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Zu Ross zur Auffahrt
  • Foto: Otto Emmenegger
  • Foto: Otto Emmenegger

Für welche Kirche gehen wir?

Bei der diesjährigen 499. Sempacher Umrittsprozession am 30. Mai trat SKF-Präsidentin Simone Curau-Aepli als Festpredigerin auf.

Der Auffahrtsumritt Sempach ist ein religiöser Brauch mit einer 500 Jahre alten Tradition. Im Kanton Luzern wird dieser in vielen Gemeinden gepflegt. Es war der Wunsch der Pfarreileitung, dass 2019 eine Frau die Predigt hält an diesem geschichtsträchtigen Anlass und lud SKF-Präsidentin Simone Curau-Aepli als Festpredigerin ein. Mit ihrer Prozessionspredigt «Wofür gehe ich?» teilte Simone Curau-Aepli ihre Vision von einer glaubwürdigen und gerechten Kirche für alle.

Was ist es, was Menschen dazu bringt, sich gemeinsam auf den Weg zu machen, gemeinsam zu singen, zu beten und zu bitten, fragte Simone Curau-Aepli die vielen mitreitenden und mitlaufenden Menschen der Auffahrtsprozession. Sie selbst machte den Anfang.

"Ich gehe heute für unsere Kirche. Für eine Kirche, die auf der frohmachenden Botschaft von Jesus von Nazareth gründet, der den Menschen zugewandt war, der nie die Gesetze über die Würde der Menschen gestellt hat, der alle mit Hoffnung angesteckt hat und sich mit den Menschen am Rand solidarisiert hat. 

Ich gehe für eine Kirche, die sich für «ein gutes Leben für alle» einsetzt und die Ungerechtigkeiten beim Namen nennt. Die protestiert, wenn Gier und Profit über den Bedürfnissen nach einem menschenwürdigen Leben stehen.

Ich gehe heute auch für jene Kirche, die es bis heute nicht geschafft hat, die Gleichwertigkeit und damit die Gleichberechtigung von Frauen und Männern anzuerkennen. Die uns Frauen allein auf Grund unseres Geschlechts als nicht würdig erachtet, ein Weiheamt zu übernehmen und damit die Möglichkeit verwehrt, über wesentliche Themen der Kirche mitzudiskutieren und zu entscheiden.

Ich gehe für die Kirche, die fähige und gläubige Frauen und Männer von Aufgaben und Sakramenten ausschliesst, weil sie in Lebens- und Liebesbeziehungen leben, die nicht der ewig gestrigen Sexualmoral entsprechen – Homosexuelle, wiederverheiratete Geschiedene, Priester in Liebesbeziehungen.

Ich gehe auch für jene Kirche, die sich in der grössten Krise seit jener Reformation befindet, die diesen Umritt begründet hat. Eine Kirche, in der der Klerikalismus es ausgewählten Männern ermöglicht, auf dem hohen Ross zu sitzen, der Missbrauch ermöglicht, duldet und vertuscht und damit unzählige Kinder, Jugendliche, Ordensfrauen, Frauen und Männer zu tiefst entwürdigt. 

Und ich gehe für eine Kirche, die sich mit den Jugendlichen solidarisiert, die seit Wochen auf der Strasse für die Bewahrung der Schöpfung demonstrieren, für konkrete Massnahmen gegen den Klimawandel. Eine Kirche, die sich dafür einsetzt, dass die Lebensgrundlagen unserer Kinder und Grosskinder und aller Menschen auf der Erde nicht ausgebeutet und zerstört werden."

Als Präsidentin des SKF steht Simone Curau-Aepli einem Verband vor, dem 130'000 Frauen in rund 600 Ortsvereinen angehören. Frauen, die sich vernetzen und einander stärken, die sich mit ihren Fähigkeiten und Erfahrungen in die Gesellschaft, in die Kirche und in die Politik einbringen. Sie nehmen ehrenamtlich und freiwillig soziale, gemeinnützige und kirchliche Aufgaben wahr, sie übernehmen Verantwortung für «ein gutes Leben für alle», für das Gemeinwohl und damit für eine lebendige Kirche vor Ort und darüber hinaus. "Für all diese Frauen gehe, beziehungsweise reite ich heute auch. Für jede von Ihnen", so Simone Curau-Aepli.