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Amazonassynode

Alter Wein in neuen Schläuchen

Vom 6. bis 27. Oktober fand die Amazonas-Synode statt. Der Reformstau in der Frauenfrage bleibt unverändert.

Unter dem Thema: «Amazonien: neue Wege für die Kirche und eine ganzheitliche Ökologie» kamen die Teilnehmenden der Synode zusammen. Hauptthema war die Zerstörung der Schöpfung Amazonas-Becken und die sozialen Folgen für die dort lebende indigene Bevölkerung.

In seiner Predigt zum Abschluss der Synode verurteilte Papst Franziskus Überlegenheitsdenken, das zu Verachtung, Unterdrückung und Ausbeutung der indigenen Bevölkerung führe. Auch unter praktizierenden Katholiken sei ein solches Denken verbreitet, kritisierte der Papst und spielte damit wohl auf die gewaltsame Entwendung einer Holzfigur während der Synode an, die eine indigene, schwangere Frau mit sichtbarem Fötus darstellte. Die Figur wurde von konservativen und traditionalistischen Kreise aus einer Kirche in Rom gestohlen und in den Tiber geworfen. Die Handlung wurde gefilmt und ins Netz gestellt. Dieser gewaltsame Akt offenbare das Grundproblem der römisch-katholischen Kirche, schrieb SKF-Präsidentin Simone Curau-Aepli darauf auf Facebook: «Die Gottes-Ebenbildlichkeit von Mutter Erde und von (schwangeren) Frauen wird verleugnet».

Männer ja, Frauen nein

Ein weiteres Problem, das die Frauen betrifft, ist ihr fehlendes Stimmrecht an Synoden. Nur geweihte Männer stimmen über die synodalen Schlussdokumente  ab – unter kategorischem Ausschluss von Frauen. Trotz prominenten Forderungen im Vorfeld der Synode, gab es kein Stimmrecht für die teilnehmenden Ordensschwestern, für ihre männlichen Ordensbrüder hingegen schon. Männer ja, Frauen nein! Dasselbe Bild beim Thema Weihe: Auf der synodalen Agenda standen auch Fragen der Seelsorge und Sakramentenspende im Zusammenhang mit dem akuten Priestermangel im Amazonas-Gebiet. Die Ankündigung sich mit der Frage zu beschäftigen, mit welchen Mitteln das Problem gelöst werden könne, liess die Hoffnung auf eine mögliche Frauenweihe erstarken. Zu Unrecht, wie das Schlussdokument der Synode offenbart.

Berufung statt Geschlecht

Vorerst nur im Ausnahmefall sollen verheiratete Männer im Amazonas-Gebiet die Priesterweihe empfangen und so den Priestermangel vor Ort kompensieren. Diese so genannten viri probati (lateinisch «bewährte Männer») sind Männer, die zuvor als Ständige Diakone tätig waren. Während Männer, die Priester werden wollen, meist einige Zeit nach der Weihe zum Diakon die Priesterweihe empfangen, bleibt ein Ständiger Diakon in diesem Stand und ist für die Dauer seine Ehe vom Pflichtzölibat befreit. Die Amazonas-Regelung mit viri probati ist zwar eine eine Lockerung, aber durchaus keine Aufhebung des Zölibats und der rigiden Sexualmoral unter der viele Kleriker und ihre Partnerinnen und Partner leiden.

Die Zeit der Gleichberechtigung ist gekommen

Frauen als Diakoninnen oder Priesterinnen wurden nicht in Betracht gezogen. Es wird Zeit, dass die römisch-katholische Kirche die Zeichen der Zeit erkennt und dass die Strukturen endlich einem Wandel unterzogen werden. Systematisch, nicht nur punktuell. Universal, für die gesamte römisch-katholische Kirche, nicht nur regional. Es wird Zeit, dass sie beiden Geschlechter auf gleichberechtigte Weise Mitgestaltungsmöglichkeiten bietet, nicht nur Männern.

Der SKF bleibt dran

Der SKF Schweizerischer Katholischer Frauenbund versammelt unter «Gleichberechtigung.Punkt.Amen» die Forderung nach einem umfassenden Strukturwandel. Dieser kann nur in einem Miteinander entstehen. Deswegen appellieren wir an alle Getauften, Kirchgemeinden und Landeskirchen, Leitungspersonenin den Pfarreienund Missionen, an alle Bischöfe, an Papst Franziskus und die Leitung der Weltkirche, sich nach ihren Möglichkeiten für eine grundlegende Erneuerung einzusetzen, damit die römisch-katholische Kirche eine neue Glaubwürdigkeit erlangt und allen Gläubigen eine spirituelle Heimat sein kann.