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News 23.06.2026 | Gleichstellung – Kirche – Spiritualität

Frauen schreiben (Kirchen)Geschichte: Juana Inés de la Cruz

Juana Inés de la Cruz war eine Frau, die auf besondere Weise (Kirchen)Geschichte schrieb: Juana Inés de la Cruz wird 1651 im heutigen Mexiko geboren, das damals Teil des spanischen Kolonialreichs ist. Schon als Kind fällt sie durch ihre aussergewöhnliche Begabung auf. Sie bringt sich selbst Lesen und Schreiben bei, verschlingt Bücher und interessiert sich für Philosophie, Naturwissenschaften, Literatur und Theologie. Obwohl Bildung in ihrer Zeit vor allem Männern vorbehalten ist, lässt sie sich davon nicht aufhalten.

 (Dieser Text gehört zur Kampagne «Frauenrechte. Erkämpft, nicht geschenkt.»

Früh beeindruckend klug

Juana Inés de la Cruz wird 1651 im heutigen Mexiko geboren, das damals Teil des spanischen Kolonialreichs ist. Schon als Kind fällt sie durch ihre aussergewöhnliche Begabung auf. Sie bringt sich selbst Lesen und Schreiben bei, verschlingt Bücher und interessiert sich für Philosophie, Naturwissenschaften, Literatur und Theologie. Obwohl Bildung in ihrer Zeit vor allem Männern vorbehalten ist, lässt sie sich davon nicht aufhalten.

Schon früh erkennt sie, wie begrenzt die Möglichkeiten für Frauen sind, ein selbstbestimmtes und intellektuelles Leben zu führen. Für sie wird Wissen zu einer Form von Freiheit. Später schreibt sie, dass sie bereits als Kind jede Gelegenheit genutzt habe, um zu lernen und ihren Wissensdurst zu stillen.

Das Kloster als Ort des Denkens

Als Juana Inés Anfang zwanzig ist, tritt sie in ein Kloster ein. Anders als viele Frauen ihrer Zeit entscheidet sie sich bewusst gegen Ehe und Mutterschaft. Das Kloster wird für sie zu einem der wenigen Orte, an denen sie lesen, schreiben und ihren intellektuellen Interessen nachgehen kann.

Dort baut sie eine beeindruckende Bibliothek auf, sammelt wissenschaftliche Instrumente und verfasst Gedichte, Theaterstücke sowie philosophische und theologische Texte. Ihre Gelehrsamkeit macht sie weit über die Klostermauern hinaus bekannt. Gelehrte, Bischöfe und politische Würdenträger suchen den Austausch mit ihr.

Als Nonne des Hieronymitinnen-Ordens trägt Sor Juana wie ihre Mitschwestern ein besonderes Abzeichen auf Brusthöhe: einen Schild oder ein Medaillon, das häufig mit religiösen Motiven wie der Jungfrau Maria oder Christus gestaltet ist. Dieses sogenannte «Escudo de monja» ist nicht nur Teil der Ordenskleidung, sondern auch ein sichtbares Zeichen ihrer Hingabe an Gott und die Kirche. Gleichzeitig verweist es auf die spirituelle Identität der Nonnen und ihre Zugehörigkeit zur Ordensgemeinschaft.

Bildung ist kein männliches Privileg

Besonders bekannt wird Juana Inés durch ihre Verteidigung des Rechts von Frauen auf Bildung. In einer Zeit, in der weibliche Gelehrsamkeit oft als unpassend oder sogar gefährlich gilt, argumentiert sie, dass auch Frauen von Gott mit Vernunft und Verstand ausgestattet wurden.

Ihr berühmtester Text ist die «Respuesta a Sor Filotea». Darin verteidigt sie ihr Recht zu lesen, zu schreiben und sich mit theologischen Fragen auseinanderzusetzen. Sie fragt, weshalb Frauen von Wissen ausgeschlossen werden sollen, wenn Gott ihnen dieselben geistigen Fähigkeiten gegeben hat wie Männern.

Damit formuliert sie eine Kritik, die bis heute aktuell ist: Nicht mangelnde Fähigkeiten hindern Frauen an Bildung und Teilhabe, sondern gesellschaftliche und religiöse Strukturen.

Kritik an religiösen Geschlechterbildern

Juana Inés versteht sich selbst als gläubige Katholikin. Gerade deshalb benennt sie die Widersprüche ihrer Zeit. Sie beobachtet, dass von Frauen einerseits Tugend und Frömmigkeit erwartet werden, ihnen andererseits aber Bildung, Mitsprache und geistige Autorität verwehrt bleiben.

Besonders berühmt ist ihr Gedicht «Hombres necios que acusáis». Darin kritisiert sie die Doppelmoral von Männern, die Frauen gleichzeitig kontrollieren, verurteilen und für genau jene Verhaltensweisen verantwortlich machen, die sie selbst fördern. Mit scharfem Witz und grosser sprachlicher Präzision legt sie die Widersprüche solcher Erwartungen offen.

Aus heutiger Sicht gilt Juana Inés deshalb als eine frühe Vordenkerin feministischer Theologie. Sie macht deutlich, dass viele Vorstellungen über Frauen nicht göttlichen Ursprungs sind, sondern gesellschaftlich geschaffen wurden. Damit stellt sie Geschlechterbilder infrage, die Frauen auf Gehorsam, Schweigen und Unterordnung festlegen.

Zum Schweigen gebracht

Ihre Unabhängigkeit und ihr öffentliches Auftreten stossen jedoch zunehmend auf Widerstand. Kirchliche Autoritäten kritisieren ihre intellektuellen Ambitionen und fordern sie auf, sich stärker auf religiöse Pflichten zu konzentrieren.

Unter wachsendem Druck sieht sich Juana Inés schliesslich gezwungen, einen grossen Teil ihrer Bücher abzugeben und ihre schriftstellerische Tätigkeit weitgehend aufzugeben. Bis heute gilt dies als eindrückliches Beispiel dafür, wie Frauen in Kirche und Gesellschaft zum Schweigen gebracht wurden, sobald sie bestehende Grenzen infrage stellten.

Ein Erbe mit Wirkung bis heute

Juana Inés de la Cruz stirbt 1695 während einer Pestepidemie, nachdem sie kranke Mitschwestern gepflegt hatte. Heute gilt sie als eine der bedeutendsten Denkerinnen Lateinamerikas und als Symbol für das Recht von Frauen auf Bildung, Wissen und freie Meinungsäusserung.

Ihre Texte erinnern daran, dass Glauben und kritisches Denken kein Widerspruch sein müssen. Sie zeigen, dass Frauen seit Jahrhunderten darum kämpfen, selbst zu sprechen, zu schreiben und die Welt zu deuten. Gerade deshalb ist Juana Inés de la Cruz bis heute eine wichtige Stimme für Gleichberechtigung in Kirche und Gesellschaft.

Ihr Vermächtnis reicht weit über ihre Zeit hinaus. Sie erinnert daran, dass Bildung kein Privileg weniger sein darf und dass Frauen ihre Stimme immer wieder gegen Widerstände behaupten mussten. Ihre Geschichte zeigt, wie eng Wissen, Freiheit und Selbstbestimmung miteinander verbunden sind.

Was ist feministische Theologie? 

Feministische Theologie fragt: Wie sind biblische Texte entstanden – und wer hat sie über Jahrhunderte übersetzt und ausgelegt? Christliche Theologie wurde stark von patriarchalen Traditionen geprägt. Meist waren es Männer, die die Bibel lasen und erklärten. Frauen wurden in den Texten oft verschwiegen, übersehen oder auf dienende Rollen reduziert. Gleichzeitig wurde Maria überhöht und wurde so zu einem idealen, fast entrückten Frauenbild. So entstanden einseitige Bilder, die bis heute nachwirken und die fehlende Gleichberechtigung in der Kirche zementieren. 

Seit dem 20. Jahrhundert setzen feministische und queere Theologien hier an. Sie machen befreiende Geschichten sichtbar, fragen nach Macht und Ohnmacht und zeigen: Viele Geschlechterrollen sind historisch gewachsen – nicht göttlich festgelegt. Die Bibel eröffnet mehr Spielraum für Würde, Teilhabe und ein gutes Leben für alle. 

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