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Medienmitteilungen 08.09.2022 |

Die Kirche als Sakrament für die Welt neu entdecken

Rund 100 Personen diskutierten an der Fachtagung «Sakramentalität und Kirche» über theologische Fundamente und neue Handlungsmöglichkeiten für das Feiern von Sakramenten. Die Veranstaltung fand am 6. September an der Universität Fribourg statt und wurde von der Schweizer Bischofskonferenz (SBK), deren Frauenrat sowie vom Schweizerischen Katholischen Frauenbund (SKF) im Rahmen der 337. ordentlichen Versammlung der SBK organisiert.

Neben den Bischöfen nahmen Theolog:innen, Seelsorgende, Vertreter:innen der Amtskirche und der Landeskirchen sowie Schlüsselfiguren der katholischen Erneuerungsbewegung an der Tagung teil. © Sarah Paciarelli / SKF

Jedes der sieben Sakramente der katholischen Kirche ist ein sichtbares Zeichen der erlösendenden Gegenwart Jesu Christi. In acht Referaten und mehreren Plenumsdiskussionen eruierten die Teilnehmer:innen der Fachtagung, welche Chancen und Herausforderungen sich ergäben, wenn die Leitung der Feier bestimmter Sakramente auch für nicht-geweihte Personen möglich wäre. Hierbei erfolgte eine Betrachtung aus praktischen, ekklesiologischen, pastoral- und liturgietheologischen sowie kirchenrechtlichen Perspektiven. Die Thematik wurde angesichts der Berufserfahrungen zahlreicher Seelsorgender – besonders in der Spital-, Altersheim- und Behindertenseelsorge – gewählt sowie aufgrund des Priestermangels, durch welchen vielerorts die Feiern der Sakramente heute eingeschränkt sind.

Suche nach praktikablen Lösungen

Die Bischofskonferenz, Theolog:innen, Seelsorgende, Vertreter:innen der Amtskirche und der Landeskirchen sowie Schlüsselfiguren der katholischen Erneuerungsbewegung der Schweiz erhielten Impulse von Expert:innen aus Lehre und Praxis, um im Anschluss eine mögliche Neugestaltung des pastoralen und sakramentalen Lebens der Katholischen Kirche in der Schweiz zu diskutieren. Dabei traten gegenwärtige Unterschiede in der Praxis der verschiedenen Bistümer hervor. In der Deutschschweiz nutzen z.B. die Bistümer St. Gallen und Basel bereits heute einen Passus im Kirchenrecht, sodass auch nicht-geweihte Männer und Frauen mit einer Beauftragung des Bischofs der Taufe vorstehen. In der Romandie und der italienischsprachigen Schweiz hingegen wird dies nicht praktiziert. Die Plenumsdiskussionen zeigten die Bedeutung und z.T. die Dringlichkeit systematischer und praktischer Lösungswege auf, die über punktuelle Ausnahmeregelungen hinausgehen sollten.

Nähe zu Menschen stärken

Auch in der Schweiz können die Bedürfnisse von Menschen nach seelsorgerischer Nähe und dem zeichenhaften Wirken Gottes nicht immer gestillt werden, weil geweihte Amtsträger für das Vorstehen von Sakramentenfeiern fehlen. Dabei existieren bereits Grundlagen, die es ermöglichen würden, auch nicht-geweihte Männer und Frauen mit der Leitung der Sakramentenfeier zu beauftragen, z.B. in den Dokumenten des Zweiten Vatikanischen Konzils, in denen eine Trennung von Amt und Sakramentenfeier angeregt wird. Es sind vor allem Seelsorger:innen, die täglich in ihrer Arbeit mit den praktischen und strukturellen Herausforderungen des Amtsverständnisses in der katholischen Kirche konfrontiert sind. Dies, weil sie Menschen teils über längere Zeiträume begleiten und eine Beziehung zu ihnen aufbauen, aber das Vorstehen der Sakramentenfeier dann einem Priester überlassen müssen, der schlimmstenfalls keine Beziehung zu den begleiteten Personen hat. An der Tagung zeigten einige Seelsorger:innen auf berührende Weise auf, wie die gegenwärtigen Bestimmungen in Bezug auf die Leitung der Sakramentenfeier die Praxis in der christlichen Gemeinschaft sowie das Bezeugen der christlichen Botschaft beeinflussen.

Handeln im synodalen Geiste

Die Tagung ist aus dem Prozess «Gemeinsam auf dem Weg zur Erneuerung der Kirche» heraus entstanden, den die SBK 2020, unter anderem mit dem Katholischen Frauenbund, aufgenommen hat. Die Erfahrungen der Fachtagung «Sakramentalität und Kirche» werden von der Arbeitsgruppe, die aus Mitgliedern beider Institutionen besteht, aufgenommen und bei den aktuellen Überlegungen im Rahmen des Synodalen Prozesses in der Schweiz mitberücksichtigt. Die Arbeitsgruppe wird sich bereits am 28. September wieder treffen, um eine erste Bilanz zu ziehen und die Fortsetzung zu planen. Im Rahmen ihrer Kompetenzen wird die Schweizer Bischofskonferenz die in die Tagung eingebrachten Erfahrungen in den Synodalen Prozess auf weltkirchlicher Ebene einbringen und sich für Reformen einsetzen, die es für eine gegenwärtige Erneuerung der Katholischen Kirche braucht.

 

Schweizer Bischofskonferenz (SBK)

Die Schweizer Bischofskonferenz wurde 1863 als die weltweit erste Versammlung der Bischöfe eines Landes gegründet, die regelmässig zusammentrifft, rechtlich strukturiert ist und sich mit kirchlichen Leitungsfunktionen befasst. Als Verein organisiert, ist sie ein Zusammenschluss der katholischen Bischöfe aller Diözesen sowie der Äbte der Territorialabteien der Schweiz. Oberstes Gremium ist die Vollversammlung aller Bischöfe, die jährlich viermal zusammentrifft. www.bischoefe.ch

SKF Schweizerischer Katholischer Frauenbund                                                                

Der SKF Schweizerischer Katholischer Frauenbund ist mit 120‘000 Mitgliedern, 17 Kantonalverbänden und 600 Ortsvereinen der grösste konfessionelle Frauendachverband der Schweiz. Der SKF engagiert sich für die Rechte aller Frauen in Gesellschaft, Kirche, Wirtschaft und Politik. www.frauenbund.ch

Isabelle Vernet ist Studierendenseelsorgerin an der École hôtelière de Lausanne. Auch koordiniert sie die katholische Freiwilligenarbeit in der Waadt. © Sarah Paciarelli / SKF

Joseph Bonnemain, Bischof von Chur, hört einer Teilnehmerin zu, die ihre Erfahrungen schildert. © Sarah Paciarelli / SKF

Daniel Kosch, Generalsekretär der Römisch-katholischen Zentralkonferenz der Schweiz. © Sarah Paciarelli / SKF

Simone Curau-Aepli, SKF-Präsidium; Monika Hungerbühler, feministische Theologin und Seelsorgerin; Maryan Herr, Frauenrat SBK und Mentari Baumann, Geschäftsführerin der Allianz Gleichwürdig Katholisch (v.l.n.r.). © Sarah Paciarelli / SKF

Marlies Höchli-John, Frauenrat SBK und Irene Gassmann, Priorin des Klosters Fahr, im Gespräch mit Davide Pesenti, Generalsekretär SBK. © Sarah Paciarelli / SKF

Schwester Birgit Weiler reiste aus Peru an, um über ihre Erfahrungen im Amazonas zu sprechen. Die Ordensfrau lebt und arbeitet seit gut dreissig Jahren in Peru und lehrt an der Jesuitenuniversität Antonio Ruiz de Montoya in Lima. © Sarah Paciarelli / SKF

Moritz Bauer, Bundespräses Jungwacht Blauring Schweiz. © Sarah Paciarelli / SKF

Schwester Birgit Weiler (links oben) neben Helena Jeppesen (mittig oben), die sich in der Allianz Gleichwürdig Katholisch und im Catholic Women’s Council engagiert und Bettina Gruber Haberditz (rechts oben), Frauenrat SBK, im Gespräch mit Theologin Iva Boutellier (rechts unten), Vorstand SKF und Mitglied der Junia-Initiative. © Sarah Paciarelli / SKF

Prof. Dr. François-Xavier Amherdt im Gespräch mit Prof.in Dr.in Astrid Kaptijn (rechts) und Karin Ottiger, Co-Geschäftsleitung SKF (mittig). © Sarah Paciarelli / SKF

Urs Brosi, Generalsekretär der Katholischen Landeskirche Thurgau. © Sarah Paciarelli / SKF

Monika Schmid (l.), pensionierte Gemeindeleiterin und Charlotte Küng-Bless, Seelsorgerin und Mitglied der Junia-Initiative. © Sarah Paciarelli / SKF

Angeregter Austausch zwischen Markus Büchel, Bischof von St. Gallen; Joseph Bonnemain, Bischof von Chur; Felix Gmür, Bischof von Basel und Markus Thürig, Generalvikar des Bistums Basel (v.l.n.r.). © Sarah Paciarelli / SKF

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