Heimat
Gerade haben wir den Dank-, Buss- und Bettag gefeiert, die Kühe kommen von der Alp zurück, die Temperaturen fallen, und die Schweiz fühlt sich wie eine Postkarte an.
Heimat für viele.
Aber was ist Heimat? Ein Land, ein Ort, ein Gefühl?
Ist Heimat das, was man verlassen hat, um in Sicherheit zu kommen, um der Liebe zu folgen, um bessere berufliche Chancen zu haben?
Ist Heimat die Sprache, die nur am Ort der Kindheit gesprochen wird? Sind es Traditionen, die über Jahrzehnte gewachsen sind? Erinnerungen, deren Ursprung vielleicht nie so gewesen ist, wie wir ihn erinnern?
Gibt es meine Heimat noch?
Habe ich sie verloren? In der Zwischenzeit eine neue gewonnen? Versuche ich immer noch, irgendwo dazuzugehören?
Vielleicht ist Heimat zuallererst das Gefühl von Sicherheit?
Man kann heimkehren und feststellen, dass die Strassen, die Berge, die Kühe noch da sind, aber man selbst nicht mehr der/die ist, der losgezogen ist.
Man stellt fest, dass man sich verändert hat. Dass das Vertraute nicht mehr dieselbe Sicherheit gibt wie früher. Und vielleicht merkt man erst allmählich, dass man begonnen hat, an einem anderen Ort, bei anderen Menschen, in einem anderen Leben wieder ein Gefühl von Zugehörigkeit und Sicherheit zu finden – oder noch immer danach zu sucht. Und dann passt man nicht mehr ganz in die Postkartenidylle, nicht mehr ins Dorf jenseits des Äquators, nicht mehr in die Grossstadt.
Vielleicht ist Heimat aber auch überhaupt kein Ort.
Vielleicht ist sie ein Geruch: Milchreis, nasser Hund auf Teppich. Ein Gefühl: Die Hand, die einen früher gehalten hat. Ein Klang: Der eigene Name, den jemand ausspricht und der für einen Augenblick die Jahre zurückbringt.
Vielleicht ist Heimat am Ende nichts anderes als die Frage:
Wo und bei wem darf ich sein, ohne mich erklären zu müssen?
Die spirituellen Anregungen des «Paradiesgartens» in den geraden Monaten von 2026 werden gepflanzt von Felicitas Ameling, Theologin und Spitalseelsorgerin. Mehr über die Autorin
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