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News 02.06.2022 | Frauennetzwerk – Gleichstellung – Interessenvertretung – Kirche

Bericht über die Synodale Versammlung im Kloster Einsiedeln

Am 30. Mai trafen sich in Einsiedeln gut 60 Personen aus der ganzen Schweiz, um die Stellungnahme der Schweiz zum Synodalen Prozess zu diskutieren und zu verabschieden. Dabei waren neben allen Bischöfen der SBK diözesane Delegierte, Vertreterinnen und Vertreter der Anliegen von Armen und Randständigen, Migrantinnen und Migranten, Jugendlichen, Frauen, Ordensgemeinschaften, das Präsidium der Römisch-Katholischen Zentralkonferenz (RKZ) sowie Expertinnen und Experten aus Pastoral, Kirche und Theologie. SKF-Vorstandsfrau Iva Boutellier berichtet über den Tag.

Der Rahmen war stimmig: im Barocksaal des Klosters Einsiedeln wurde die Veranstaltung von Eugen Trost und Nadia Rudolf von Rohr moderiert- insgesamt hatten sie den Tag gut im Griff. Die Organisation lag beim Schweizerischen Pastoralsoziologischen Institut SPI. Das Kloster Einsiedeln bot eine unaufdringliche Gastfreundschaft an, Ruth Mory-Wigger animierte zum gemeinsamen Singen und P. Jean-Sébastien Charrière vom Kloster Einsiedeln steuerte passende Meditationen zum Evangelium über die Emmaus-Jünger bei.

Ringen um Formulierungen

Das zu beratende Papier (zum Entwurf auf der Website der SBK) war von der Pastoralkommission der SBK erarbeitet worden, als Synthese der Berichte aus den Bistümern zum Synodalen Prozess. Schon im Vorfeld wurde immer wieder bemerkt, dass der Entwurf der Pastoralkommission gut ist, nichts beschönigt, den Finger auf die wunden Punkte legt, ohne aggressiv oder anbiedernd zu sein. Deshalb war das Papier an der Versammlung selbst unbestritten. Dennoch wurde intensiv diskutiert, was noch oder anders hineingehören würde.

Es gab zu Beginn Sprachgruppen in Deutsch und Französisch – in jeder Gruppe war ein Bischof dabei. In einem zweiten Rundgang wurden dann die Gruppen auch sprachlich gemischt, im dritten Teil wurde dann wieder nach Sprachen (und somit nach Regionen) diskutiert. Die Resultate wurden auf Plakaten festgehalten. Soweit es zu überblicken war, wurde der Entwurf in den Diskussionen nicht verwässert, sondern eher mit einzelnen Formulierungen geschärft. Die Anmerkungen werden nun einem Redaktionsteam mitgegeben, das die Schlussredaktion macht: Prof. Eva-Maria Faber aus Chur und Philippe Hugo aus Lausanne werden zu tun haben!

Auch ein Auftrag an die Kirche Schweiz

Im zweiten Teil des Nachmittags ging es darum, Themen zu identifizieren, die auf nationaler oder sprachregionaler Ebene in der Schweiz weiter behandelt werden sollen. Hier wurde die Arbeit etwas chaotisch, denn auf den Kärtchen fand sich wenig Konkretes, dafür viele Haltungen und allgemeine Impulse. Auch der Versuch, die Themen der Kärtchen im Plenum national und sprachregional besser zu sortieren, verlief eher unbefriedigend.

Zum Schluss wurden die Resultate des Tages symbolisch an Renata Asal-Steger für die RKZ und Bischof Felix Gmür für die SBK übergeben. Dabei wurde ausdrücklich gesagt, dass die Anliegen im Papier auch für die Kirche Schweiz wegleitend sind und sein müssen. Das versöhnte ein wenig mit dem unbefriedigenden Resultat der Arbeit mit den Kärtchen– man wird die Bischöfe und die RKZ daran messen müssen.

Vor der Veranstaltung hat die Allianz Gleichwürdig Katholisch vor dem Eingang des Klosters einen roten Teppich für Freund:innen der Synodalität ausgerollt und Traubenzucker für genügend Energie während des wichtigen Tages verteilt. Die Aktion kam bei den Teilnehmer:innen gut und positiv an. Sie wurde sogar in der Medienmitteilung der SBK erwähnt. Die Bischöfe allerdings nahmen nach der morgendlichen Messe einen anderen Eingang zum Tagungsort – vermutlich nicht absichtlich. Nach der Veranstaltung gab es noch einen Apéro im Klosterhof.

Unterschiedliche Regionen, verschiedene Wahrnehmung

Die Atmosphäre am Tag war immer wohlwollend, die Diskussionen intensiv und in meinen Augen bis auf wenige Ausnahmen konstruktiv und wertschätzend. Auch die Bischöfe waren engagiert dabei, es scheint, dass sie zumindest nach aussen verstanden haben, dass die Sache wichtig ist.

Spannend war einmal mehr, die Unterschiede in der Wahrnehmung, der Realität und den Vorstellungen von Kirche in der deutschsprachigen und der lateinischen Schweiz zu beobachten. Als nach «Herzensanliegen» und «zusätzlichen Themen» gefragt wurde, war auf den französischen Plakaten oft der Heilige Geist, die persönliche Umkehr oder der gemeinsam gelebte Glaube. Auf den deutschsprachigen Plakaten kamen öfter die Frauen oder Strukturfragen. Doch es wurde auch immer wieder gesagt, dass solche Strukturfragen, der Umgang mit Macht und die Stellung der Frau auch in der Romandie grosse Themen sind, sie werden einfach noch seltener klar in Worte gefasst – so gross sind die Unterschiede manchmal dann doch nicht.

Vorwärts in kleinen Schritten?

Die Frage bleibt, was vom Tag, vom Papier und dessen Inhalt nachhaltig ist und wie es weitergeht. Zumindest offiziell wurde betont, dass die Forderungen und Anliegen nicht Papier bleiben dürfen und werden. Im gesamtkirchlichen Synodalen Prozess steht nun die nächste Etappe an: der Schweizer Bericht geht nach Rom, in Rom wird aus den Länderberichten ein Arbeitspapier (Instrumentum laboris) erstellt, das dann in den kontinentalen Synoden besprochen werden soll. Die Idee besteht, dass das römische Arbeitspapier in der Schweiz auch noch synodal angeschaut werden soll. Wie und wann ist aber noch lange nicht klar.

Ich bleibe nach diesem Tag vorsichtig optimistisch. Die Tatsache, dass die Aktion der Allianz positiv in der Medienmitteilung erwähnt wird, der Umgangston in der Versammlung, die intensiven Diskussionen zeigen mir, dass heute schon vieles möglich ist, was noch vor einigen Jahren unmöglich war. Die Differenzen bleiben und werden immer wieder auch klar benannt, aber Gesprächsabbrüche sind selten. Was immer wieder gesagt wurde: Synodalität muss man lernen, die Bischöfe wie das «Kirchenvolk» – und niemand hat ein Monopol auf das richtige Verständnis der Synodalität. Der von den Vertreter:innen der Romandie so oft erwähnte Heilige Geist hat noch einiges zu tun – wenn man ihn/sie lässt!

Blick in den Barocksaal des Klosters Einsiedeln

Das Moderationsteam

Synodal verkabelt...

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