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SKF zu den Missbrauchsskandalen in der katholischen Kirche

Missbrauch von Kindern und Jugendlichen in der katholischen Kirche – das Thema wirft zurzeit hohe Wellen, nachdem Berichte aus Australien, Irland und Pennsylvania erschienen sind und eine deutsche Studie Fälle von sexueller Gewalt aus den letzten 70 Jahren auflistet.

Ein weiteres, lange unter dem Deckel gehaltenes Thema verlässt die Tabuzone: der Missbrauch an Ordensfrauen in Europa und weltweit. Ein aktueller Fall in Indien lässt erahnen, was in dieser Beziehung noch auf uns zukommen wird.

Unter Ausschluss der Frauen

Der Missbrauch von Macht in diesem Ausmass ist nur möglich in einem geschlossenen System, in dem Menschen mit grosser Macht ausgestattet sind, ohne externe Kontrolle und in der Leitungsverantwortung unter Ausschluss der Frauen. Das Patriarchat in der katholischen Kirche ist eine der Ursachen für die Verbrechen und ihre Vertuschung.

Das Machtgefälle zwischen kirchlichen Würdenträgern und dem Kirchenvolk betrifft den Schweizerischen Katholischen Frauenbund auf allen Ebenen, vom Dachverband über die Kantonalverbände bis zu den 680 Frauenvereinen, die sich in den Kirchgemeinden engagieren. Kein Wunder, haben Frauenvereine Mühe damit, das «katholisch» in ihrem Namen zu führen. Was jetzt ans Licht kommt – und eigentlich nur im Ausmass überrascht – wird sie in ihren Vorbehalten bestärken. Die Glaubwürdigkeit der katholischen Kirche ist weiter geschwunden.

Wir begrüssen die öffentliche Diskussion

Einmal mehr bricht dieses System auf, verliert die Kurie die Kontrolle, kann sie die Verbrechen nicht mehr verschweigen und vertuschen. Wir begrüssen die öffentliche Diskussion über die Missbrauchsfälle ausdrücklich. Jetzt gerät die katholische Sexualmoral gewaltig unter Druck, diese «heilige Ordnung», in deren Namen am Pflichtzölibat festgehalten wird, geschiedene Wiederverheiratete von der Eucharistie ausgeschlossen, Verhütungsmittel verboten werden und Frauen seit dem Sündenfall im Paradies unter Generalverdacht stehen.

Wir begrüssen, dass jetzt offen auf dem Tisch liegt, was seit Jahren vermutet wurde und verlangen tiefgreifende Veränderungen der römisch-katholischen Kirche.

Bischofskonferenz: Männer bleiben unter sich

Im Februar 2019 findet die weltweite Bischofskonferenz zum Thema Kinderschutz statt. Aber kann eine Institution, in der Missbrauch passierte und vertuscht wurde, diese Fälle selbst aufarbeiten? Aus Sicht des SKF besonders stossend ist zudem einmal mehr, dass die Männer unter sich bleiben an dieser Konferenz und unter Ausschluss der Frauen über die Zukunft der Kirche entscheiden.

Wir erwarten mehr als die Bitte um Verzeihung. Wir erwarten, dass konkrete Projekte und Prozesse angestossen werden für ein neues Verständnis des Priestertums, zur Gleichberechtigung der Frauen und zur Machtverteilung in der Kirche. Damit die Institution Kirche wieder mehr zu dem werden kann, wozu sie vom Evangelium her berufen ist.

Kontakt:

Simone Curau-Aepli, SKF-Präsidentin, 071 622 37 69, 076 430 37 69, simone.curau@frauenbund.ch

Kathrin Winzeler, Kommunikation, 041 226 02 26, 078 715 09 62, kathrin.winzeler@frauenbund.ch