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News 02.07.2026 | Gleichstellung – Interessenvertretung – Kirche

10 Jahre «Kirche mit* den Frauen»: Frauenbund Schweiz reist zum Jubiläumsbesuch nach Rom mit

Vom 2. bis 5. Juli 2026 reist eine Delegation von 18 Frauen aus allen Diözesen der Schweiz zu einem Ad-Limina-Besuch nach Rom. Mit dabei ist Barbara Schmid-Federer als Vertreterin des Frauenbund Schweiz. Die Reise führt die Delegation zu Begegnungen mit Vertreterinnen des Vatikans, internationalen katholischen Frauenorganisationen sowie weiteren kirchlichen Akteurinnen und knüpft an das zehnjährige Jubiläum des Projekts «Kirche mit* den Frauen» an.

Ein wichtiger Schritt für die internationale Vernetzung

Für Frauenbund Schweiz ist die Reise weit mehr als ein Jubiläumsanlass. Traditionell bezeichnet ein Ad-limina-Besuch den regelmässigen Besuch von Bischöfen in Rom. Dabei berichten sie dem Papst und den vatikanischen Behörden über die Situation in ihren Diözesen und tauschen sich über aktuelle kirchliche und pastorale Fragen aus. Die Jubiläumsreise greift diesen traditionsreichen Begriff bewusst auf und interpretiert ihn neu: Frauen aus allen Diözesen der Schweiz reisen nach Rom, um ihre Perspektiven einzubringen, mit Vertreter:innen des Vatikans sowie internationalen katholischen Netzwerken ins Gespräch zu kommen und die Anliegen von Frauen in der Kirche sichtbar zu machen. Für Barbara Schmid-Federer steht bietet die Reise die Möglichkeit, bestehende internationale Beziehungen zu vertiefen, neue kirchenpolitische Kontakte zu knüpfen und die Anliegen des Frauenbund Schweiz im internationalen katholischen Netzwerk einzubringen.

Begegnungen mit Vertreterinnen des Vatikans

Im Vatikan stehen Gespräche mit Frauen auf dem Programm, die an zentralen Stellen der Weltkirche tätig sind und wichtige Reformprozesse mitprägen. Vorstandsfrau Barbara Schmid-Federer stellt fest: «In den vergangenen zehn Jahren hat sich etwas bewegt. So wurden beispielweise Kaderpositionen im Vatikan mit Frauen besetzt. Auf der anderen Seite sind wir noch weit davon entfernt, die Gleichberechtigung erreicht zu haben. Es ist der Kernauftrag des Frauenbund Schweiz, diese Ungerechtigkeit anzumahnen und wo möglich zu beheben». Geplant sind Begegnungen mit:

  • Schwester Nathalie Becquart, Untersekretärin des Synodensekretariats und eine der prägenden Persönlichkeiten des weltweiten synodalen Prozesses der katholischen Kirche.
  • Schwester Linda Pocher, Theologin und Beraterin des Papstes zu Fragen der Rolle der Frau in der Kirche.
  • Linda Ghisoni, Untersekretärin des Dikasteriums für Laien, Familie und Leben. Das Dikasterium entwickelt unter anderem die weltkirchlichen Leitlinien zur Beteiligung von Laien, zur Familienpastoral und zur Förderung der Stellung von Frauen in der Kirche.

Austausch mit internationalen Partnerinnen

Neben den Gesprächen im Vatikan trifft die Delegation auch Frauen, die sich international für Reformen und die Gleichberechtigung in der katholischen Kirche engagieren. Dazu gehören:

  • Kate McElwee, Direktorin der Women's Ordination Conference und international bekannte Stimme für die Gleichberechtigung von Frauen in der katholischen Kirche.
  • Schwester Maria Cimperman, Vertreterin der Internationalen Vereinigung der Generaloberinnen (UISG), die sich weltweit für Synodalität und die Mitwirkung von Frauen in kirchlichen Leitungsprozessen engagiert.
  • Lavinia Rocchi Carrera, Generalsekretärin der Weltunion der katholischen Frauenverbände (WUCWO). Im Rahmen dieses Treffens wird Barbara Schmid-Federer zudem die mögliche Mitgliedschaft des Frauenbund Schweiz im weltweiten Netzwerk katholischer Frauenorganisationen thematisieren.

Ergänzt wird das Programm durch Begegnungen mit der Schweizer Botschafterin beim Heiligen Stuhl sowie mit Mario Galgano von Vatican News.

 

Barbara Schmid-Federer im Gespräch

Was bedeutet es für Dich persönlich und für den Frauenbund Schweiz, am Ad-Limina-Besuch in Rom teilzunehmen? Was möchtest Du mit dieser Reise erreichen?

«Ich habe grosse Ehrfurcht vor den Frauen, welche vor 10 Jahren nach Rom gepilgert sind, um ein Zeichen zu setzen für die Gleichberechtigung in der katholischen Kirche. Nun freut es mich, dass ich die Fackel übernehmen und mit einer Nachfolgereise nach Rom die Flamme weitertragen kann. Gerade in einer Zeit des Backlash ist es wichtig, dass Frauen aus allen Sparten das Feuer am Leben erhalten.»

Welche Bedeutung hat diese Reise aus Deiner Sicht für den Frauenbund Schweiz und sein Engagement für die Gleichberechtigung von Frauen in der katholischen Kirche?

Der Frauenbund Schweiz hat unlängst beschlossen, dem Weltdachverband WUCWO als Vollmitglied beizutreten. Die Weltunion der katholischen Frauenverbände (WUCWO) ist das weltweit grösste Netzwerk katholischer Frauenorganisationen und vertritt Millionen von Frauen gegenüber dem Vatikan sowie in internationalen Gremien wie den Vereinten Nationen. Mit der Mitgliedschaft wollen wir unsere Stimme im internationalen Umfeld weiter verstärken. Ich werde in Rom die Generalsekretärin der WUCWO, Lavinia Rocchi Ferrari treffen und die gemeinsamen strategischen Schwerpunkte besprechen. Diese Zusammenarbeit stärkt unsere Arbeit, bringt neue Impulse und macht unsere Stimme in Kirche und Gesellschaft auch über die Landesgrenzen hinaus hörbar.»

Im Rahmen der Reise triffst Du unter anderem Schwester Nathalie Becquart, Untersekretärin des Synodensekretariats und eine der prägenden Figuren des weltweiten synodalen Reformprozesses, Schwester Linda Pocher, Theologin und Beraterin des Papstes zu Fragen der Rolle der Frau in der Kirche, sowie Linda Ghisoni, Untersekretärin des Dikasteriums für Laien, Familie und Leben. Welche Hoffnungen verbindest Du mit diesen Begegnungen und Gesprächen im Vatikan?

«Diese Frauen in vatikanischen Schlüsselpositionen können Ihr Wirken nur entfalten, wenn sie ein weltweit spürbares Netzwerk an Frauen an ihrer Seite wissen. Dies gibt ihnen nicht nur wertvolle Inputs aus aller Welt, sondern es stützt auch ihre Position. Auf der anderen Seite ist es für uns Schweizerinnen wichtig zu erfahren, wo genau die Arbeit steht und welche Themen à jour sind. Der gegenseitige Austausch von Wissen und Erfahrung nährt beide Seiten für die zukünftige Arbeit.»

Der Hintergrund: Zehn Jahre «Kirche mit* den Frauen»

Die Reise nach Rom findet anlässlich des zehnjährigen Jubiläums von «Kirche mit* den Frauen» statt. Im Sommer 2016 pilgerten mehrere hundert Frauen und Männer rund 1'200 Kilometer von St. Gallen nach Rom. Neun Pilgerinnen und Pilger legten die gesamte Strecke zu Fuss zurück, zahlreiche weitere Menschen schlossen sich etappenweise an. Als die Gruppe am 2. Juli 2016 den Vatikan erreichte, wurde sie von Hunderten Menschen empfangen. Auch wenn Papst Franziskus die Pilgergruppe damals nicht persönlich empfing, fand ihr Anliegen weit über die Schweiz hinaus Beachtung – unter anderem durch eine breite Medienberichterstattung und den Dokumentarfilm Habemus Feminas.

Die zentrale Botschaft der Bewegung ist bis heute unverändert aktuell: In der katholischen Kirche sollen Männer nicht länger ohne Frauen über Frauen und über die Zukunft der Kirche entscheiden, sondern mit Frauen. Der Ad-Limina-Besuch versteht sich als Fortsetzung dieses Engagements. Zehn Jahre nach der Pilgerreise werden die Anliegen erneut in den Vatikan getragen und mit Vertreterinnen der Weltkirche diskutiert.

Ein Impuls für die kirchenpolitische Arbeit

Die Jubiläumsreise schafft Raum für Begegnungen, Dialog und den Ausbau internationaler Beziehungen. Die gewonnenen Erkenntnisse und geknüpften Kontakte werden in die nationale und internationale Vernetzungsarbeit des Frauenbund Schweiz einfliessen und das kirchenpolitische Wirken des Frauenbund Schweiz in den kommenden Jahren mitprägen. Gerade angesichts der weltweiten Reformdebatten innerhalb der katholischen Kirche sind internationale Partnerschaften und der direkte Austausch mit kirchlichen Entscheidungsträgerinnen sowie zivilgesellschaftlichen Akteurinnen von grosser Bedeutung.

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