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7. Juni 2022
Im Workshop wurde auch in kleineren Arbeitsgruppen gearbeitet. Beim Abschluss wurden konkrete Schritte beschlossen, darunter das in Kontakt bleiben mit einem Gruppenchat und ein jährlicher Markt in La Paz.

Das Elisabethenwerk setzt neue Akzente und schliesst die Projektarbeit in Bolivien ab

Das Elisabethenwerk setzt sich seit über 60 Jahren für Frauen in Ländern des Südens ein. In seiner Geschichte setzte es immer wieder neuen Fokus. Nun steht eine neue Konzentration auf die Schwerpunktländer Uganda und Indien an. Mit dieser Neuorientierung blicken wir auf den Einsatz in Bolivien – ein Rückblick und Ausblick.

Bei der Gründung im 1958 unterstützte das Elisabethenwerk Projekte in verschiedensten Ländern. Erst gegen die Jahrtausendwende begann eine Konzentration auf wenige Länder. Mit dem Einsetzen von lokalen Beraterinnen ab 2003 wurde der Schwerpunkt auf drei Länder in Afrika, vier in Lateinamerika und auf fünf Teilstaaten Indiens gesetzt. Seit 2018 ist das Elisabethenwerk in Uganda, Bolivien, Indien und Sri Lanka tätig.

Mit der zunehmenden Digitalisierung wurden ab 1998 die Projekte elektronisch erfasst. Ab diesem Zeitpunkt wurden insgesamt rund Fr. 1.75 Mio. für Projekte in Bolivien eingesetzt. Insgesamt 44 Partnerorganisationen waren mit ihrer Durchführung betraut. Die Nutzniesserinnen sind tausende von Frauen, welche in verschiedensten Bereichen vom Elisabethenwerk profitieren durften. Die wichtigsten Engagements des Elisabethenwerks in Bolivien sind weiter unten zusammengestellt.

Das Elisabethenwerk bündelt das Länderportfolio und konzentriert sich ab Mitte 2023 auf die beiden Projektländer Uganda und Indien. Diese Fokussierung wurde im Rahmen der strategischen Mehrjahresplanung und im Hinblick auf die Pensionierung unserer langjährigen Programmverantwortlichen Damaris Lüthi und Elisa Moos beschlossen. Für die Frauen in Bolivien konnten wir eine neue Partnerin finden: Die Stiftung Fokus Frauen übernimmt die meisten lokalen Initiativen. Einige werden bis zum Frühjahr 2023 noch abgeschlossen. Der langjährige Einsatz des Elisabethenwerks ermächtigte die Projektpartnerinnen, selbst für ihre Rechte einzustehen, gegen die Zerstörung ihrer Lebensgrundlagen anzukämpfen und ihren Einsatz selbstständig weiterzuführen.

 

Wie geht die Arbeit der Projektpartnerinnen weiter?

Aktuell arbeiten wir mit acht Projektpartnerinnen in Bolivien zusammen. Uns ist es ein grosses Anliegen, dass ihre wertvolle Arbeit unabhängig vom Elisabethenwerk weitergeführt werden kann. Die acht stehen in unterschiedlichen Phasen ihrer Arbeit. Drei von ihnen stehen ab dem nächsten Jahr auf eigenen Beinen, ihre Projektarbeit ist so weit fortgeschritten, dass ihre Selbständigkeit möglich ist – ein wunderbares Zeichen für die geglückte Hilfe zur Selbsthilfe. Auch für die anderen fünf Partnerorganisationen gibt es eine ideale Fortsetzung. Die neu gegründete Stiftung «Fokus Frauen» verfolgt dieselben Ziele wie das Elisabethenwerk und wird unsere Projektpartnerinnen weiter unterstützen. Unsere lokale Beraterin, Luz Jimenez Quispe, wird ihre Funktion für Fokus Frauen weiterführen. So bleibt das in vielen Jahren aufgebaute Wissen erhalten.

Länderbesuch und Workshop

Neben unseren Beraterinnen vor Ort, welche Bindeglieder zwischen dem Elisabethenwerk und den Projektgruppen sind, arbeiten auch die Programmverantwortlichen im SKF eng mit den Ländern zusammen. Im Mai 2022 konnte die mehrmals verschobene Reise von Elisa Moos nach Bolivien endlich stattfinden. Dort legte sie mit einem Workshop für die aktuellen Partnerorganisationen den Grundstein für die Vernetzung der Gruppen vor Ort. Die Basisorganisationen stellten einander gegenseitig ihre Arbeit und Arbeitsmethoden vor, teilten ihre Erfahrungen miteinander und lernen so voneinander. Das Ziel ist, dass sie sich mit dem neuen Netzwerk weiterhin austauschen und unterstützen können.

Mehr über die neue Vernetzung zum Abschied und die lokalen Initiativen in Bolivien

In diesen Bereichen verbesserte das Elisabethenwerk die Lebenssituation der Frauen

Bei allen lokalen Initiativen, die das Elisabethenwerk unterstützt, stehen Frauen im Zentrum. Die Konzepte werden von Frauen entwickelt und sind auf die Bedürfnisse der ärmsten Frauen zugeschnitten. Immer mit dem Ziel, die Frauen zu stärken und ihren beschwerlichen Alltag zu erleichtern. Ein Überblick des langjährigen Engagements in Bolivien:

  • Häusliche Gewalt:
    Mit Frauenhäusern wird eine Anlaufstelle geboten, wo sie in Notsituationen Unterschlupf und medizinische, psychologische sowie wirtschaftliche Beratung finden. Mit Schulungen erhalten sie eine Perspektive, um nach dem Aufenthalt ein Einkommen erwirtschaften zu können. Hinzu kommt Präventionsarbeit mit Kursangeboten in besonders von häuslicher Gewalt betroffenen Quartieren.
  • Arbeitsbedingungen von Hausangestellten:
    Erst seit 2003 gibt es Arbeitsrechte für Hausangestellte. Besonders in den ersten Jahren war es wichtig, neu entstehende Gewerkschaften zu unterstützen, welche die Hausangestellten, aber auch die breite Bevölkerung für ihre Rechte sensibilisieren. Nur mit dem nötigen Wissen können Rechtsverletzungen vermieden werden. Die Gewerkschaften helfen auch bei Missachtung der Rechte. Dank der Verbesserung der Kompetenzen der Hausangestellte wird die Basis für bessere Anstellungen geschaffen. Seit 2003 unterstützte das Elisabethenwerk drei bolivianische Gewerkschaften, teilweise über viele Jahre.
  • Frauenrechte und politische Rechte:
    Bolivien kennt das Frauenstimmrecht seit 1938 für Frauen mit Schreib- und Lesekenntnissen, seit 1952 schliesst es alle Frauen ein. Doch bis 2003 konnten Frauen mit wenig Bildung ihre Rechte nur eingeschränkt ausüben, ihnen fehlte schlicht das Grundwissen dazu. Mit der Wahl von Evo Morales wurde entsprechende Sensibilisierungsarbeit geleistet. Das Elisabethenwerk hat verschiedene Projekte unterstützt, welche den Frauen die Möglichkeit eröffneten, ihre Rechte wahrzunehmen, in der Öffentlichkeit aufzutreten und auf kommunaler, regionaler und nationaler Ebene Einfluss zu nehmen. Viele der Frauen wurden später in verschiedene Ämter gewählt.

Bis Mitte 2023 supportet das Elisabethenwerk ein Projekt, in dem alleinerziehende Frauen lernen, Alimente einzufordern und psychosoziale Unterstützung erhalten, da die meisten von ihnen von häuslicher Gewalt betroffen sind.

  • Energie, Gesundheit und der Kampf um sauberes Wasser:
    Bolivien ist sehr rohstoffreich. Leider führt deren Abbau oft zur Verschmutzung beziehungsweise Vergiftung der Bäche und Flüsse. Beispielsweise, wenn die eingesetzten Chemikalien wie etwa Quecksilber nicht fachgerecht entsorgt werden.
    Frauen aus Bergbaugebieten schlossen sich zusammen, um für ihr Menschenrecht auf sauberes Wasser zu kämpfen. Die daraus entstandene Organisation wurde vom Elisabethenwerk über fünf Jahre unterstützt.
  • Naturmedizin und Erhalt traditioneller Heilmethoden:
    In Bolivien geniesst die Naturmedizin rechtlich den gleichen Status wie die Schulmedizin, aber auch die gleich strengen Vorschriften. Wir unterstützten drei Organisationen bei der Herstellung und Patentierung von naturmedizinischen Produkten, damit sie auch in Apotheken verkauft werden können. Zwei dieses drei sind heute selbständig, die dritte ist auf dem besten Weg dahin.
  • Kochen ohne Holz:
    In ländlichen Gemeinden förderte das Elisabethenwerk die Verbreitung von Solarkochern. Gerade im Hochland, wo fast keine Bäume wachsen, aber die Sonne oft scheint, ist dies sehr erfolgreich. Die Kocher werden intensiv genutzt.
  • Sorge für die Psyche:
    Zwei engagierte Frauen bildeten mit Unterstützung des Elisabethenwerks 50 Frauen in einer Therapiemethode aus, die in Brasilien entwickelt wurde. Die Methode «Terapia Comunitaria Integrativa» (Selbstheilende Gemeinschaft) verhilft mit gemeinsamer Reflektion und gegenseitiger Unterstützung unzähligen Frauen (und Männer) zu einer kostengünstigen Form von Psychotherapie. Sie wird vielseitig eingesetzt, sei es an höheren Schulen, in Slums, in Gefängnissen, oder mit Personen aus dem Erziehungs- und Bildungssektor. Die Mehrheit der Projektpartnerinnen interessiert sich sehr für diese Methode, da Teams vielen Belastungen ausgesetzt sind und dank moderierten Gruppengesprächen mit ihren Lebenssituationen besser zurechtkommen können. Das Elisabethenwerk ermöglichte den Aufbau einer Organisation (ATECOM), die sich der Ausbildung und der Verbreitung dieser Therapiemethode verschrieben hat.
  • Gemüseanbau:
    In Bolivien gilt es als modern, Süssgetränke, Fast Food und viel Fleisch zu essen. Die traditionelle Kost ist in den urbanen Gegenden nicht mehr sehr gefragt, auch weil Gemüse in den Städten sehr teuer ist. Das Elisabethenwerk förderte in Städten wie Tarija, La Paz, El Alto Projekte, welche mittels «Urban Gardening» mit platzsparenden Methoden den Gemüseanbau ankurbelten.
    Eine der Organisationen, die Urban Gardening förderte, ist heute selbständig. Für die beiden anderen ist Unabhängigkeit keine Option, da sie immer wieder in anderen Quartieren arbeiten und dort den Frauen die Kenntnisse vermitteln.
    Anders ist die Situation im Tiefland Boliviens, wo tropisches Klima herrscht. In den letzten Jahrzehnten wurde immer mehr Coca angepflanzt. Die Blätter werden von der Bevölkerung wegen ihrer Heilkraft sehr gerne gekaut, aufgelegt oder als Tee getrunken. Immer häufiger aber wurde Coca für die Herstellung von Kokain angebaut.
    Ein Projekt förderte einerseits die Frauenorganisationen im Tiefland, andererseits verbreitete es alternative Anbaumethoden, um die Artenvielfalt zu steigern. Diese Frauenorganisationen erarbeiteten sich viel Achtung. Beispielsweise durch das Betreiben von Schulküchen, die hohe hygienischen Standards, ausgewogene Ernährung und staatliche Anerkennung benötigen. Einige der Frauen schafften es nach Schulungen über politische Rechte und öffentliches Auftreten in Gemeinderäte und sogar ins Parlament.
  • Produktion, Handwerk und praktische Schulung:
    Im Hochland, in El Alto, wurden Frauen aus Slums im Stricken geschult, damit sie mit Alpaca-Wolle ein Einkommen erwirtschaften können. Ein anderes Projekt schulte Frauen in Schmuckherstellung, Backen, Kochen, Schneidern und Stricken, damit sie eine Anstellung finden oder selbständig arbeiten können.
    In einer anderen Hochlandregion verbesserten Frauen aus dem Uru-Volk ihre Kenntnisse im Verarbeiten von Schilf, um diese Produkte verkaufen zu können. Gleichzeitig setzten sie sich für eine bessere Wasserversorgung ein, um die Krankheitsrisiken zu reduzieren.

Wir beauftragten eine bolivianische Filmequipe, jedes der Projekte zu besuchen und zu dokumentieren. Hier geht es zu den Filmen, die einen zusätzlichen Einblick in die verschiedenen Entwicklungsprojekte bieten.