Femizid
«Ein Femizid ist die Tötung einer Frau, weil sie eine Frau ist.» Diese häufig verwendete Definition klingt eindeutig und sorgt dennoch für Missverständnisse. Wann ist die Tötung einer Frau ein Femizid? Geht es um die individuellen Motive des Täters, um gesellschaftliche Strukturen oder um beides?
Femizide verletzen nicht nur die Würde von Frauen, sondern auch die göttliche Schöpfung. Als katholische Frauenorganisation tragen wir die Verantwortung, hinzuschauen, aufzuklären und gemeinsam Wege zu finden, damit Frauen in Sicherheit, Würde und Gleichberechtigung leben können.
Femizid oder Feminizid?
Im feministischen und wissenschaftlichen Diskurs wird teilweise zwischen den Begriffen Femizid und Feminizid unterschieden. Der Begriff Femizid beschreibt die geschlechtsspezifische Tötung einer Frau oder eines Mädchens. Der Begriff Feminizid erweitert den Blick: Er fragt auch nach den gesellschaftlichen, institutionellen und staatlichen Bedingungen, unter denen solche Taten geschehen oder nicht verhindert werden.
Wurden Warnsignale ernst genommen? Wurde eine Gefährdung richtig eingeschätzt? Hatte die betroffene Frau Zugang zu wirksamen Schutzmassnahmen? Haben Polizei, Justiz, Behörden und Fachstellen angemessen zusammengearbeitet? Der Begriff Feminizid macht deutlich, dass nicht nur die Verantwortung des Täters betrachtet werden muss. Auch gesellschaftliche Strukturen, politische Rahmenbedingungen und mögliche institutionelle Versäumnisse gehören in den Blick. Frauenbund Schweiz versteht geschlechtsspezifische Tötungen deshalb nicht ausschliesslich als individuelle Gewalttaten. Sie sind Ausdruck eines gesellschaftlichen Problems, das umfassende Prävention, wirksamen Opferschutz und konsequentes staatliches Handeln erfordert.
Podium am 1. Oktober 2026 in Zürich
Feminizide und die Rolle gesellschaftlicher Normen
Warum werden Frauen Opfer tödlicher Gewalt? Welche Rolle spielen gesellschaftliche Machtverhältnisse, Geschlechterbilder und staatliche Strukturen? Eine Einführung und ein Podiumsgespräch beleuchten die Hintergründe von Femi(ni)ziden und fragen, was es für eine wirksame Prävention braucht.
Donnerstag, 1. Oktober 2026
19.00 bis 20.30 Uhr
Paulus Akademie
Pfingstweidstrasse 28, Zürich
Die Anmeldung ist ab sofort bis zum 27. September 2026 möglich. Eine Kooperationsveranstaltung der Paulus Akademie und des Frauenbund Schweiz.
Unser Paper zum Thema Femizid
Der Frauenbund Schweiz hat ein ausführliches Paper mit dem Titel «Gewalt gegen Frauen – eine Wunde unserer Gesellschaft» veröffentlicht. Der Text steht hier als PDF-Dokument zum Herunterladen bereit.
Gleichstellung verhindert Gewalt
Das Positionspapier versteht der Frauenbund Schweiz als Beitrag zur ersten nationalen Präventionskampagne gegen häusliche, sexualisierte und geschlechtsbezogene Gewalt, die am 11. November 2025 lanciert wurde. Die Kampagne «Gleichstellung verhindert Gewalt» wurde vom Eidgenössischen Büro für die Gleichstellung von Frau und Mann (EBG) in Zusammenarbeit mit einer breit abgestützten Allianz von Regierungs- und Nichtregierungsorganisationen entwickelt und wird sich über mehrere Jahre erstrecken. www.ohne-gewalt.ch
Femizide und die Istanbul-Konvention
Der Frauenbund misst der Istanbul-Konvention grosse Bedeutung zu. Das Abkommen des Europarates verpflichtet die Staaten, Gewalt gegen Frauen zu verhindern, Betroffene zu schützen und Täter strafrechtlich zu verfolgen. Femizide – die Tötung von Frauen aufgrund ihres Geschlechts – sind die extremste Form einer Gewaltspirale, die oft mit psychischer Gewalt beginnt. Die Schweiz hat die Istanbul-Konvention ratifiziert und damit die Verantwortung übernommen, Frauen wirksam vor Gewalt zu schützen.
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