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Stellungnahmen 02.02.2026 | Kirche – Not – Solidarität

«Frieden entsteht nicht durch die Kriminalisierung von Frauen»

Papst Leo XIV. hat Abtreibung als «grössten Zerstörer des Friedens» bezeichnet. Bei einer Audienz am Samstag, 31. Januar im Vatikan zitierte Leo XIV. diese Worte der heiliggesprochenen Ordensfrau Mutter Teresa. Als besonders problematisch erachtet der Frauenbund Schweiz die Art und Weise, wie Schwangerschaftsabbrüche in einen direkten Zusammenhang mit Krieg, Frieden und politischer Verantwortung gestellt werden.

Papst Leo XIV. sagte in diesem Zusammenhang: «Keine Politik kann sich in den Dienst der Völker stellen, wenn sie diejenigen, die zur Welt kommen wollen, vom Leben ausschliesst, wenn sie denen nicht hilft, die in materieller und spiritueller Not sind.»

«Diese Aussage ist problematisch, weil sie hochkomplexe globale Konflikte und politische Verantwortung auf die individuellen Entscheidungen von Frauen verkürzt. Sie vermischt staatliches Handeln mit persönlichen Gewissensentscheidungen und verschiebt die Verantwortung für Krieg und Frieden einseitig auf Frauen, die sich in einer oft existenziellen Notlage befinden. Damit werden strukturelle Ursachen von Unfrieden wie Machtmissbrauch, Gewalt, Ungleichheit, Armut und politische Verantwortungslosigkeit ausgeblendet», sagt Sarah Paciarelli, Kommunikation und Politik beim Frauenbund Schweiz. Frieden entsteht nicht durch moralischen Druck oder Schuldzuweisungen an Frauen, sondern durch gerechte gesellschaftliche Strukturen, soziale Sicherheit, Solidarität und die konsequente Achtung der Gleichwürdigkeit aller Menschen.

Die Friedens- und Konfliktforschung belegt zudem klar, dass nachhaltiger Frieden nur dort möglich ist, wo Frauen aktiv in Friedensprozesse einbezogen werden. Frauen leisten weltweit einen zentralen Beitrag zu Versöhnung, Stabilität und gesellschaftlichem Wiederaufbau. Anstatt Frauen, die einen Schwangerschaftsabbruch vornehmen lassen, für Krieg und Unfrieden mitverantwortlich zu machen, wäre es zielführender, sie als unverzichtbare Akteurinnen des Friedens zu stärken. Frieden entsteht dort, wo Frauen gehört, beteiligt und in ihrer Würde ernst genommen werden.

Für den Verbandsvorstand des Frauenbunds Schweiz ist Abtreibung kein Verbrechen. Der Frauenbund Schweiz wendet sich gegen jede Diffamierung von Frauen, die sich in einer Notlage für einen Schwangerschaftsabbruch entscheiden müssen. Viele solcher Entscheidungen sind Ausdruck von existenziellen, sozialen, wirtschaftlichen oder gesundheitlichen Zwangslagen und verdienen Mitgefühl, Begleitung und Unterstützung statt Verurteilung.

Der Frauenbund Schweiz steht konsequent ein für das Recht von Frauen auf körperliche Selbstbestimmung sowie für einen sicheren und legalen Zugang zu Schwangerschaftsabbrüchen. Gleichzeitig setzt er sich für eine Gesellschaft ein, die Frauen und Familien in allen Lebensphasen stärkt und begleitet. «Jede Frau, die sich trotz Notlage für die Mutterschaft entscheidet, die ein ungeplantes Kind zur Welt bringt, aber auch jede Frau, die einen Schwangerschaftsabbruch vornimmt, hat Anspruch auf Unterstützung der Gesellschaft, Respekt, Begleitung und Zuwendung. Dies ist eine Grundforderung christlicher Nächstenliebe», sagt Katharina Jost Graf, Co-Präsidentin des Frauenbunds Schweiz.

Der Frauenbund Schweiz unterstützt mit dem Solidaritätsfonds für Mutter und Kind Frauen und Familien, die in Not geraten sind, und trägt damit dazu bei, dass Frauen, die sich trotz schwieriger Umstände für die Geburt eines Kindes entscheiden, Solidarität und konkrete Unterstützung erfahren.

 

Kontakt für Medienanfragen

Sarah Paciarelli, Kommunikation, sarah.paciarelli@frauenbund.ch, 041 226 02 18

 

Frauenbund Schweiz
Der Frauenbund Schweiz ist mit 100'000 Mitgliedern, 17 Kantonalverbänden, 500 Ortsvereinen und zwei Hilfswerken das grösste konfessionelle Frauennetzwerk der Schweiz. Der Frauenbund Schweiz wirkt überraschend anders katholisch und engagiert sich für die Rechte aller Frauen in Gesellschaft, Kirche, Wirtschaft und Politik. www.frauenbund.ch

 

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