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Herzlichen Dank für den langen Einsatz!
Nachfolgetreffen in Michelsberg, Rumänien, eine Bibelarbeit zu Maria von Magdala, 2013

Rückblick der Arbeitsgruppe «Frauenkontakte Ost-West-Europa»

Das Jahr 1989 war ein Jahr des Aufbruchs. Im August öffnete Ungarn den Eisernen Vorhang,  im Oktober fiel die Berliner Mauer, und kurz vor Weihnachten brach in Rumänien das kommunistische Regime zusammen. In dieser Aufbruchsstimmung beschloss der Vorstand des SKF im Frühjahr 1990 eine Arbeitsgruppe unter dem Titel «Frauenkontakte Ost-West-Europa» (FOWE) ins Leben zu rufen.

1991 konstituierte sich die Gruppe und beschloss, sich zuerst auf Rumänien zu fokussieren, da Catherine Gyarmathy schon während des Kommunismus das Land oft besuchte und Vreni Fischli ab 1990 bei Hilfssendungen für Notleidende im Süden Rumäniens Erfahrungen gesammelt hatte. An diese bestehenden Kontakte konnte angeknüpft werden.

Um sich ein Bild über die Möglichkeiten einer Zusammenarbeit zu machen, flog die Arbeitsgruppe 1992 nach Rumänien und besuchte vor allem Frauengruppen in der westlichsten Provinz Transsilvanien/Siebenbürgen. Eine Umfrage mittels Fragebogen zeigte deutlich, dass Ideen und Inspiration für Aufgaben im sozialen Bereich und zur Führung von Frauenorganisationen sehr gefragt waren. Später kam noch das Thema Religionsunterricht für Kinder und Jugendliche hinzu.

Zum Auftakt ein erstes Seminar in der Schweiz

Zurück in der Schweiz beschlossen wir fünf FOWE-Frauen, 30 Frauen die Gelegenheit zu geben, sich bei uns ein Bild der sozialen Institutionen zu machen, zu zeigen, wie wir «im Westen» leben, wie unsere demokratischen Strukturen sind, wie wir unsern Alltag, unser Zusammenleben und unsere Frauenarbeit gestalten.

Nun galt es die Unterkunft zu finden (im Haus Bruchmatt), Gelder zu beschaffen, Visa, Versicherungen und Transporte zu organisieren, Institutionen für Besichtigungen und Ausflüge anzufragen, Mithelferinnen zu finden, Vorträge und Bibelarbeiten zu schreiben, so dass wir am 25. Juni 1994 die Frauen aus Rumänien empfangen konnten. Dank dem Fragebogen wussten wir, an welchen Informationen die Frauen interessiert waren und stellten jeden Tag unter ein Thema: Demokratische Strukturen, Frauenverbandsarbeit, Institutionen für Behinderte, Betagte, Kranke, Fürsorgewesen und Ausbildung für Sozialarbeit, Weiterbildungsmöglichkeiten für Frauen, Pfarrei und Jugendarbeit.

Auf einem Ausflug nach Engelberg konnten sich die Frauen untereinander besser kennenlernen und so Kontakte zu Vertreterinnen anderer christlicher Konfessionen und anderer Ethnien knüpfen. Das war der Schlüssel für die künftige Zusammenarbeit mit ihnen an Nachfolgetreffen in Rumänien.

Regelmässige Folgetreffen in Rumänien

Was diese Reise in die Schweiz bewirkte, konnten wir 1997 bei einem ersten Seminar in Cluj-Napoca in Rumänien, sehen. Die Teilnehmerinnen hatten mit viel Selbstvertrauen Vereine gegründet, die sich um Betagte, Kranke und Menschen mit Beeinträchtigungen kümmerten. Eine Kinderorthopädin war daran, eine erste Schule für Kinder mit körperlichen Behinderungen in Rumänien aufzubauen. Besichtigungen und Berichte ihrer Vereinsarbeit beeindruckten uns sehr. In dieser und allen anderen Seminarwochen, die alle zwei Jahre folgten, konnten wir alle viel voneinander lernen, einander stärken und ermutigen, Impulse vermitteln, uns mit biblischen Frauengestalten befassen. Spirituelle Momente, Tänze , Gymnastik, Ausflüge und viel Lachen gehörten auch immer dazu. Wir FOWE-Frauen kamen immer reich beschenkt - nach Hause. Mit kleinen Souvenirs, unvergesslichen Erinnungen und beeindruckt von der Stärke dieser Frauen, die mit geringsten Mitteln und in einem schwierigen Alltag Grossartiges leisten.

Die alle zwei Jahre stattfindenden Seminare wurden von den Frauen in Rumänien in verschiedenen Städten selbst organisiert. Sie schlugen das Thema vor und baten uns um unsere Beiträge. Dank der vom WGT und dem SKF zur Verfügung gestellten finanziellen Mittel konnten diese Wochen stattfinden, die für diese Frauen sowohl Weiterbildung als auch Erholung von ihrem arbeitsreichen Alltag waren.

Der Radius dehnt sich weiter aus

Da während 40 Jahren Kommunismus die Christ:innen ihren Glauben nur in beschränktem Masse und oft auch unter grosser Gefahr ausüben konnten, organisierten wir im Sommer 1996 in der Matt, Schwarzenberg, eine Weiterbildungswoche unter dem Motto «Mit Kindern und Jugendlichen von Gott reden» für kirchliche Mitarbeiterinnen zu neuen Formen des Religionsunterrichts und zu feministischer Theologie. Dazu luden wir Vertreterinnen aus 9 Mittel- und Osteuropäischer Länder ein.

Nach dem Balkankrieg suchten wir auch den Kontakt zu Frauenorganisationen in Serbien. Im Anschluss an eine erste Reise im Mai 2001 nach Novi Sad organisierten wir in Zusammenarbeit mit dem Ökumenischen Forum christlicher Frauen in Europa zwei Weiterbildungen, welche die Überwindung von Gewalterfahrungen und die Stärkung der eigenen Kräfte zum Thema hatten. Was es bedeutet, Krieg zu erleben und welche Spuren dies bei Menschen hinterlässt, hat uns tief beeindruckt.

2015 schlossen wir unsere Nachfolgetreffen in Rumänien und Serbien 2015 ab. Bis 2021 konnten wir in beiden Ländern Frauenorganisationen mit Mitteln vom WGT weiter unterstützen, aber auch in weiteren Ländern Mittel-Osteuropas wie z.B. Armenien, Moldawien und Russland. Einzelnen Osteuropäerinnen konnten wir die Teilnahme an Weiterbildungen ermöglichen.

Die FOWE arbeitete von Beginn weg ökumenisch und multiethnisch. Als einzige Ausnahme unterstützten wir während Jahrzehnten ein Enttraumatisierungs-Seminar für angehende Lehrpersonen im muslimischen Tschetschenien durch eine Psychologin.  

 

Was bleibt bestehen?

Wir haben in unserer Arbeit als FOWE viele Höhepunkte erlebt, zwei möchten wir aber hervorheben:

  • Beim ersten Nachfolgeseminar in Cluj, konnten wir sehen, was die Frauen nach dem ersten Treffen in der Schweiz alles aufgebaut hatten und stellten festdass wir damals die richtigen Themen aufgenommen hatten.
  • Beim letzten Seminar,auch in Cluj, als wir gemeinsam mit den Rumäninnen das Ende unserer Treffen beschlossen, wurden wir mit einem Fotoalbum beschenkt mit ganz persönlichen Erinnerungen an unsere Zusammenarbeit.

Wir schauen zurück auf eine reichhaltige Zeit. Der Austausch zwischen den Frauen aus Mittel-Osteuropa war auch für uns lehrreich, wir konnten viele Probleme und gesellschaftliche Strukturen kennenlernen. Immer mehr wurde uns bewusst, dass auch wir viel zu lernen hatten.

Jetzt hat ein Generationenwechsel stattgefunden. Die jungen Frauen verfügen über gute Erfahrungen und Fachwissen. Leider fehlen aber immer noch die finanziellen Mittel und sehr oft auch die Unterstützung. Die Gesellschaft und die Kirchen in diesen Regionen sind immer noch sehr männlich geprägt und Korruption behindert den Aufbau wirklich demokratischer Strukturen.

 

Zum Schluss möchten wir danken:

  • Rösy Blöchliger und Hanna Furtwängler, den damaligen Präsidentinnen des SKF, für ihre Weitsicht und ihren Mut, eine solche Arbeitsgruppe einzusetzen,
  • allen nachfolgenden SKF Vorstandsfrauen und dem WGT-Komitee für das grosse Vertrauen und die
  • allen früheren FOWE-Frauen für ihr Mitdenken, Mittragen und ihre Einsätze,
  • nicht zuletzt unseren Ehepartnern, die uns tatkräftig unterstützt haben. Ohne ihre Rückendeckung wäre vieles nicht machbar gewesen.

In der jetzigen Besetzung arbeitete das Team seit über 20 Jahren offen und oft auch kritisch zusammen. Es war eine wunderbare Zeit, die uns auch eine freundschaftliche Verbundenheit geschenkt hat.

 

Schliessen möchten wir mit drei Statements von «unseren» rumänischen Freundinnen:

Henni Guib: «Mit euch gab es keine Grenzen mehr. Durch euch sind wir zu Grenzüberschreiterinnen geworden und Ungeahntes wurde in und um uns wahr.»

Viola Paskucz: «Die sieben Begegnungen der letzten 14 Jahre haben mir viel Freude bereitet: meine erste Reise in den Westen, unvergessliche Ausflüge. Ich habe viel gelernt, aber vor allem habe ich wahre Freundinnen gefunden, an die ich immer mit grosser Liebe denke.»

Dana Vasilescu: «Ich denke an Euch, an unsere schönen Begegnungen, an die Anlässe, die uns geholfen haben, unsere schwierigen Zeiten klüger zu meistern.»

 

31. Juli 2021, im Namen der FOWE: Catherine Gyarmathy und Ruth Barmet-Ryser

Ein grosses Dankeschön für den langjährigen Einsatz

Am 7. Juni 2021 kamen die langjährigen FOWE-Frauen Catherine Gyarmathy, Ruth Barmet, Vreni Fischli und Ruth Koch nach Luzern und erzählten dem SKF-Verbandsvorstand und Geschäftsstellenmitarbeiterinnen nochmals von ihren vielen Aktivitäten ihres freiwilligen Engagements in Mittel-Osteuropa. Die Zeit reichte nicht für die zahlreichen Erlebnisse und Eindrücke, welche sich seit 1990 angesammelt hatten. Nach 30 Jahren schliesst die Arbeitsgruppe ihr Engagement ab – der SKF dankt ihnen herzlich für alles Geleistete!