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News 09.12.2025 | Frauenbund – Frauennetzwerk – Kirche

Nicht zurück – nach vorn: Was der Frauenbund Schweiz nach Budapest mitnimmt

Am europäischen Treffen der katholischen Frauenverbände in Budapest kamen rund 60 Frauen aus zehn Ländern zusammen. Der Frauenbund Schweiz war durch Iva Boutellier und Barbara Schmid-Federer, beide Mitglieder des Verbandsvorstands, vertreten. Die Tagung hat deutlich gezeigt: Unsere Anliegen finden in vielen Ländern Unterstützung – und der Frauenbund Schweiz ist Teil einer wachsenden europäischen Bewegung. 

Unsere Vorstandsfrauen in Budapest: Barbara Schmid-Federer (links) und Iva Boutellier

Was ist die WUCWO?

Die WUCWO (World Union of Catholic Women’s Organisations) ist der weltweite Zusammenschluss katholischer Frauenverbände und wurde 1910 gegründet. Sie hat ihren Sitz in Rom und ist vom Vatikan offiziell als internationale Vereinigung anerkannt. Dadurch ist sie eng mit verschiedenen kirchlichen Stellen vernetzt und bringt die Anliegen katholischer Frauen direkt in kirchliche Prozesse ein. WUCWO versteht sich als Stimme von Frauen auf allen Kontinenten. Sie setzt sich für Menschenwürde, Gerechtigkeit, den Schutz der Schöpfung und die Stärkung der Frauen in Kirche und Gesellschaft ein. Inhaltlich vereint sie sehr unterschiedliche Mitgliedsorganisationen – von konservativ, traditionell bis hin zu reformorientiert. Das macht die Arbeit der WUCWO herausfordernd und bedeutsam zugleich.

Ideologische Spannungsfelder

Schon zu Beginn der Tagung zeigte sich, dass die ungarischen Gastgeberinnen ein stark in traditionellen Mustern verankertes Verständnis von Familie und Geschlechterrollen vertreten. Einige Wortmeldungen wirkten auf viele Delegierte überholt und lösten Stirnrunzeln und Unverständnis aus. Auf der einen Seite standen sehr konservative Haltungen, die ein archaisches Familienmodell betonten: die Frau als fürsorgliche Mitte, primär zuständig für Sorgearbeit, und der Mann als Beschützer, Versorger und Autoritätsfigur. Familie wurde als nahezu unveränderbare Ordnung verstanden, in der heutige Lebensformen wie Patchworkfamilien, Alleinerziehende oder gleichberechtigte Partnerschaften kaum vorkamen. Besonders der Vortrag eines Ehepaars sorgte für Irritationen. Die Ausführungen waren weit entfernt von der heutigen Lebenswirklichkeit vieler Frauen und Familien und stiessen bei fast allen Delegationen auf Irritation und Ablehnung. Das Paar formulierte unter anderem, dass Eheleute einander «gehören» und die Ehe ein heiliger Auftrag sei, in welchen sich die Gesellschaft nicht einmischen dürfe. Selbstopferung nannte das Paar als höchste Tugend einer Ehe – bis hin zur Aufgabe der eigenen Grenzen und der sexuellen Selbstbestimmung der Frau.

Vielfalt statt Vorgaben

Demgegenüber standen Stimmen, die ein deutlich inklusiveres Verständnis von Familie vertraten. Sie wiesen darauf hin, dass Familien heute in sehr unterschiedlichen Formen leben und gelingen: Alleinerziehende, Patchworkkonstellationen, Wahlverwandtschaften, interkulturelle oder durch Migration geprägte Familien. Sie betonten die Wichtigkeit partnerschaftlicher Aufgabenteilung, gegenseitigen Respekts und der Möglichkeit, Beziehungen bewusst zu gestalten, statt sich starren, geschlechtsspezifischen Rollen zu unterwerfen. Auch Themen wie finanzielle Selbstständigkeit von Frauen, Gewaltprävention, sexuelle Selbstbestimmung und der Schutz vulnerabler Personen wurden eingebracht. Für diese Stimmen steht nicht eine formale Definition von Familie im Zentrum, sondern das gelebte Verantwortungs- und Beziehungsnetz, das Menschen trägt.

Als einziges nicht-europäisches Land nahm Kamerun am europäischen WUCWO-Treffen teil, weil seine in der Diaspora lebenden Vertreterinnen eine eigene Vereinigung in London führen. Die Begegnungen mit Frauen aus Österreich, Spanien, Litauen sowie England und Kamerun waren eine Bereicherung. Die Gesprächsgruppen der Konferenz offenbarten: Die konservativen Stimmen sind laut, aber sie spiegeln nicht die Mehrheit der Frauen in Europa wider. Viele Delegierte unterstützten Positionen, wie sie auch der Frauenbund Schweiz vertritt. Die deutschsprachigen Delegationen – Frauenbund Schweiz, kfd Deutschland und kfbö Österreich – spielten eine wichtige Rolle. Ihre klaren Worte ermutigten andere Frauen, ihre Meinung ebenfalls offen zu äussern.

Begegnungen, die Mut machen

Zwischen manchen Beiträgen tat sich ein spürbarer Graben auf. Gerade diese grossen Unterschiede machten sichtbar, wie breit das Spektrum katholischer Frauenbewegungen in Europa ist – und wie herausfordernd, aber auch wertvoll es bleibt, miteinander im Gespräch zu sein. Gemeinsam mit unseren Mitgliedern und in ihrem Namen stehen wir für eine lebendige, glaubwürdige katholische Kirche, die Frauen stärkt und ernst nimmt. Unsere Teilnahme in Budapest ist deshalb wichtig, weil wir:

  • unsere Anliegen international einbringen
  • unsere Netzwerke erweitern und stärken
  • Reformen aktiv mitgestalten
  • solidarisch an der Seite anderer engagierter Frauen stehen
  • zeigen, dass eine zeitgemässe katholische Kirche Offenheit, Dialog und Gleichwürdigkeit braucht

Die Tage in Budapest boten viele wertvolle Gespräche:

  • Frauen aus Kamerun, die in England leben, beeindruckten mit Klarheit und Stärke.
  • Französische, englische und italienische Delegierte teilten ähnliche Anliegen wie wir.
  • Eine Journalistin aus dem Vatikan eröffnete neue Sichtweisen auf innerkirchliche Prozesse.

Diese Begegnungen zeigten: Europa ist vielfältig, verbunden – und vielerorts bereit, Kirche weiterzuentwickeln. Die Erfahrungen aus Budapest fliessen direkt in die laufende Arbeit des Frauenbund Schweiz ein. Als nationaler Dachverband vertritt Frauenbund Schweiz durch verschiedene nationale und internationale Vernetzungsarbeit die Interessen der Frauen in Kirche und Gesellschaft. Wir engagieren uns in Gremien wie:

Überraschend anders katholisch in Budapest

In vielen Gesprächen war spürbar, wie stark unser Claim «überraschend anders katholisch» bei anderen Frauen in Europa auf Anklang stösst. In Budapest wurde klar: Viele Frauen suchen genau dieses katholische Selbstverständnis offen, selbstbewusst und den Realitäten der Menschen zugewandt.

Fazit: Zuversichtlich weitergehen

Das Treffen hat zwei Dinge gezeigt: Das katholische Universum ist vielfältig und vertritt verschiedene Positionen. Diese Vielfalt macht unsere Kirche weltweit lebendig. Und: Wir sind nicht allein unterwegs. Viele Frauen in Europa teilen unsere Hoffnung auf eine Kirche, die Frauen stärkt und Vielfalt anerkennt. Der Frauenbund Schweiz wird die geknüpften Kontakte weiter pflegen und seinen Einsatz mit Klarheit, Herz und Beharrlichkeit fortsetzen.

Nicht zurück – nach vorn: Diesen Weg gehen wir weiter, gemeinsam mit unseren Partnerinnen in Europa.

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