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«Homosexuelle haben das Recht, in einer Familie zu sein. Sie haben das Recht auf eine Familie.»

Der Papst hat sich im Dokumentarfilm des Regisseurs Jewgeni Afinejewski für einen gesetzlichen Schutz der Lebensgemeinschaft von gleichgeschlechtlichen Paaren ausgesprochen. Der Film mit dem Titel «Francesco» widmet sich dem Leben des Pontifex und feierte jüngst auf dem Filmfestival in Rom Premiere.

Mit seinen Aussagen zu gleichgeschlechtlicher Liebe hat Papst Franziskus eine klare Position bezogen, die im katholischen Universum einem Erdbeben gleichkommt. Der SKF befürwortet die zivile wie auch kirchliche Öffnung der Ehe für gleichgeschlechtliche Paare seit 2001.

Worte der Barmherzigkeit

«Wir müssen ein Gesetz für zivile Partnerschaften schaffen. Sie haben das Recht, rechtlich abgesichert zu sein», wird der Papst zitiert. Sein Vorgänger Joseph Ratzinger wollte weder von eingetragener Lebenspartnerschaft, noch von ziviler Ehe für alle etwas wissen. Franziskus Worte der Barmherzigkeit mögen nun wie eine Sensation wirken. Ganz überraschend sind die Äusserungen jedoch nicht, hat sich Papst Franziskus  in der Vergangenheit mehrfach entgegen katholischer Dogmen positioniert. 

Partnerschaft ja, Ehe nein?

Papst Franziskus hat während seines Pontifikats aber auch darauf hingewiesen, dass es eine Trennung zwischen «der von Gott gewollten Ehe zwischen Mann und Frau» und anderen Partnerschaften geben müsse. Das Ja des Papstes zur rechtlichen Anerkennung homosexueller Partnerschaften ist folglich nicht gleichzeitig ein Ja zur Ehe für alle. Ob seine Aussagen zur rechtlichen Gleichstellung auch umfassend, als Gleichstellung im Hinblick auf die zivile und kirchlich Eheschliessung gelten, ist offen. Bleibt eine Grenze zwischen der Ehe und einer zivilrechtlichen Anerkennung der Partnerschaft bestehen, so bleiben auch Franziskus Worte wichtige, aber für katholische Homosexuelle nur symbolische Worte. Können homosexuelle Menschen zwar zivilrechtlich eine Ehe eingehen, nicht jedoch kirchlich, bleibt die Diskriminierung aufrechterhalten. Eine wahrhaftige Gleichstellung homosexueller Paare wäre erst erreicht, wenn die katholische Kirche endlich eine Öffnung der kirchlichen Ehe zuliesse. 

SKF für zivile und kirchliche Ehe für gleichgeschlechtliche Paare

Der SKF-Verbandsvorstand spricht sich wie bereits 2001 einmal mehr für die Ehe für alle aus und begrüsst Franziskus Vorstoss. Der Verbandsvorstand befürwortet die Öffnung der zivilen wie kirchlichen Ehe für gleichgeschlechtliche Paare, ein Adoptionsrecht für homosexuelle Paare sowie die Spermienspende für lesbische Paare. Es wird sich zeigen, wie die Worte des Papstes seitens Bischöfen, Kardinälen und Priestern aufgenommen werden – und ob diese mutigen Worte für homosexuelle Katholikinnen und Katholiken tatsächlich einen Unterschied machen werden. Der SKF Schweizerischer Katholischer Frauenbund ist gegen eine Auslegung der Bibel, die bedingt, dass Menschen benachteiligt oder ausgegrenzt werden. Dem Argument aus konservativ-christlichen Kreisen, wonach zivile wie kirchliche Ehe exklusiv heterosexuellen Paare vorbehalten sein soll, können wir nichts abgewinnen. Hinter dieser Forderung steht oftmals ein Vorstellung der Ehe zweier Menschen, die biologisch dazu imstande sind, Kinder zu zeugen und dies auch tun wollen. Doch gibt es auch eine andere christliche Sicht auf die zivile und kirchliche Ehe, nämlich das Verständnis der Ehe als Ausdruck einer verantwortungsvollen Liebe zweier Erwachsener zueinander, ungeachtet des Geschlechts.