Was mein Leben reicher/schöner/dankbar macht
Wenn ich die Wochenzeitung «Die Zeit» lese, schlage ich als allererstes die «letzte» Seite auf und lese die Rubrik «Was mein Leben reicher macht» durch. Ich erfreue mich an den Erlebnissen, die andere Menschen erfahren haben und darf so Teil an Hoffnungen, Liebe, Glück, Freude und Dankbarkeit werden.
Juni: Das Jahr steht in der Hälfte und die Liste mit all den Schrecken ist womöglich länger als die der Freuden. Und gerade deswegen habe ich gesammelt, was mein Leben in den letzten Monaten reicher machte, und lade euch herzlich ein, eure Erfahrungen auch mit uns zu teilen.
Was mein Leben reicher macht …
Wenn ich, von Bern mit dem Zug kommend, nach Luzern fahre und den Pilatus im Sonnenschein sehe und sich vor mir das Bergpanorama ausbreitet. So viel Schönheit auf so wenig Platz.
Die Vorfreude, die ich empfinde, wenn ich lese, dass es irgendwann in der Woche im Spitalrestaurant «Älplermagronen» gibt. Sie schmecken in jedem Monat sehr fein.
Ostern in Neapel zu verbringen und als Souvenir Zitronen von der Amalfiküste mitzubringen. Diese habe ich in Limoncello verwandelt (der ausgezeichnet schmeckt), den ich einer guten Freundin zur Hochzeit schenken durfte. Zwei reiche Momente.
Ranunkeln, Pfingstrosen. Blumensträusse.
Die Hummeln und Bienen, die nun wieder von Blüte zu Blüte summen und brummen.
Nach einer Feier für frühverstorbene Kinder im Kantonspital Luzern, kommen Eltern auf mich zu und sagen, dass ihnen das bewusste Abschiednehmen in Gemeinschaft gutgetan hätte.
Dass die Möwen wieder auf dem gegenüberliegenden Hausdacht nisten, mich morgens mit ihrem Geschrei wecken und ich mich fühle, als wäre ich an der Nordsee – nach nur einem kurzen Moment der Verärgerung ob der frühen Stunde.
Die Weizenfelder, die in ihrem zarten Grün wogen und den Sommer erahnen lassen.
Die Geburtstagsbriefe für den Monat Mai alle rechtzeitig geschrieben und abgeschickt zu haben.
Die Entenküken am See, die von ihren Eltern so gut bewacht werden, miteinander schwimmen und sichtlich Freude zusammen haben.
Eine Tasse Kaffee auf dem Balkon.
Meine Schwestern alle in einem Monat gesehen zu haben – zumindest kurz.
Die spirituellen Anregungen des «Paradiesgartens» in den geraden Monaten von 2026 werden gepflanzt von Felicitas Ameling, Theologin und Spitalseelsorgerin. Mehr über die Autorin
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