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News 16.03.2026 | Frauennetzwerk – Interessenvertretung – Kirche

Neue Studien zu Frauen in der Kirche

Neue Studien zeigen deutlich: Frauen prägen die Kirche – besonders dort, wo sie Verantwortung in der Leitung von Pfarreien übernehmen. Gleichzeitig wächst auch international die Aufmerksamkeit für ihre Rolle. Der Frauenbund Schweiz bringt sich aktiv in diese Diskussionen ein und vernetzt sich mit katholischen Frauenorganisationen im deutschsprachigen Raum.

Eine Studie aus der Praxis der Gemeinden

Eine aktuelle Studie katholischer Frauenorganisationen aus Deutschland, der Schweiz, Österreich und Südtirol untersucht die Erfahrungen von Menschen mit Frauen, die Leitungsverantwortung in Pfarreien oder pastoralen Räumen tragen. Grundlage der Auswertung sind Rückmeldungen von Ehren- und Hauptamtlichen aus Gemeinden, die gemäss Ausnahmeregelungen im Kirchenrecht von Frauen geleitet werden.

Die Ergebnisse sind eindeutig: Wo Frauen Leitung übernehmen, verändert sich kirchliches Leben. Frauen gestalten Leitung häufig partizipativ und gemeinschaftsorientiert. Sie fördern Mitwirkung, stärken gemeinsame Verantwortung und setzen neue pastorale Impulse. Viele Gemeinden erleben diese Form der Leitung als bereichernd und zukunftsweisend. Für die Co-Präsidentin des Frauenbund Schweiz, Katharina Jost Graf, bestätigen die Ergebnisse vor allem eines: «Frauen sind nicht in der Beweispflicht Es liegt bei der Amtskirche, zu erklären, warum Frauen nicht geeignet sein sollen, kirchliche Ämter zu übernehmen. Die Ergebnisse der Befragung der deutschsprachigen Frauendachverbände sind nicht neu, sondern zeigen auf, was viele Frauen längst wissen: Frauen sind ebenso geeignet für die Leitung von Pfarrgemeinden wie Kleriker. Diese Ergebnisse machen den Erklärungsnotstand der Amtskirche nochmal grösser.» Gleichzeitig macht die Studie deutlich, dass strukturelle Herausforderungen weiterhin bestehen. Dazu gehören begrenzte Rechte innerhalb des klerikal geprägten Leitungsmodells sowie die Abhängigkeit von geweihten Männern bei bestimmten Entscheidungen, bei der Eucharistie und der Sakramentenspendung.

Vernetzung über Landesgrenzen hinweg

Seit 1982 treffen sich die Präsidien der deutschsprachigen katholischen Frauenverbände einmal jährlich zu einem mehrtägigen Austausch. Beteiligt sind der Frauenbund Schweiz, der Katholische Deutsche Frauenbund (KDFB), die Katholische Frauengemeinschaft Deutschlands (kfd), die Katholische Frauenbewegung Österreichs (kfbö) sowie die Katholische Frauenbewegung Südtirol (kfb). Im Mittelpunkt stehen die Vernetzung sowie Gespräche über aktuelle Themen und Entwicklungen. Die Studie ist ein Ergebnis dieser engen Zusammenarbeit. Die Dachverbände aus Deutschland, der Schweiz, Österreich und Südtirol stehen seit Jahren in regelmässigem Austausch über kirchenpolitische Fragen und gemeinsame Initiativen. Der Frauenbund Schweiz beteiligt sich aktiv an dieser Vernetzung und bringt die Perspektiven von Frauen aus der Schweiz in internationale kirchliche Diskussionen ein.

Besonders engagiert war dabei Iva Boutellier, Vorstandsmitglied des Frauenbund Schweiz. Sie arbeitete in der Projektgruppe der deutschsprachigen Frauendachverbände mit. «Der Frauenbund hat sich im Rahmen der deutschsprachigen Vernetzung aktiv in die Arbeit an der Studie eingebracht. Diese Zusammenarbeit ist für uns sehr wichtig: Die Schweiz ist keine Insel, und gemeinsam sind wir stärker als allein. Auch in der Kirche stehen wir mit unseren Anliegen nicht isoliert da. Wir können voneinander lernen, voneinander profitieren und uns gegenseitig unterstützen – jeweils dort, wo unsere Stärken liegen.» Die Ergebnisse der Studie zeigen zugleich, dass Veränderungen nicht nur strukturelle Fragen betreffen, sondern auch das Selbstverständnis innerhalb der Kirche.

«Frauen im Frauenbund können, sollen und müssen lernen, dass Frauen leiten können und nicht einfach ein vermeintlich minderwertiger Ersatz für Priester sind. Dafür braucht es auch bei Frauen eine veränderte Wahrnehmung. Gleichzeitig sind Frauen in den Pfarreien ermächtigt, sich einzubringen – etwa in der Liturgie, in synodalen Prozessen oder in der Gestaltung des Pfarreilebens. Frauen in Leitungsfunktionen schaffen, so zeigt es die Studie, Räume dafür und fördern die Beteiligung der Mitglieder», so Boutellier.

Wie geht es weiter?

Die Vorsitzende der Katholischen Frauenbewegung Österreichs, Angelika Ritter-Grepl, hat die Ergebnisse Anfang März im Rahmen einer Delegationsreise mit dem österreichischen Bundespräsidenten Alexander Van der Bellen persönlich an Sr. Nathalie Becquart, Untersekretärin der Bischofssynode im Vatikan, in der römischen Kurie überreicht. Die Arbeitsgruppe bereitet die Ergebnisse in zwei Formen auf: in einer Kurzfassung mit englischer Übersetzung sowie in einer ausführlichen Langfassung, die noch in Arbeit ist. Die Langfassung wird den Bischofskonferenzen und den synodalen Gremien zur Verfügung gestellt. Sie soll die Diskussion über Frauen in Leitungspositionen in Kirche und Gesellschaft weiterführen und konkrete Handlungsperspektiven aufzeigen.

Auch der Vatikan veröffentlicht eine Studie

Fast zeitgleich mit der Veröffentlichung der Ergebnisse der deutschsprachigen Frauenverbände hat auch der Vatikan einen Bericht zur Rolle von Frauen in der Kirche publiziert. Es handelt sich um den Abschlussbericht der Synoden-Studiengruppe 5 mit dem Titel «Die Teilhabe von Frauen im Leben und der Führung der Kirche». Die Studiengruppe arbeitete im Rahmen des weltweiten synodalen Prozesses der katholischen Kirche. Ihr Auftrag war es zu klären, wie Frauen stärker am Leben und an der Leitung der Kirche beteiligt werden können, welche theologischen Grundlagen dafür bestehen und welche Erfahrungen weltweit bereits vorhanden sind. Der Bericht sammelt theologische Reflexionen, historische Beispiele und aktuelle Erfahrungen aus verschiedenen Teilen der Weltkirche. Eine zentrale Aussage des Dokuments ist die klare Anerkennung der Rolle von Frauen im kirchlichen Leben. Frauen leisten in vielen Bereichen einen unverzichtbaren Beitrag – etwa in der Katechese, in der Pastoral, in sozialen Diensten oder in der Leitung pastoraler Projekte. Viele kirchliche Gemeinschaften würden ohne das Engagement von Frauen kaum funktionieren.

Führungspositionen: «Noch Luft nach oben»

Ein zentraler Punkt des Berichts ist die Frage nach Führungsverantwortung. Die Studiengruppe empfiehlt ausdrücklich, Frauen stärker in administrative und pastorale Leitungspositionen einzubeziehen. Auch für die Ortskirchen im deutschsprachigen Raum sieht der Bericht weiteres Entwicklungspotenzial. Zwar nennt er positive Beispiele aus der Schweiz und aus Österreich, gleichzeitig wird deutlich, dass es viel mehr Möglichkeiten gibt. So wird im Bericht festgehalten: «Frauen in der Gemeindeleitung gibt es noch nicht überall..»

Die Studie der deutschsprachigen Frauenverbände stützt diesen Weg zusätzlich. Sie zeigt, dass Frauen in Leitungsfunktionen besonders synodal arbeiten, Menschen einbeziehen und Führung häufig kreativ und gemeinschaftsorientiert gestalten. Zugleich enthält das Dokument des Vatikans bemerkenswert offene Selbstkritik. Es wird erstmals ausdrücklich benannt, dass sich Frauen weltweit in der Kirche nicht mehr beheimatet fühlen und deshalb teilweise auch die Kirche verlassen. Diese Diagnose wird als wichtiges Signal im synodalen Lernprozess gewertet. Der Bericht nennt auch strukturelle Ursachen für diese Entwicklung. Dazu zählen Klerikalismus, männlicher Chauvinismus und eine teilweise unsensible Sprache – auch in der Liturgie. Gleichzeitig verabschiedet sich das Dokument von lange gepflegten Geschlechterstereotypen. Frauen vor allem über Mütterlichkeit, Fürsorge oder Zärtlichkeit zu definieren greift zu kurz und übersieht ihre Kompetenzen in Leitung, Lehre und Entscheidungsprozessen.

Kritisch bewertet der Frauenbund Schweiz jedoch, dass der Bericht beim Thema Frauendiakonat keine neuen Perspektiven eröffnet. Er enthält keine Erkenntnisse, die über die bereits im Dezember 2025 veröffentlichten Ergebnisse der sogenannten Petrocchi-Kommission hinausgehen. Im Dokument wird darauf verwiesen, dass die Zeit für Diakoninnen noch nicht reif sei.

Anerkennung, doch kein Durchbruch

Für viele Frauen in der Kirche sind diese Erkenntnisse nicht neu. Reformfragen werden in verschiedenen Ländern seit Jahren intensiv diskutiert. Und doch zeigt der Bericht aus Rom eine bemerkenswerte Entwicklung: Für vatikanische Verhältnisse stellen solche Aussagen bereits einen deutlichen Schritt dar. Sie unterscheiden sich spürbar vom früheren Sprachstil kirchlicher Dokumente. Noch vor wenigen Jahren wären manche dieser Formulierungen kaum denkbar gewesen. Gleichzeitig bleibt festzuhalten: Der Bericht führt keine neuen kirchlichen Ämter ein. Fragen wie das Frauendiakonat oder die Frauenordination werden nicht entschieden und bleiben Gegenstand weiterer Diskussionen. Der Bericht ist deshalb kein struktureller Durchbruch, aber ein wichtiger Schritt. Er anerkennt die Bedeutung von Frauen, benennt bestehende Probleme und stärkt theologische Argumente für eine stärkere Beteiligung von Frauen in der Kirche.

Der Frauenbund Schweiz als Teil einer internationalen Bewegung

Gerade deshalb ist die internationale Vernetzung der Frauenorganisationen von grosser Bedeutung. Veränderungen in der Kirche entstehen oft dort, wo Frauen ihre Erfahrungen teilen, voneinander lernen und ihre Anliegen gemeinsam einbringen. Der Frauenbund Schweiz engagiert sich aktiv in diesen Netzwerken und bringt die Perspektiven von Frauen aus der Schweiz in internationale kirchliche Diskussionen ein. So wird sichtbar: Die Anliegen von Frauen in der Kirche sind kein isoliertes Thema einzelner Länder. Sie sind Teil einer weltweiten Bewegung für eine Kirche, in der Frauen ihre Charismen, ihre Kompetenz und ihre Verantwortung voll einbringen können. 

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