Kloster Fahr – Tanz im Abendgebet
Ein sinnlich-geistliches Erlebnis in Tanz, Musik und Wort
Keine Kreatur kommt leer daher.
Fülle ist des Schöpfers Wille.
Hat er denn sein Haus für nichts gebaut?
Leben braut Gebraus, Geschwirre,
tanzt im Blut von Kiesel,
Hirschkuh, Möwe, Mohn und Mensch –
Glut und Flut – niemals Dürre.
Und sausen nicht Gestirne nach oben?
Nach unten?
Wird eines erhoben, sinkt eines
im bunten Feuerspiel in die Tiefe.
Immer fliesst Ebbe,
immer fliesst Flut -
immer wird alles im Kreis umgetrieben,
immer ist alles dem Wandel und
Wechsel verschrieben.
Leben, Tanz treibt die Gezeiten
gleicherweise wunderbar durchs Jahr
und siehe, auch durch dich.
Überall sei’s aussen, sei es innen:
Kommen, Stehen, Steigen, Fallen dann,
Entgleiten und Verrinnen …
Du erwachst in deiner eignen schönen Morgenröte,
hörst in dir die Frühlingsflöte tönen.
Und schon stehst in deinem Sommerfeuer.
Deine Gärten, deine Weizenfelder müssen reifen können.
Brennen aber gegen Abend die Septemberwälder,
greifen auch schon lange, leise Schleier grau in dir.
Eh du denkst, deckt dich der Schmerz und Schnee
des Elends zu.
Doch nichts feiert.
Auch im Ruhn knistert und keimt ein emsiges Tun.
Alles bereitet sich, rüstet sich scheidend und sterbend –
Vergehn muss geschehn.
Es trägt durch die Furt in die neue Geburt.
Silja Walter «Und Himmel und Welt sind als Ganzes gedacht»
Koordination dieses Paradiesgarten-Beitrags: Simone Curau-Aepli
«Tanz im Abendgebet» 2026 im Kloster Fahr
Die poetischen Texte von Silja (Sr. Hedwig) Walter (1919–2011), einer der bedeutendsten christlichen Lyrikerinnen des 20. Jahrhunderts im deutschen Sprachraum, bilden den inspirierenden Ausgangspunkt für ein besonderes kulturelles Format im Kloster Fahr: «Tanz im Abendgebet».
Die renommierte Aargauer Choreografin Brigitta Luisa Merki bringt in Zusammenarbeit mit Priorin Irene Gassmann Tanz und Musik in die liturgische Form der Vesper ein. Inmitten der Klosterkirche entfalten sich auf einer kleinen Bühne Tanz, Musik und Texte Silja Walters im Einklang mit dem Gebet der Benediktinerinnen. Die sakrale Atmosphäre wird so zu einem Raum der Begegnung zwischen Bewegung, Klang, Stille und Spiritualität.
Das Format schafft einen offenen, niederschwelligen Zugang – unabhängig von religiöser Zugehörigkeit – zum klösterlichen Leben, zur Kunst und zur inspirierenden Kraft der Poesie. Die Aufführungen stiessen in den vergangenen Jahren auf grosse Resonanz und ziehen sowohl Aargauer:innen als auch überregionales Publikum an.
Jeder Sonntag ist anders: Neue Choreografien, unterschiedliche musikalische Begleitungen und stets ein neues Erleben von Wort, Raum und Bewegung.
- Sonntage: 22. März / 29. März / 19. April / 3. Mai 2026
- jeweils um 16.30 Uhr in der Klosterkirche Fahr, ca. 50 Minuten
- ohne Anmeldung, Eintritt frei - Kollekte am Ausgang
- kloster-fahr.ch
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