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Delegiertenversammlung 2022
© Izedin Arnautovic

«Spitze, dass du da bist»

Es war die erste Delegiertenversammlung seit Ausbruch der Pandemie. Im Stadtsaal Wil im Kanton St. Gallen hiess der Frauenbund die rund 170 Teilnehmer:innen willkommen. In der Schweiz gilt es oft als Tabu über Geld zu sprechen. Für Frauen kann das ungute Folgen haben. An seiner Delegiertenversammlung widmete sich der Schweizerische Katholische Frauenbund dem Umgang mit Geld.

Der Stadtsaal Wil bestach durch liebevolle Dekoration der diesjährigen Gastgeberinnen, der Vorstandsfrauen des Kantonalverbands St. Gallen - Appenzell. Im 19. und 20. Jahrhundert war St. Gallen berühmt für Stickerei und Spitze. In Anlehnung an die Textilkunst von damals, wies auch die Tischdekoration der Delegiertenversammlung Spitzenmuster auf und begrüsste die Anwesenden mit den Worten «Du bist spitze».

Hans Mäder, Stadtpräsident von Wil eröffnete sein Grusswort mit einer Beichte: Ich gestehe, es war mir bekannt, dass es den Frauenbund gibt, aber ich wusste nicht, was Sie alles machen.» Bei der Recherche für das Grusswort sei er erstaunt über das vielfältige Wirken und Engagement des Frauenbunds gewesen, so der Politiker. Maria Pappa, Stadtpräsidentin von St. Gallen, sprach über drei Dinge, die ihr am Herzen liegen: Freiwilligenarbeit in Vereinen, Engagement für eine glaubwürdige katholische Kirche und politische Mitgestaltung – alles Werte, die sie im Frauenbund erkenne.

«Es ist mir bewusst, wieviel Zeit und Engagement in eurer Vorstandsarbeit steckt», dankte die die ehemalige Blauring-Leiterin den SKF-Frauen. Nach ihrer Einbürgerung wollte Maria Pappa mehr, als bloss abstimmen. Dass sie mal Politikerin werden würde, habe sie nicht erwartet. «Als Seconda ohne Schweizer Staatsbürgerschaft hatte ich keine Chance, politisch mitzubestimmen», sagte die Tochter italienischer Einwander:innen. Umso wichtiger seien Freiwilligenarbeit und zivilgesellschaftliches Engagement für sie gewesen.

Frauen in der Männerkirche

«Die Weltkirche wird leider noch immer von Männern dominiert. Es fehlen die Frauen. Bischof Markus ist mir sicher nicht böse, denn er denkt genauso», sagte die Katholikin mit einem Augenzwinkern in die Richtung des Bischofs von St. Gallen, der sich unter den Gästen befand. Bischof Markus Büchel würdigte das Engagement der Gastgeberinnen: «Im Bistum St. Gallen haben wir hervorragende SKF-Frauen, die mit viel Liebe und Sorgfalt in die Vereine wirken.» Der SKF, fuhr der Bischof fort, erbringe eine ungeheure Leistung für die Gesellschaft und aus der Kirche heraus für die Frauen. Der Frauenbund sei für die Schweizer Bischofskonferenz SBK ein wichtiger Player.

Das Ressort «Frauen» in der SBK inne zu haben, sei eine grosse Herausforderung, gestand der Geistliche. Die SBK erhalte viele Anfragen und Anträge und es sei nicht immer leicht dem grossen Kommunikationsbedarf gerecht zu werden, so der Bischof. Ob er damit das Tempo der kirchenpolitischen Reformbestrebungen meinte, blieb offen. Bischof Markus Büchel dankte dem SKF für die Beteiligung an der Erneuerung der katholischen Kirche und allen, die sich synodal für die Entwicklung der Kirche einsetzen. «Ihr seid spitze, aber auch manchmal etwas spitzig. Das weckt auf und ich wünsche euch, dass es euch immer gelingt!», verabschiedete er sich charmant von der Bühne.

Lösungen für schwierige Situationen

Einige Mitglieder nutzten die Möglichkeit des «offenen Mikrofons» und bedankten sich beispielsweise für die Online-Angebote des Dachverbands, die es vielen Mitgliedern in der Corona-Pandemie ermöglichten, auch während des Versammlungsverbots ein lebendiges Vereinsleben aufrecht zu erhalten und SKF-Bildungsangebote in Anspruch zu nehmen. Auch zur geplanten Statutenänderung gab es eine rege Diskussion im Saal. Diese ergab, dass Ortsvereine in Regionen, in denen sich der Kantonalverband aufgelöst hat, nun neu die Möglichkeit haben, sich direkt dem Dachverband anzuschliessen. Die Erneuerungswahl des SKF-Verbandsvorstands lief reibungslos über die Bühne. Alle Vorstandsfrauen wurden wiedergewählt. Mit einem vielfältigen Vorstandsteam ist der SKF gewappnet für alle Herausforderungen der Zukunft.

«Sie müssen sich um Ihre Finanzen kümmern! Jede einzelne von Ihnen!»

Mit diesem Aufruf eröffnete Finanzjournalistin Anne-Barbara Luft ihr Inputreferat zum Thema Anlagestrategien. «Schweizer Frauen tun zu wenig im Bereich Finanzen. Studien dazu gibt es so viele, wie Männer mit Verwaltungsratmandaten», bemerkte sie ironisch. Die Gründe dafür seien historisch gewachsen: Bis 1976 brauchten Schweizerinnen beispielsweise noch die Erlaubnis ihres Ehemannes, um zu arbeiten oder ein Konto zu eröffnen. Den so entstandenen Rückstand im souveränen Umgang mit Finanzfragen spüre man noch heute.

Historisch gewachsen ist auch der Reformstau in der Alters- und Hinterlassenenversicherung (AHV). Wie der SKF diesen überwinden will und worin dabei das Dilemma besteht, präsentierte Co-Geschäftsleiterin Karin Ottiger. An der ersten «Konferenz der Kantonalverbände» vom 21. April wurde erstmals über eine konkrete politische Vorlage beraten und gemeinsam über die Haltung des Gesamtverbandes abgestimmt. Die Diskussionen in Kleingruppen zeigten das Dilemma, denn gemäss Leitbild setzt sich der Frauenbund für die Rechte und Interessen der Frauen ein, demnach wäre die Vorlage zur AHV-Revision abzulehnen. Andererseits setzt sich der SKF für eine solidarische Gesellschaft ein und müsste daher das revidierte Gesetz befürworten. Gemeinsam stimmten Dachverband und Kantonalverbände im April ab, informierte Karin Ottiger. Das Ergebnis: Die Vorlage zur Stabilisierung der AHV, über die Schweizer Stimmberechtigte im September 2022 abstimmen werden, wurde von der «Konferenz der Kantonalverbände» mit 21 Ja-Stimmen, acht Nein-Stimmen und drei Enthaltungen eindeutig befürwortet.

Kritischen Stimmen nicht den Geldhahn zudrehen

Daniel Kosch, Generalsekretär der Römisch-Katholischen Zentralkonferenz (RKZ), dem Dachverband der Landeskirchen, sprach darüber, was Synodalität, Solidarität und Finanzen miteinander zu tun haben. Die kritische Stimme des SKF sei oft ein Argument gegen die finanzielle Unterstützung durch die RKZ – aber ebenso oft auch ein Grund dafür, erklärte er. «Kritische Stimmen darf man nicht sanktionieren, indem man ihnen die finanzielle Unterstützung entzieht», so der Befürworter einer partizipativen Kirche. Die RKZ leiste einen finanziellen Beitrag zum Wirken des SKF, weil im Frauenbund wichtige Arbeit geleistet werde, so Daniel Kosch. Für eine Erneuerung der Kirche seien auch in den kirchlichen Gremien und in den Strukturen der Landeskrichen Menschen nötig, die wissen, was Frauen in der katholischen Kirche wollen, lobte er das kirchenpolitische Engagement des Dachverbandes und richtete sich alsgleich an die anwesenden Frauen aus Kantonalverbänden und Ortsvereinen: «Es braucht die Bereitschaft, auf Mittel zu verzichten, damit auf der nächsthöheren Ebene gesamtschweizerische Lösungen gefunden werden können von denen Ortsvereine und Kantonalverbände profitieren».

Der Schweizerische Katholische Frauenbund SKF dankt allen Frauen aus Kantonalverbänden und Ortsvereinen, allen Einzelmitgliedern und Gästen für die Teilnahme an der Delegiertenversammlung 2021. Das Protokoll wird in Kürze zur Verfügung gestellt. Die Fotos von Fotograf Izedin Arnautovic gibt es schon jetzt.

Wer sich spirituell nochmals an die Delegiertenversammlung begeben möchte, kann dies mithilfe der Besinnung der Vorstandsfrauen Katharina Jost Graf und Miriam Christen-Zarri.

Spiritueller Ausklang der SKF-Delegiertenversammlung 2022

Sprechen von der Schönheit des Lebens

Auch wenn er etwas in den Hintergrund geraten ist, aber eigentlich ist unser Impuls immer noch «make up! – wir machen die Welt schöner». Aber wir wissen es, wir wissen es in diesen Monaten und Wochen nur zu gut:
Sie ist nicht schön, die Welt. Es ist Krieg. Längst nicht nur in der Ukraine. Auch in Syrien, in Afghanistan, im Jemen, in Somalia...Der Hunger wird grösser. Vor allem die Kinder trifft es am meisten.


Immer mehr Menschen werden in der nächsten Zeit von Armut betroffen sein, auch hier in der Schweiz. Und so schön das Sommergefühl im Mai ist, der Klimawandel setzt sich fort – unerbittlich. In all dem und mit unserem Impuls «make up!» im Ohr, haben wir uns für den Ausklang leiten lassen von einem Gedicht von Erich Fried. Er spricht im Gedicht von Wärme. Wir sprechen von Schönheit.

Sprechen von der Schönheit des Lebens,
damit doch einige wissen,
es ist nicht schön,
aber es könnte schön sein.

Sprechen von der Schönheit des Lebens:
Erzählen vom Blumenladen,
der seine Tür wieder öffnete
in der vom Krieg versehrten Stadt Irpin.

Sprechen von der Schönheit des Lebens:
Worte formen, die Schönes erschaffen:
Baum, Blume, Meer, Himmel
Schwester, Freundin, Frauenbande
Frieden, Gerechtigkeit
und…

Sprechen von der Schönheit des Lebens:
beschreiben die empfundene Freude
über das Keimen und Wachsen der gesäten Blumensamen im Garten,
über den Duft des Basilikums und der Minze
und den Flug der Bienen und des Sommervogels.

Sprechen von der Schönheit des Lebens:
erinnern das unbändige Lachen
und die gelöste Stimmung am lauen Sommerabend,
die guten, echten Gespräche
und den geglückten Moment.

Sprechen von der Schönheit des Lebens:
das erlösende Wort nach dem Streit
wieder und wieder sagen.
Einstimmen in das Lied mit der berührenden Melodie
Den Tränen ihren Platz geben
und das Jauchzen rauslassen.

Sprechen von der Schönheit des Lebens,
damit doch einige, damit viele wissen,
es ist nicht schön,
aber es könnte schön sein.

 

Segen

Tief verwurzelt und ausgestreckt zum Himmel
mögest du gehen

Den Schmerz der Welt mögest du sehen
aber darüber die Schönheit des Lebens nicht vergessen

Von der Schönheit des Lebens mögest du sprechen
und sie aussäen

Und vergiss nicht, du gehst nicht allein,
wir sind viele und göttliche Lebenskraft, göttliche Schönheit, göttliche Weisheit
ist mit uns.