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News 10.07.2026 | Frauennetzwerk – Interessenvertretung – Kirche

10 Jahre «Kirche mit* den Frauen»: Frauenbund Schweiz stärkt seine internationale Vernetzung

Zehn Jahre nach der historischen Pilgerreise «Kirche mit* den Frauen» reiste Anfang Juli erneut eine Delegation engagierter Schweizer Katholikinnen nach Rom. Anlass war das Jubiläum einer Bewegung, die sich seit 2016 für eine synodale Kirche einsetzt, in der Frauen und Männer gemeinsam Verantwortung tragen. Die Pilgerinnen fordern die gleichberechtigte Teilhabe von Frauen an kirchlichen Entscheidungsprozessen und setzen auf den Dialog mit Verantwortlichen im Vatikan, um Veränderungen anzustossen.

Gemeinsam in Rom: Die Teilnehmerinnen der Ad-limina-Reise «Kirche mit* den Frauen» engagierten sich im Jubiläumsjahr 2026 für Gleichberechtigung, Teilhabe und den Dialog über die Zukunft der Kirche.

Die Ad-limina-Reise zum 10. Jubiläum wurde gemeinsam mit den Initiantinnen der ersten Pilgerreise geplant und von Helena Jeppesen-Spuhler massgeblich organisiert und begleitet. Als eine der prägenden Persönlichkeiten des synodalen Reformprozesses in der Schweiz und stimmberechtigte Teilnehmerin der Weltsynode in Rom öffnete sie der Delegation Türen und ermöglichte Begegnungen mit zentralen Akteurinnen der Weltkirche. Für den Frauenbund Schweiz nahm Barbara Schmid-Federer, Mitglied des Verbandsvorstands, an der Reise teil. Die ehemalige Nationalrätin setzt sich seit vielen Jahren für gesellschaftlichen Zusammenhalt, Familienpolitik und den Dialog zwischen Kirche und Gesellschaft ein.

Traditionell bezeichnet ein ein Ad-limina-Besuch den regelmässigen Besuch von Bischöfen in Rom. Dabei berichten sie dem Papst und den vatikanischen Behörden über die Situation in ihren Diözesen und tauschen sich über aktuelle kirchliche und pastorale Fragen aus. Die Jubiläumsreise greift diesen traditionsreichen Begriff bewusst auf und interpretiert ihn neu: Frauen aus allen Diözesen der Schweiz reisen nach Rom, um ihre Perspektiven einzubringen, mit Vertreter:innen des Vatikans sowie internationalen katholischen Netzwerken ins Gespräch zu kommen und die Anliegen von Frauen in der Kirche sichtbar zu machen. 

Internationale Vernetzung schafft Wirkung

«Kirche mit* den Frauen» fordert, dass Frauen auf allen Ebenen der Kirche Verantwortung übernehmen und an Entscheidungen beteiligt werden. Veränderungen wollen sie im Dialog mit Verantwortlichen im Vatikan voranbringen. Die Reise bot der Delegation die Möglichkeit, mit Frauen und weiteren Persönlichkeiten ins Gespräch zu kommen, die an zentralen Schnittstellen der Weltkirche Verantwortung tragen. Die Begegnungen zeigten, dass sich Frauen weltweit mit grossem Engagement für mehr Mitverantwortung, Synodalität und eine zukunftsfähige Kirche einsetzen. Für den Frauenbund Schweiz eröffneten sie neue Möglichkeiten für den fachlichen Austausch, internationale Kooperationen und gemeinsame Projekte. Barbara Schmid-Federer kehrte mit grosser Zuversicht aus Rom zurück:

«Wir sind mit unseren Anliegen nicht allein. Weltweit engagieren sich Frauen mit grosser Kompetenz, Beharrlichkeit und Hoffnung für eine Kirche, in der alle Menschen ihre Charismen einbringen und Verantwortung übernehmen können. Teil dieses Netzwerks zu sein, ist ein grosses Geschenk.»

Während vier Tagen führte die Delegation Gespräche mit Schwester Nathalie Becquart, Untersekretärin der Weltsynode, Linda Ghisoni, Untersekretärin des Dikasteriums für Laien, Familie und Leben, Manuela Leimgruber, Botschafterin der Schweiz beim Heiligen Stuhl, Mario Galgano von Vatican News, Lavinia Rocchi Carrera und María Lamas von der Weltunion der Katholischen Frauenorganisationen (WUCWO) sowie Schwester Maria Cimperman, Theologin und Exekutivdirektorin der internationalen Vereinigung der Generaloberinnen (UISG), und Schwester Roxane, Generalsekretärin der Organisation.

Synodalität lebt vom Dialog

Schwester Nathalie Becquart, Untersekretärin der Weltsynode und erste Frau mit Stimmrecht an einer Weltsynode, berichtete aus ihren weltweiten Erfahrungen und sprach über die unterschiedlichen Strömungen innerhalb der katholischen Kirche. Sie zeigte auf, welche Chancen und Herausforderungen der synodale Prozess mit sich bringt und wie Frauen diesen auf internationaler Ebene mitgestalten.

Linda Ghisoni, Untersekretärin des Dikasteriums für Laien, Familie und Leben, nahm sich Zeit, die Schweizer Delegation und ihr Engagement kennenzulernen. Sie betonte, dass Zusammenarbeit dort gelingt, wo persönliche Beziehungen entstehen. Wer einander kennt, könne Brücken bauen und gemeinsam Veränderungen voranbringen. Barbara Schmid-Federer zieht daraus folgendes Fazit: «Ich habe den Eindruck gewonnen, dass wir mit unseren Anliegen nicht allein sind. Frauen auf der ganzen Welt arbeiten mit grosser Kompetenz und Beharrlichkeit daran, Kirche mitzugestalten.»

WUCWO: Ein weltweites Netzwerk katholischer Frauen

Ein weiterer Schwerpunkt der Reise war der Austausch mit der Weltunion der Katholischen Frauenorganisationen (WUCWO). Generalsekretärin Lavinia Rocchi Carrera und María Lamas gaben der Schweizer Delegation Einblicke in die Arbeit der weltweit tätigen Organisation und ihre Schwerpunkte in den Bereichen Synodalität, Bildung und internationale Vernetzung.

Die WUCWO vertritt katholische Frauenorganisationen auf allen Kontinenten und bringt deren Anliegen in internationale Gremien ein, unter anderem bei den Vereinten Nationen, dem Europarat, der UNESCO und Caritas Internationalis. María Lamas stellte zudem die «WUCWO School for Synodality» vor, ein internationales Bildungsprogramm, das Frauen darin stärkt, Verantwortung in Kirche und Gesellschaft zu übernehmen und sich aktiv in synodale Prozesse einzubringen.

Ein wichtiges Zukunftsthema für den Frauenbund Schweiz war das Gespräch über das Aufnahmegesuch als Vollmitglied der WUCWO. Barbara Schmid-Federer tauschte sich dazu mit Lavinia Rocchi Carrera aus. Der Vorstand der WUCWO entscheidet im Oktober 2026 über die Aufnahme, die Bestätigung durch die Vollversammlung ist für 2027 vorgesehen.

UISG: Ein Netzwerk, das Hoffnung macht

Zu den eindrücklichsten Begegnungen der Reise gehörte das Treffen mit Schwester Maria Cimperman, Theologin und Exekutivdirektorin der internationalen Vereinigung der Generaloberinnen (UISG), sowie Schwester Roxane, Generalsekretärin der Organisation.

Die UISG vernetzt weltweit rund 1'900 Frauenorden und engagiert sich für Bildung, Friedensförderung, soziale Gerechtigkeit und eine synodale Kirche. Schwester Maria Cimperman zeigte auf, wie Frauenorden weltweit Verantwortung übernehmen und ihre Erfahrungen in kirchliche Entscheidungsprozesse einbringen. Sie berichtete von den Vorbereitungen der Weltsynoden und erläuterte, wie die UISG Perspektiven von Frauen aus aller Welt bündelt und in die Beratungen einbringt.

Besonders bewegend war für Barbara Schmid-Federer der Hinweis auf Paragraph 60 des Schlussdokuments der Weltsynode 2024. Darin wird die gleiche Würde von Frauen und Männern bekräftigt und anerkannt, dass Frauen innerhalb der Kirche weiterhin auf Hindernisse stossen, ihre Charismen voll einzubringen. Schwester Maria Cimperman bezeichnete diesen Fortschritt als Ergebnis eines langen gemeinsamen Engagements.

Brücken zwischen der Schweiz und der Weltkirche

Beim Besuch in der Schweizer Botschaft beim Heiligen Stuhl empfing Botschafterin Manuela Leimgruber die Delegation und gab Einblicke in die diplomatischen Beziehungen zwischen der Schweiz und dem Heiligen Stuhl. Sie zeigte auf, welche Rolle die Botschaft im Austausch zwischen der Schweiz und der Weltkirche einnimmt und wie der Vatikan internationale Zukunftsthemen, etwa die Künstliche Intelligenz, frühzeitig aufgreift.

Das Gespräch mit Mario Galgano von Vatican News bot Einblicke in die internationale kirchliche Medienarbeit. Er erläuterte, wie Sprache und kulturelle Hintergründe die Berichterstattung prägen und weshalb seit der Weltsynode die Stimme der Laien («voix laïque») deutlich an Bedeutung gewonnen hat.

Mit Hoffnung zurück in die Heimat

«Insbesondere die Ordensfrauen Nathalie und Maria haben mich persönlich tief beeindruckt. Sie geben mir das Gefühl, dass wir Frauen ein stabiles Netzwerk haben mit bodenständigen Persönlichkeiten im Lead. Das ist ein krasser Gegensatz zu den männlichen Oligarchen weltweit und ich empfinde tatsächlich so etwas wie Hoffnung», schlussfolgert Barbara Schmid-Federer.

Zum Abschluss der Begegnungen überreichte die Delegation allen Gesprächspartner ein Exemplar des Buches über die Meilensteine von «Kirche mit* den Frauen». Es steht sinnbildlich für zehn Jahre Engagement für eine Kirche, in der Frauen und Männer gemeinsam Verantwortung tragen und den synodalen Weg gemeinsam gestalten.

Der Jubiläumsbesuch hat gezeigt: Die Anliegen von «Kirche mit* den Frauen» sind aktueller denn je: Eine Kirche, in der Frauen und Männer gemeinsam Verantwortung tragen, Frauen gleichberechtigt an kirchlichen Entscheidungsprozessen beteiligt sind und Veränderungen im Dialog entstehen. Als Teil dieses internationalen Netzwerks bringt der Frauenbund Schweiz die Perspektiven katholischer Frauen aus der Schweiz in die Weltkirche ein und trägt die Impulse des weltweiten Dialogs zurück zu seinen Mitgliedern.

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