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13. Januar 2022

SKF zum synodalen Prozess Schweiz

Papst Franziskus hat das Volk Gottes dazu aufgerufen, sich miteinander auf den synodalen Weg zu begeben. Dafür hat er alle Menschen, Verbände, Vereine und Gruppen aufgerufen, sich zu äussern. Der SKF nimmt seine Verantwortung wahr und hat den Bischöfen von Basel, St. Gallen und Chur in einem Schreiben Gedanken zum Weg der Erneuerung übermittelt.

Der von Papst Franziskus initiierte weltweite synodale Prozess steht unter dem Motto: «Gemeinschaft, Teilhabe, Sendung». Der Schweizerische Katholische Frauenbund SKF versteht sich als Gemeinschaft von 120'000 Frauen in der Schweiz, die Teil haben am Leben der Kirche und der Gesellschaft und die gesandt sind, den Menschen durch ihr freiwilliges Engagement die Botschaft von einem guten Leben aus christlichem Geist zu bringen.

Dieses Engagement erbringen die Frauen des SKF in einer sich schnell wandelnden Gesellschaft. Von diesem Wandel ist auch die Kirche betroffen. Immer dringlicher werden daher die Fragen nach ihrer Stellung zur und in der Gesellschaft. Für viele Menschen ist sie, die Kirche als Institution, bereits irrelevant geworden. Viele aber finden nach wie vor Heimat in ihr, leiden aber unter den sichtbar gewordenen Missständen und Widersprüchen zwischen der Lehre und dem Leben der Menschen. Häufig sind es die Strukturen, die der Lebensrealität entgegenstehen und die das Wertvolle des christlichen Glaubens verdunkeln und im Bewusstsein der Menschen schwinden lassen.

Als grösste konfessionelle Frauenorganisation der Schweiz hat der SKF sich zum synodalen Weg der Schweiz Themen Gedanken gemacht und diese in einem Schreiben mit Felix Gmür, dem Bischof von Basel, Markus Büchel, dem Bischof von St. Gallen und Joseph Bonnemain, dem Bischof von Chur geteilt. Der SKF macht sich dafür stark, die drei Eckpunkte des Synodalen Prozesses neu zu denken und setzt sich dafür ein, dass sie in der Kirche und für die Menschen (wieder) die nötige Bedeutung bekommen.

Gemeinschaft 

Den Weg der Erneuerung synodal gehen, heisst, ihn gemeinsam zu gehen. Gemeinsam heisst aber nicht, in einer Reihe hinter Papst, Bischöfen und Priestern zu marschieren, sondern miteinander Wege zu gehen, gemeinsame Ziele anzustreben und niemanden aussen vorzulassen. Es braucht Wertschätzung der Gaben und Charismen eines und einer jeden, die zusammen auf dem Weg sind. Und es müssen alle mitgenommen werden auf den Weg, auch solche, die nicht ins Schema passen wegen ihres Geschlechts, ihrer sexuellen Orientierung, ihrer Bildung, Nationalität, ihres sozialen Standes.

Wertschätzung meint konkret: Wertschätzung der Arbeit der freiwillig Engagierten Wertschätzung der Arbeit und des Lebens auch der nicht-geweihten Amtsträger:innen, denn sie prägen ein positives Bild der Kirche. Wertschätzung nicht zuletzt auch der Menschen, die die Kirche enttäuscht verlassen haben. Sie legen den Finger in die offenen Wunden der Kirche – ihre Erfahrungen ernst zu nehmen, kann unsere Gemeinschaft stärken.  

Gemeinsam unterwegs können wir zudem nur sein, wenn wir uns auch verständigen können. Wir brauchen dazu eine Sprache, die allen Menschen zugänglich ist und die niemanden ausgrenzt. Viele altehrwürdige Begriffe und Bilder von Gott und den Menschen stimmen heute nicht mehr. Es gilt, eine neue Sprache zu suchen, damit die Kirche den Weg zu den Herzen der Menschen und die Menschen wieder Zugang zu der Kirche finden können.

Gemeinsames Unterwegssein braucht eine gewisse Ordnung. Die notwendigen Strukturen müssen zweckmässig und für alle einsichtig sein, sie müssen den Fähigkeiten und den Möglichkeiten der Menschen Raum lassen. Zudem müssen sie stets offen bleiben für Änderungen und Verbesserungen, die jeweils im Dialog ausgehandelt werden.  

 

Teilhabe 

Gemeinschaft und Teilhabe gehören eng zusammen, das eine gibt es nicht ohne das andere. Die Teilhabe ist begründet in der gottgegebenen Würde aller Menschen und in der in der Taufe geschenkten Würde als Christin und als Christ. Alle sind gleich würdig - auch Päpste, Bischöfe und Priester. Aufgaben, Dienste und Rechte müssen nach Befähigung verteilt werden, nicht nur aufgrund einer wie auch immer postulierten höheren Würde. Als SKF stehen wir deshalb dezidiert für eine gleichberechtigte Teilhabe aller an der Sendung der Kirche ein, und zwar auf allen Gebieten und in allen Ämtern. Insbesondere setzen wir uns dafür ein, dass Frauen die gleichen Möglichkeiten wie Männer erhalten, bis hin zu einer Weihe, die so auszugestalten ist, dass sie eine wirkliche Teilhabe ermöglicht. 

Teilhabe heisst nicht nur, am kirchlichen Leben als «Publikum» teilnehmen zu können. Wirkliche Teilhabe bedeutet, Macht zu teilen und sie nicht zu missbrauchen, sich gegenseitig Vertrauen zu schenken und nicht alles kontrollieren zu wollen. Teilhabe bedeutet auch, einander auf Augenhöhe zu begegnen und im Dialog auszuhandeln, welche Strukturen für den Auftrag der Kirche nötig und nützlich sind.

Was Missbrauch von Macht und Menschen ermöglicht, muss gründlich hinterfragt und beseitigt werden. Teilhabe braucht Gespräch – es ist gut, wenn die kirchlichen Amtsträger fragen und auf die Antworten der Menschen hören. Doch für ein wirkliches Gespräch braucht es ein gegenseitiges Fragen und Antworten, das heisst, auch die Menschen müssen fragen können  und die kirchlichen Amtsträger ehrliche (und nicht autoritative) Antworten geben. 

Im Licht des Synodalen Prozesses muss für eine echte Teilhabe eine Gesprächskultur gepflegt werden, die nicht nur unverbindlich (be)fragt. Aus dem Fragen und Zuhören müssen konkrete Resultate sichtbar werden, die den gegebenen und gehörten Antworten gerecht werden.

Das bewährte Prinzip der Subsidiarität gehört ebenfalls zur Teilhabe am Leben und an der Sendung der Kirche. Nicht alles muss von oben entschieden und bestimmt werden. Die Ortskirchen – und wo möglich die Gemeinden vor Ort - haben auch Teil an der Autorität der Kirche und müssen bestimmte Freiheiten haben, Ordnungen ihren Bedürfnissen anzupassen und ihre je eigene Kultur innerhalb der einen Kirche zu leben.  

  

Sendung 

Als Christ:innen sind wir gesandt, die frohe Botschaft zu verkünden, Weggefährt:innen der Menschen zu sein auf dem Weg zum Heil, zu einem gelingenden Leben. Wir sind alle gesandt, nach unseren Fähigkeiten und Möglichkeiten. Gott stellt dabei keine Bedingungen an Geschlecht, Stand, Bildung und Weihe – die Kirche darf das somit auch nicht tun, wenn sie glaubwürdig sein will. Gott schätzt auch die kleinen, die freiwilligen, die unsichtbaren Beiträge – die Kirche muss das auch tun.

Die Sendung der Kirche trifft auf eine sich schnell wandelnde Gesellschaft. Die Kirche, ihre Verantwortlichen und die Gläubigen müssen einsehen, dass sich nur treu bleiben kann, wer sich wandelt. Althergebrachte Positionen müssen im Licht des Glaubens heute überdacht werden, der neue Wein soll nicht in die alten Schläuche gefüllt werden, die neuen Schläuche dürfen nicht zur Tarnung des alten Weins gebraucht werden. 

Die Sendung der Kirche wird verdunkelt, wenn ihre Repräsentant:innen ihre Macht missbrauchen, Menschen missbrauchen, die Werte des Glaubens pervertieren. Hier ist bedingungslose Umkehr gefragt, Aufklärung, Anerkennung der Schuld und konkrete Taten der Wiedergutmachung.  Für die Zukunft braucht es Strukturen und Strategien, um die Fehler der Vergangenheit nicht zu wiederholen. 

Sendung braucht den Mut, etwas konkret zu tun, auch mal in die Irre zu gehen, umzukehren, Fehler einzugestehen, neue Wege zu suchen, Kompetenzen weiterzugeben und auf die Geistkraft zu vertrauen, statt sich ängstlich hinter Traditionen zu verstecken. Neu zu feiern, neu zu dienen, neu zu sprechen, damit das, was in der Kirche wertvoll ist und bleibt, neu den Weg zu den Menschen findet. 

Der Synodale Prozess ist das Suchen nach Antworten auf die Fragen, welchen Platz die Kirche in der heutigen Gesellschaft finden kann und will. Dass das Volk Gottes dazu befragt wird, finden wir grundsätzlich positiv, und wir haben auch unsere Mitglieder aufgefordert, die Fragen zu beantworten. Den einen ging es dabei zu wenig um die heutigen Strukturen der Kirche, anderen wiederum zu viel. Einige haben aber bemerkt, dass es in den Fragen kaum je um das gegangen ist, was die Kirche glaubt und tut. Doch die Sendung der Kirche ist es auch heute noch, den Menschen Glauben, Hoffnung und Liebe zu bringen. 

Gemeinschaft, Teilhabe und Sendung bedeuten jenseits der – unabdingbaren! – strukturellen Fragen auch das gemeinsame Suchen und Fragen nach dem, woher die Kirche kommt und was sie ausmacht und wie sie das heute in und für die Gesellschaft leben kann. 

Der SKF versteht sich als Teil der Kirche und als Teil der Gemeinschaft, die miteinander auf dem Weg ist. Wir bleiben kritisch und loyal, wir benennen, was nicht gut läuft und wir fördern und pflegen, was an unserem Glauben und unserer Kirche wertvoll ist. Wir engagieren uns für eine Kirche und Gesellschaft, die alle Menschen und insbesondere die Frauen in ihrer Würde achtet, ihnen ihren gleichwertigen Platz einräumt und sich für ihre Rechte einsetzt. Auf diesem Weg sind wir zusammen mit der ganzen Kirche unterwegs, mit den Amtsträger:innen und den freiwillig Engagierten. So ist für uns dieser kürzlich begonnene Synodale Prozess eine Fortsetzung unseres jahrelangen Engagements.

Wir sind bereit, diesen Weg der Erneuerung weiter zu gehen.