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Medienmitteilungen 27.04.2026 |

Frauenbund Schweiz sagt Nein zur Initiative «Keine 10-Millionen-Schweiz!»

Der Frauenbund Schweiz empfiehlt, die Eidgenössische Volksinitiative «Keine 10-Millionen-Schweiz! (Nachhaltigkeitsinitiative)» abzulehnen. Die Initiative kommt am 14. Juni 2026 zur Abstimmung und zielt darauf ab, die Zuwanderung zu begrenzen, um die ständige Wohnbevölkerung zu begrenzen. Eine solche Begrenzung trifft Frauen in besonderer Weise, sei es als Fachkräfte, als Teil von Familien oder als besonders verletzliche Personen im Kontext von Flucht und Asyl. In einer Welt, die immer enger zusammenrückt, ist die Schweiz auf internationale Zusammenarbeit angewiesen. Globalisierung bedeutet auch gegenseitige wirtschaftliche, gesellschaftliche und politische Abhängigkeit. Eine Politik der Abschottung verkennt diese Realität, nützt niemandem und schadet der Schweiz.

Die Initiative verlangt, die Wohnbevölkerung der Schweiz bis 2050 auf unter zehn Millionen Menschen zu halten. Der Frauenbund Schweiz lehnt dieses Vorhaben klar ab. Die Initiative gefährdet grundlegende Menschenrechte, schwächt den gesellschaftlichen Zusammenhalt und stellt zentrale internationale Verpflichtungen der Schweiz infrage.

Besonders betroffen wären Frauen und Familien. Die vorgesehenen Einschränkungen im Asylbereich sowie beim Familiennachzug würden vor allem schutzbedürftige Menschen treffen und das Recht auf Familienleben beeinträchtigen. Gerade Frauen sind in Flucht- und Migrationssituationen häufig besonderen Risiken ausgesetzt und auf stabile familiäre Strukturen angewiesen.

Gleichzeitig droht bei einer Annahme die Kündigung wichtiger internationaler Abkommen wie der Genfer Flüchtlingskonvention oder der Europäischen Menschenrechtskonvention. Dies würde die humanitäre Tradition der Schweiz untergraben und ihre Glaubwürdigkeit als verlässliche Partnerin schwächen.

Auch wirtschaftlich und gesellschaftlich wäre die Initiative problematisch: Die Schweiz ist angesichts des demographischen Wandels auf Zuwanderung angewiesen. Eine starre Begrenzung würde den Fachkräftemangel verschärfen und die langfristige Entwicklung des Landes gefährden. Davon betroffen sind auch viele Branchen, in denen Frauen tätig sind oder die auf weibliche Fachkräfte angewiesen sind, etwa im Gesundheits- und Sozialbereich.

Der Frauenbund Schweiz kritisiert zudem, dass die Initiative Migration einseitig als Ursache gesellschaftlicher Herausforderungen darstellt und damit Vorurteile schürt. Komplexe Probleme lassen sich nicht mit einfachen Obergrenzen lösen. Solche Vereinfachungen gehen oft zulasten von Frauen, deren Lebensrealitäten besonders vielfältig und von strukturellen Ungleichheiten geprägt sind.

Aus christlich-ethischer Sicht ist die Haltung klar: Der Schutz von Menschen in schwierigen Lebenssituationen, Solidarität und internationale Verantwortung stehen im Zentrum. Diese Werte schliessen ausdrücklich die Stärkung von Frauen, die Wahrung ihrer Rechte und ihre Teilhabe an der Gesellschaft ein. Eine Politik der Abschottung widerspricht diesen Grundwerten.

Die Initiative bietet keine nachhaltigen Lösungen, sondern schafft neue Probleme. Sie gefährdet Menschenrechte, schwächt internationale Beziehungen und schadet der Schweiz insgesamt. Der Frauenbund Schweiz sagt deshalb klar: Nein zur «10-Millionen-Schweiz».

 

Kontakt für Medienanfragen

Sarah Paciarelli, Kommunikation, sarah.paciarelli@frauenbund.ch, 041 226 02 18

Frauenbund Schweiz
Der Frauenbund Schweiz ist mit 100'000 Mitgliedern, 17 Kantonalverbänden, 500 Ortsvereinen und zwei Hilfswerken das grösste konfessionelle Frauennetzwerk der Schweiz. Der Frauenbund Schweiz wirkt überraschend anders katholisch und engagiert sich für die Rechte aller Frauen in Gesellschaft, Kirche, Wirtschaft und Politik. www.frauenbund.ch

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