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16. Dezember 2021

Erleuchtende Freiwilligenarbeit in Wollihood

Wer braucht schon das glamouröse Hollywood, wenn Wollihood so glanzvoll leuchtet? Wollihood, das ist die ironische Bezeichnung für den Zürcher Stadtteil Wollishofen. Diesen bringt der Frauenverein der Pfarrei St. Franziskus mit seinen Rorate-Feiern auch in diesem Jahr zum Erstrahlen. Sarah Paciarelli stattete den Frauen einen Besuch ab.

In dunklen Dezembernächten feiern viele Katholik:innen früh in den frühen Morgenstunden Rorate-Messen: Sie werden nach altem Brauch vor Sonnenaufgang, nur bei Kerzenschein gefeiert und bringen in besonderer Weise die Sehnsucht nach der Ankunft Gottes in der Welt zum Ausdruck.

Der frühe Vogel fängt das Licht

Als um 5 Uhr morgens mein Wecker klingelt, krampft in mir, einer Nachteule, alles zusammen. Die einzige Sehnsucht, die ich spüre, ist die nach einer weiteren Mütze Schlaf. Bei meiner Ankunft in St. Franziskus um 6.15 Uhr ist es so dunkel, dass selbst die farbenfrohen Glasfenster noch in tristes Morgengrau gehüllt sind. Beim Betreten der Kirche bleibt die Hektik des winterlichen Zürichs an der Türschwelle zurück, eine innere Ruhe überkommt mich. Ich grüsse die schlichte Holzmadonna, die in ihrer tiefroten Marienkapelle gleich links vom Haupteingang alle Besucher:innen willkommen heisst. Die Kirche liegt im Dunkeln. Einzig hunderte von Kerzen hüllen den Raum in warmes, flackerndes Licht.

Digitalisierung im Gottesdienst

Nachdem ich mich bekreuzige, überreicht mir eine Frau andächtig eine Kerze. Es ist Heidi Vogel, die Präsidentin des Frauenvereins St. Franziskus. Gemeinsam mit Heidi Rötheli und Romy Janson gestaltet sie die Rorate-Feiern. Neben dem Altar erblicke ich Romy Janson, wie sie unbekümmert, in ein Ministrant:innengewand gehüllt, ein Handy bedient. Minuten später verstehe ich, dass die Co-Präsidentin des Pfarreirats über ihr Smartphone die Musik für den Gottesdienst steuert. Nicht irgendeine, sondern die Orgelmusik des Organisten der Pfarrei, die jetzt aus den über Bluetooth mit Romy Jansons Handy verbundenen Boxen ertönt. Weil Organist Felix Ketterer in Freiburg im Breisgau lebt und nicht an jedem Gottesdienst teilnehmen kann, habe man sein Spiel einfach digitalisiert, erfahre ich von den beiden Heidis später.

Weihnachsstress besinnlich abschütteln

«Ich erinnere mich nur zu gut an die Weihnachtsfeiern in meiner Kindheit. Es sollte das Fest der Liebe sein, und nur allzu häufig war der Druck so gross, dass es zu Streit kam», beginnt Heidi Rötheli die Besinnung. Ihrer Familie gelang es nach jedem Zank wieder Frieden zu schliessen, ähnlich wie den beiden biblischen Brüdern Jakob und Esau, deren Zerwürfnis und Versöhnung auch in der Lesung Thema waren. Esau, der von seinem jüngeren Bruder Jakob betrogen wird, rechnet nicht mit ihm ab, als sie sich wiedersehen. Die Besinnung der Rorate, die unter dem Thema «Der Mensch und sein Mitmensch» läuft, ruft zu Versöhnlichkeit auf. «Für mich ist Esau der Vorbote Jesu. Er wertet nicht, für ihn stehen Gnade und Vergebung im Zentrum. Öffnen wir uns für unsere Mitmenschen und akzeptieren wir sie so, wie sie sind», sagt Heidi Rötheli.

Freiwilligenarbeit als Heimat

Die Frauenliturgiegruppe und der Frauenverein schenken beiden Heidis Kraft. Für Heidi Vogel ist die katholische Freiwilligenarbeit ein Zuhause. Schon als junge Frau hat sie sich bei der katholischen Jugendorganisation Blauring engagiert. Sich für die Gemeinschaft zu engagieren, zieht sich wie ein roter Faden durch das Leben der ehemalige Kindergärtnerin und Katechetin. In St. Franziskus inspirieren sie vor allem die «Begegnungen mit anderen Frauen, die sich Gedanken über das Leben machen» und das Gefühl, mit «einem Haufen Leute, die an einem Strang ziehen» etwas zu bewegen. Und auch Heidi Rötheli kann als Präsidentin des Kirchenchors und als Präsidentin des Musikzyklus St. Franziskus ein beeindruckendes freiwilliges Engagement vorweisen. «Zu singen und während der Besinnung im Gottesdienst vorne zu stehen und mit meinen Mitmenschen meine Gedanken teilen zu dürfen, das finde ich grossartig», vertraut sie mir an. Die Zusammenarbeit mit Diakon Uwe Burrichter und Pfarrer Karsten Riedl schätzen die Frauen sehr. «Der Priester vertraut uns. Das ist mir sehr wichtig», sagt Heidi Rötheli.

Etwas, das bleibt

Bei Kaffee und Grittibänz möchte ich mehr über den Frauenverein erfahren. Etwas bedrückt erzählen Heidi und Heidi mir, dass der 1932 gegründete Verein sich an seiner 90-Jahr-Feier im kommenden Jahr auflösen werde. Es hätte sich schlichtweg kein Vorstandsnachwuchs gefunden. Heidi Vogel leitete den Verein gleich zwei Mal als Präsidentin. Nach insgesamt 15 Jahren in dieser Funktion sei nun Zeit für etwas Neues. Der Pfarrei St. Franziskus bleiben beide Frauen als Freiwillige erhalten. Es sei ihnen wichtig, dass auch für die kommenden Generationen etwas bleibe, das lebt. Die Rorate-Feiern sind für beide etwas sehr Schönes. «Wenn man keine kleinen Kinder mehr hat und die Enkel:innen weit weg wohnen, fällt es manchmal schwer, sich auf Weihnachten einzustimmen. Die Rorate-Feiern sind die perfekte Vorbereitung», so Heidi Vogel. Gemeinsam mit den verschiedenen Mitarbeiter:innen und Freiwilligen der Pfarrei wollen sie sich auch nach der Vereinsauflösung für eine lebhafte Gemeinschaft einsetzen.

Für eine gerechte Welt

Damit sind die Frauen aus Zürich-Wollishofen nicht allein. Jeder der 600 Vereine, der zum Schweizerischen Katholischen Frauenbund SKF angehört, leistet einen Beitrag für ein solidarisches Miteinander. Jede der 120'000 freiwillig engagierten SKF-Frauen macht die Welt schöner, gerechter und lebenswerter. Unterstützung erfahren sie durch ihre jeweiligen Kantonalverbände und den Dachverband SKF. Der Schweizerische Katholische Frauenbund unterstützt seine Freiwilligen mit einem kostenlosen Weiterbildungsangebot, beispielsweise mit dem Kurs «Frauengottesdienste/Frauenrituale» und vielen anderen Dienstleistungen.