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Elisabethenwerk

Die Bedeutung(en) von Wasser

Während zahlreicher Reisen nach Indien und Sri Lanka hat Damaris Lüthi erfahren, dass der Zugang zu sauberem Wasser keine Selbstverständlichkeit ist. In «5 Fragen an» gibt Damaris Einblicke in ihre Erfahrungen mit einer der wertvollsten Ressourcen der Welt.

Für die Wahrung der Schöpfung

In der Auseinandersetzung mit sechs prägnanten Begriffen aus der Klimadebatte widmen wir uns der Schöpfung. Im Zeitraum von Juli 2020 bis Juni 2021 erhalten SKF-Ortsvereine und SKF-Kantonalverbände im Rahmen von make up! Schöpfung und Wandel verschiedene Inputs und erhalten in der Rubrik «5 Fragen an...» persönliche Einblicke in die Beziehung zur Schöpfung anderer Frauenn – dieses Mal Damaris Lüthi. 

Wer ist Damaris Lüthi?

Damaris ist eine von zwei Programmverantwortlichen des Elisabethenwerks. Das Elisabethenwerk ist eines der beiden Solidaritätswerke des SKF. In verschiedensten Projekten in Bolivien, Indien, Sri Lanka und Uganda unterstützt der SKF Frauen auf dem Weg aus der Armut. Damaris Lüthi verantwortet die Projekte in Indien und Sri Lanka. Damaris ist Ethnologin und erforschte von 1995-96 im Tamilengebiet Südindiens im Rahmen ihrer Doktorarbeit den Zusammenhang zwischen Hygienevorstellungen sowie sogenannter ritueller Un/reinheit und dem Kastendenken. Seitdem leitete sie auch zwei Forschungsprojekte zur tamilischen Gemeinschaft in der Schweiz.

Die kostbarste Ressource der Welt

In der Schweiz kommt aus jedem Wasserhahn wertvolles Trinkwasser. Die Verhältnisse in der Schweiz sind anderswo ein unvorstellbarer Luxus: Weltweit haben fast 800 Millionen Menschen keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser. Ursache dafür sind mangelnde Infrastruktur, politische Konflikte, Naturkatastrophen, aber auch eine ungerechte Verteilung. Während zahlreicher Projekt- und Forschungsreisen nach Indien und Sri Lanka hat Damaris Lüthi dies unmittelbar erfahren und die verschiedenenen spirituellen und rituellen Bedeutungen von Wasser kennenlernen dürfen.

Damaris, was motiviert dich für deinen Einsatz?

Mein Wissen als Ethnologin, spezialisiert auf die Kastengesellschaft Südasiens, einsetzen zu können für eine nachhaltige Verbesserung der Lebenssituation von benachteiligten Frauen in diesem Erdteil. 

Wo im Alltag erfährst du die Schöpfung?

Ich erfahre sie in der Vielfalt der Frauen in Indien und Sri Lanka, mit welchen ich täglich in Kontakt bin, und in deren Vorstellungen von der Welt und davon, wie sich die Situation von Benachteiligten verändern lässt.  

Welchen Unterschied im Umgang mit Wasser hast du auf deinen Reisen beobachtet?

Während man in der Schweiz fast immer genügend Trinkwasser zur Verfügung hat und dieses sogar zum Duschen oder für die WC-Spülung einsetzt, herrscht in Südasien mit viel weniger Regenfall häufig Wassermangel, so dass die Menschen vorsichtig damit umgehen müssen. Sogar in Nagercoil, einer Kleinstadt am südlichsten Zipfel Indiens, welche in einem eher feuchten Gebiet liegt, und wo ich während 16 Monaten eine ethnologische Feldforschung durchführte, musste während der heissesten Jahreszeit von Mitte März bis Juni das Trinkwasser rationiert werden. Es war eine sehr gute Erfahrung für mich zu merken, dass es auch so ging d.h. dass man tatsächlich mit sehr viel weniger Wasser als zuhause in der Schweiz auskommen kann. Die Quartiere wurden abwechslungsweise nur jeden fünften Tag mit Trinkwasser versorgt, das dann aus einem Wasserhahn an der Strassenecke floss. Die einzelnen Häuser waren nicht über eigene Leitungen mit Trinkwasser versorgt. Jeder Haushalt konnte sich anstellen und zwei bis drei Krüge mit Wasser füllen, so dass meistens eine Schlange mit Behältern entstand, deren Besitzerinnen währenddessen anderen Arbeiten nachgingen. Dabei durfte der Krug nie nur halb gefüllt werden, sondern er musste überfliessen, weil das als gutes Omen gilt, als Zeichen, dass es auch in Zukunft genügend Wasser geben wird.

Wie empfindest du den Umgang mit Wasser in der Schweiz?

Da Wasser meistens im Überfluss vorhanden ist, wird es grosszügig verschwendet. Anderseits hat man –anders als in Indien – vor mehreren Jahrzehnten gemerkt, dass gegen die Gewässerverschmutzung vorgegangen werden muss und hat überall Kläranlagen gebaut. Im Zusammenhang mit Cholera und anderen ansteckenden Krankheiten wurden bei uns die Abwasserkanäle vorsichtshalber gedeckt – noch bevor in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts der Zusammenhang mit Mikroben entdeckt wurde. Die Entdeckung ansteckender Keime hatte bei uns grosse siedlungsbauliche Auswirkungen wie den Ausbau des Trinkwasser- und Abwassersystems. Davon ist man in Indien vielerorts noch entfernt: Obwohl auch in der damaligen britischen Kolonie bereits 1850 das Problem erkannt wurde, verzichtete man ausser in den besseren Quartieren britischer Militärcamps und Städte aus Kostengründen auf das Decken der Abwasseranlagen, und wie ich in Nagercoil sehen konnte, ist das bis heute der Fall. Zudem wurden bisher kaum Kläranlagen gebaut. Das ist fatal für die gesundheitliche Situation, vor allem in den Städten.

Was ist deine kurioseste Wasser-Anekdote aus einer deiner Reisen?

Manche Betreiber von Strassenständen, an welchen in Öl gebackene Snacks wie Samosas verkauft wurden, wuschen ihre grossen Pfannen im am Strassenrand vorbeifliessenden, offenen Abwasserkanal. Das ist wohl nur deshalb möglich, weil die Gefahren anders definiert sind. Der Anblick einer Frau mit einem überfliessenden Wasserkrug auf der Hüfte gilt als Inbegriff des guten Omens. Als ich meinen Krug anfangs nicht vollständig füllte, um nichts zu verschwenden, lachten die Frauen mich aus und sagten, das sei nicht gut und könne sich negativ auswirken. 

Spenden für das Elisabethenwerk

Mit einer Spende an das Elisabethenwerk unterstützen Sie kleine Projekte von Frauen in Uganda, Bolivien, Indien und Sri Lanka. Das 1958 gegründete Hilfswerk des Schweizerischen Katholischen Frauenbundes wird von der Solidarität mit den ärmsten Frauen in den Ländern des Südens getragen. Von Frauen für Frauen.

Spenden für das Elisabethenwerk

Der SKF setzt sich national und international für die Gleichstellung von Frauen in rechtlicher, gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Hinsicht ein.  Das Elisabethenwerk unterstützt Projekte, die zur Verbesserung der Lebensbedingungen von benachteiligten Frauen und jugendlichen Mädchen beitragen, ungeachtet ihrer religiösen und ethnischen Zugehörigkeit. In Kooperation mit lokalen Organisationen in Uganda, Bolivien, Indien und Sri Lanka unterstützen wir Projekte vor Ort die Frauen eine langfristige Perspektive aus der Armut bieten. Das Werk ist einem feministischen Ansatz verpflichtet. Zudem streben die Projekte das Prinzip der Nachhaltigkeit an.