenverbände halten fest:

  • Auftrag der Kirche ist es, die Liebe Gottes in der Welt sichtbar zu machen und heilbringend für die Menschen zu wirken. Vom Segen, in dem die Liebe Gottes sicht- und spürbar zugesagt wird, kann niemand ausgeschlossen werden.
  • Gottes Liebe ist allen Menschen zugesagt, unabhängig von ihrer sexuellen Ausrichtung. Sie diskriminiert nicht. Sie (ver-)urteilt nicht.
  • Sexualität ist Teil von Gottes guter Schöpfung. Verantwortete sexuelle Liebesbeziehungen können nicht auf die Ehe reduziert werden.
  • Jede auf Dauer, in Liebe, Sorge und Verantwortung füreinander angelegte Beziehung kann Kindern den für ihr Leben und Heranwachsen notwendigen Raum und Schutz bieten.
  • Die Kirche soll in ihren Heilsraum einladen und nicht ausgrenzen. Wo sie Menschen ausgrenzt, stellt sie ihre Glaubwürdigkeit infrage und diskreditiert jene Glaubenden, die sich zu ihr bekennen und mit ihrer Arbeit und ihrem Leben Zeugnis ablegen.

Die Frauen in den deutschsprachigen katholischen Frauenverbänden erklären sich solidarisch mit allen, die sich für Respekt und Gerechtigkeit gegenüber gleichgeschlechtlich liebenden Menschen engagieren und in diesem Sinn für eine Weiterentwicklung von Sexual- und Beziehungsethik eintreten.

 

Angelika Ritter-Grepl, Vorsitzende der Katholischen Frauenbewegung Österreichs (kfbö)

Irene Vieider, Vorsitzende der Katholischen Frauenbewegung Südtirol (kfb)

Mechthild Heil, Bundesvorsitzende der Katholischen Frauengemeinschaft Deutschlands (kfd)

Maria Flachsbarth, Präsidentin des Katholischen Deutschen Frauenbunds (KDFB)

Simone Curau-Aepli, Präsidentin des Schweizerischen Katholischen Frauenbunds (SKF)

 

Kontakt für Medienanfragen

Elisabeth Ohnemus
Pressereferentin Katholische Frauenbewegung Österreichs
Spiegelgasse 3/2/7 ∙ 1010 Wien
elisabeth.ohnemus@kfb.at

Ein Entscheid gegen die Liebe als Gottesgeschenk

Der Schweizerische Katholische Frauenbund lehnt die Haltung aus Rom entschieden ab. Auch gleichgeschlechtliche Paare sollten die Möglichkeit haben, ihre Beziehung segnen zu lassen. Mit dem jüngsten Entscheid, homosexuellen Paaren auch weiterhin den Segen zu verweigern, hat sich die katholische Kirche gegen die Liebe und für die Ausgrenzung entschieden, gab der SKF in einer Medienmitteilung bekannt.