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News 24.03.2022 | Elisabethenwerk – Ethik – Gerechtigkeit – Not – Solidarität

So wirkte das Elisabethenwerk 2021

Das Elisabethenwerk war auch im zweiten Corona-Jahr stark gefordert. Trotz längerer und kürzerer Teil-Lockdowns in unseren Projektländern konnten die Projekte erfolgreich umgesetzt und die Ziele erreicht werden. 48 Projekte haben wir 2021 unterstützt. Unsere kleinen Projekte für armutsbetroffene Frauen erwiesen sich als einmal mehr als sehr belastbar.

Empowerment von weiblichen Jugendlichen und jungen Frauen in einem Slum in Bhubaneswar, Indien. Foto: VIEWS

Auf die sich laufend verändernde Situation konnten wir schnell reagieren und die Projekte den Erfordernissen anpassen. Dazu gehören Sonderbeiträge zur Behebung von Unwetterschäden in einem Nähcenter für junge Frauen oder die Abgabe von Lebensmitteln und Seife an Familien zur Prävention von häuslicher Gewalt während des Lockdowns in Uganda.

 

Uganda 21 Projekte Fr. 234'747.–
Indien/Sri Lanka        20 Projekte        Fr. 194'656.–
Bolivien 7 Projekte Fr. 63'360.–

 

Insgesamt setzte das Elisabethenwerk im Jahr 2021 Fr. 887’638 für seine Arbeit ein. Treibstoff ist in Uganda während der Pandemie massiv teuer geworden. Das wirkte sich auch auf die Projektkosten aus.

Schulschliessungen schmälerten Zukunftschancen

Erst im Januar 2022 öffneten in Uganda nach zweijähriger Schliessung die Schulen wieder. Die lange Zeit ohne Schulunterricht traf junge Frauen besonders hart. Die Frauen mussten zuhause bleiben und konnten die Schule nicht abschliessen. Das führte zu mehr Schwangerschaften bei Teenagern. Oft werden die jungen Frauen dann von ihren Familien verstossen und sind auf sich allein gestellt. Ohne Unterstützung finden sie kaum mehr Anschluss, die Aussichten auf eine Ausbildung sinken drastisch. Das Elisabethenwerk startete deshalb im Jahr 2021 in Uganda mehrere Projekte für junge School-Dropouts. Eines davon liegt im westlichen Teil von Uganda und richtet sich an 600 junge Frauen unter 16 Jahren. Zur Einkommensgenerierung lernen sie praktisches Handwerk wie Coiffure, Weben, Flechten, Herstellung von Papiertüten und von Damenbinden etc. Dazu kommen Kurse zur Produktion von Flüssigseife, Schulungen zur Prävention vor HIV/Aids und natürlich vor dem Coronavirus. Aufgrund der Coronavorschriften fanden die Kurse 2021 in kleineren Gruppen statt. Die jungen Frauen lernten ihre Rechte kennen und vernetzten sich. Diese Vernetzung stärkte den Zusammenhalt und förderte den Austausch untereinander.

Digitalisierung kennt nicht nur Gewinner:innen

Aus Indien berichteten unsere Konsulentinnen, dass Kinder nach der langen Absenz vom Unterricht den Weg in die Schule verlernt hatten. Während der Lockdowns stellten manche Schulen auf Online-Unterricht um. Voraussetzung dafür sind u.a. Smartphones oder Computer, eine stabile Stromversorgung und Handyempfang sowie Lehrpersonen mit den entsprechenden Kenntnissen. In vielen Gegenden Indiens, in denen das Elisabethenwerk aktiv ist, sind diese Voraussetzungen nicht gegeben. Für die bereits durch ihre Herkunft benachteiligten Kinder bedeutet dieser Digitalisierungsschub, dass sich die Armutsschere noch weiter öffnet. «Die Schulschliessungen haben die Zukunftschancen wohl für viele geschmälert», befürchtet Sr. Rajni, unsere Konsulentin für Nordindien und stellt fest: «Wegen der Pandemie sind die Armen noch ärmer geworden.» Kinder auf dem Land ohne Smartphone verpassten Schulstunden und Ersatzunterricht, und die Kosten für den Internetzugang haben sich erhöht. Andererseits nutzten Projektmitarbeiter:innen die digitalen Kanäle für Online-Psychotherapie und versuchten mit kreativen Initiativen, die Menschen zu erreichen.

Nothilfe für die Gesundheit

Unsere Projektpartner:innen verteilten Lebensmittelpakete, Hygiene-Utensilien und Medikamente, organisierten Covid-Tests, bildeten Gesundheitsfachleute aus und vernetzten sich mit anderen Akteuren.

In einem Projekt in Bolivien für die Frauen der indigenen Minderheit der Uru, beschlossen die Frauen, zusätzlich zu den ohnehin geplanten Aktivitäten, einen Kurs zur Herstellung traditioneller Kräutermedizin zu organisieren, v.a. gegen Atemwegserkrankungen. Die Teilnehmerinnen des Kurses stellen ihre eigenen Tees, Säfte und Wickel her, womit ihre Ausgaben für Medikamente verringert werden konnten.

Leider verloren wir in unseren Projektländern auch Projektmitarbeiter:innen durch die Pandemie.

Neben den ausserordentlichen, pandemiebedingten Aktivitäten führten wir in allen Projektländern unsere ordentlichen Projekte mit viel Engagement weiter: Wir bauten Spargruppen auf und aus, organisierten Nachhilfeunterricht für junge Frauen, zeigten Frauen, wie sie mit neuen, biologischen Anbaumethoden mehr Reis oder Gemüse ernten können, vermittelten Tätigkeiten, mit denen sie ein Einkommen erzielen können, begleiteten Opfer häuslicher Gewalt und Frauenhandel und leisteten Präventionsarbeit, bildeten Rechtsschutz-Komitees, ermöglichten den Bau eines Brunnes, boten Ausbildungsmöglichkeiten und Gesundheitstrainings an, stärkten die Führungsfähigkeiten von Frauen für politische Ämter und unterstützten Frauen beim Einfordern ihrer Rechte. Diese und zahlreiche weitere Aktivitäten für armutsbetroffene Frauen führen wir im Jahr 2022 weiter. Jahr für Jahr fördern wir mehrere zehntausend Frauen und leisten einen aktiven Beitrag zur Armutsbekämpfung im globalen Süden.

 

 

Projektreise nach Bolivien

Im Rahmen des Monitorings und der Weiterentwicklung der Projektarbeit besuchen unsere Programmverantwortlichen alternierend jedes Jahr eines unserer Projektländer. Zusammen mit den Konsulentinnen besuchen sie verschiedene Projekte, tauschen sich mit den Projektteams aus und sprechen mit den geförderten Frauen der Gruppe über die Wirkung der Projekte und über ihre weiteren Bedürfnisse. Bei diesen Besuchen können sich die Programmverantwortlichen ein Bild über die bisher erreichten Ziele machen und Schwierigkeiten erkennen. Dank ihrer grossen Erfahrung können die Programmverantwortlichen wertvolle Inputs geben und die Projekte weiter voranbringen.

Die für 2020 geplante Projektreise nach Bolivien konnte aufgrund der Corona-Pandemie auch 2021 nicht stattfinden und musste erneut verschoben werden. Vorgesehen war ein Workshop mit verschiedenen Projektpartner:innen zum gegenseitigen Austausch und zur Vernetzung.

Einsatz gegen häusliche Gewalt und Teenage-Schwangerschaften in Uganda



Ein Film zeigt einen Einblick in die Projektarbeit der Basisorganisation. Das Elisabethenwerk unterstützt AWODA seit 2013 in unterschiedlichen Gemeinden des Distrikts Kyenjojo in Westuganda.

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Junge Frauen erlernen in Uganda die Herstellung von Flüssigseife. Foto: TWDG

Nähkurs für junge Frauen in einem Flüchtlingslager in Uganda. Foto: African Charity and Solidarity (ACS)

Junge Frauen, die die Schule abgebrochen haben, lernen in einem Projekt, wie sie als Coiffeuse ein Einkommen erzielen können. Uganda, Foto: TWDG

Produktion von Gesichtsmasken in Orissa, Indien. Foto: VIEWS

Coronapräventionskampagne in Orissa, Indien. Foto: VIEWS

Mahlzeitenabgabe für Kinder in einer renovierten Schule in einem Slum in Orissa, Indien. Foto: VIEWS

Kurs in Kräutermedizin zur Linderung von Atemwegserkrankungen im Zusammenhang mit Covid-19 bei den Uru-Frauen in Bolivien. Foto: Asociación Integral de Mujeres Artesanas, Turismo Agropecuario Urus Puñaca Tinta María

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